Verteidiger: Steinwürfe auf die Osttangente in Nordhorn sind versuchter Totschlag

Landgericht Osnabrück: Planvolles Handeln oder komatöser Zustand

Nachdem die Staatsanwaltschaft wegen der Steinwürfe von einer Brücke auf die Osttangente von Nordhorn 8 Jahre und 6 Monaten Freiheitsstrafe für den 44-jährigen Angeklagten beantragt hatte, plädierte nun der Verteidiger Theo Krümberg vor dem Landgericht Osnabrück. Anders als der Ankläger sah Krümberg in den 2 Steinwürfen keinen Mordversuch, sondern nur versuchten Totschlag in drei Fällen. Er beantragte sechs Jahre und sechs Monate Haft für seinen Mandanten. Vor dem Plädoyer des Verteidiger erteilte die 6. Große Strafkammer einen rechtlichen Hinweis: Der erste Steinwurf am Abend des 16.8.2011 auf das Fahrzeug einer Zivilstreife könne auch als 2-facher Mordversuch gewertet werden, weil das Auto mit 2 Personen besetzt gewesen sei. Rechtsanwalt Theo Krümberg ging in seinem Plädoyer zuerst auf die weiteren Anklagepunkte ein. Sein Mandant habe voll umfänglich gestanden am 28.3.2011 in ein Firmengebäude in Emlichheim eingedrungen zu sein, um nach Essbarem oder Stehlenswertem zu suchen. Er habe nur Kekse gefunden und das Gebäude angesteckt, um seine Einbruchspuren zu verwischen. Dann habe er den Tatort erst verlassen, sei aber noch einmal zurückgekehrt, um zu prüfen, ob „das Feuer auch richtig am Lodern sei“. Es sei ein Sachschaden von 10000 Euro am Gebäude und von 3000 Euro am Inventar entstanden. Schon am nächsten Tag habe sich sein Mandant freiwillig bei der Polizei als Täter zu erkennen gegeben. Eine Woche später habe er dann die Seitenscheibe eines Pkws eingeworfen und ein Portemonnaie mit 300 Euro, sowie ein Handy gestohlen. Der dritte Tatkomplex sei, so Krümberg, aber mit Abstand der schwerwiegenste Vorwurf. Fest stehe , dass sein Mandant, der sich an nichts erinnern könne, am Abend des 16.8.2011 um 22.30 Uhr einen Stein auf die Fahrbahn der Osttangente geworfen habe. Er sei kurz danach von 2 Polizisten am Tatort in „völlig komatösem Zustand“ festgenommen worden. In der Satteltasche seines Fahrrades hätten sich weitere Steine befunden. Beschädigt worden sei, so Krümberg, der Kotflügel des Autos einer Taxifahrerin. Es sei nicht festzustellen gewesen, ob der Stein erst auf die Straße und dann gegen das Auto geprallt sei oder es direkt getroffen habe. Aus diesem zweiten Vorfall an der Brücke des Wehrweges über die B 213 ließe sich ableiten, dass sein Mandant auch für den Steinwurf eine Stunde vorher verantwortlich gewesen sei, auch wenn es dafür keine direkten Zeugen oder Belege gebe. Bei diesem Steinwurf wurde das Fahrzeug von zwei Zivilpolizisten getroffen. Fraglich sei aber, so der Anwalt, ob der 44-jährige Angeklagte planvoll und somit heimtückisch handelte, indem er die Arg- und Wehrlosigkeit der Fahrzeugführer ausgenutzte. Krümberg stellte fest: „Die subjektive Seite fehlt.“ Das bedeute, dass die Steinwürfe als versuchter Totschlag einzuordnen seien. Sein Mandant habe die Taten wegen seines Alkoholkonsums vor der Tat in Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen, sodass der Strafrahmen entsprechend nach unten zu verschieben sei. Für die Brandstiftung, die Diebstähle und den dreifachen Totschlagversuch sei eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten angemessen. Krümberg beantragte, dass sein Mandant erst für ein Jahr in Haft kommt und anschließend wegen seiner Alkoholproblematik 2 Jahre in den Maßregelvollzug. Auf diese weise können er bei entsprechender Führung einen Antrag nach der Halbstrafenregelung stellen. Das Urteil wird am Freitag um 11 Uhr im Landgericht verkündet.

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