Hohe Jugendstrafen nach Graffiti-Schmiererein in Melle

Amtsgericht Osnabrück: Letzte Chance für Bewährungsversager

Als er „Jetzt komm ich“ an eine Hauswand in Melle sprühte, meinte er wohl nicht, das Amtsgericht Osnabrück als Ziel seiner Ankündigung. Doch genau dort landete ein 18-Jähriger mit seinem 19-jährigen Kumpanen. Und fast wäre es von dort weiter ins Jugendgefängnis gegangen. Die beiden jungen Männer musste sich vor dem Schöffengericht verantworten, weil sie im Herbst 2011 und Frühjahr 2012 in Melle Gebäude besprüht hatten. „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“ heißt es im Volksmund. Doch heute benutzen die Narren Sprühdosen. Selten werden die Verursacher der unliebsamen Verunstaltungen an Hausfassaden überführt. Auf den zum Teil erheblichen Schäden bleiben die verärgerten Hausbesitzer sitzen. Auf diesen Umstand machte auch der Anklagevertreter aufmerksam, als er feststellte, dass sich der Sachschaden den die beiden Angeklagten verursacht hatten auf über 3000 Euro beliefe. Im 16 Fällen, so hieß es in der Anklageschrift, hatte der 18-Jährige in Melle sich fünfmal an Turnhallen, sowie an Häuserwänden von Gaststätten, Bürogebäuden, Garagentoren und einem LKW mit einer Sprühdose verewigt. Zweimal war der Mitangeklagte, wie er eingestand, dabei. In Graffitiszene werden die Schmiererein als „Tags“ bezeichnet. Oftmals verwenden die Sprühdosenschwinger gleiche Zeichen oder Bilder, damit sie von anderen wieder erkannt werden können. So auch die beiden Melleraner: ZVC war ein häufiges „Tag“. Daneben kam es zu Schriftzügen wie „24 crimetime“, „undercover“ und der eben der Ankündigung „Jetzt komm ich“. Acht der sechszehn anklagegegenständlichen Sachbeschädigungen gestand der 18-Jährige unumwunden ein. In den anderen Fällen sei er von „Jüngeren, die das cool fanden,“ nachgeahmt worden. Der Richter deutete an, dass die Begehungsweise und die Tatzeiten zwar auch in den anderen Fällen auf ihn hindeuteten, stellte aber nach Absprache mit dem Staatsanwalt die strittigen acht Fälle ein. Das Problem der beiden Angeklagten war, dass sie während der Taten beide unter Bewährung standen. Der 18-Jährige war im August 2011 unter anderem wegen gemeinschaftlichen Raubes verurteilt worden. Der 19-Jährige hatte ebenfalls eine Bewährungsstrafe erhalten. Er hatte sich wegen Diebstahls, Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis zu verantworten gehabt. In beiden Fällen war die Höhe der Strafe nach Jugendstrafrecht nicht festgelegt worden. Die Bewährungshelferin der beiden stellte dem 18-Jährigen ein gutes Zeugnis aus: „Er arbeitet gut mit“. Bei dem 19-Jährigen machte die Helferin Einschränkungen. Er hat „gelegentlich ein Pfeifchen“ geraucht und „mir dann nach dem Mund geredet.“ Der Angeklagte, so dessen nwalt, habe sich eigenständig um einen Therapieplatz gekümmert, um seine Abhängigkeit von Marihuana in den Griff zu bekommen. Das beide Angeklagte Bewährungsversager sind, veranlasste den Staatsanwalt recht hohe Haftstrafen von einem Jahr für den 19-Jährigen und 18 Monaten für den 18-Jährigen zu beantragen. Beide hätten die Warnungen aus den bisherigen Urteilen „in den Wind geschlagen“. Es könne letztmalig eine Bewährung zuerkannt werden. Die Anwälte der beiden Geständigen beantragten „milde Strafen“. Sein Mandant, so der Anwalt des 18-Jährigen, habe die Straftaten in „einer schweren familiären Phase während einer tiefgreifenden persönlichen Krise“ begangen. Das Schöffengericht folgte tendenziell dem Antrag des Staatsanwaltes und erkannte unter Einbeziehungen der Vorstrafen für den 18-Jährigen 14 Monate und für den Mitangeklagten 10 Monate Jugendhaft als angemessen. Beide Strafen wurden auf 3 Jahre zur Bewährung ausgesprochen. Als Auflage erhielt der 19-Jährige, dass er die Drogentherapie absolviert. Der 18-Jährige muss 500 Euro zahlen.

Diesen Beitrag teilen



Hohe Jugendstrafen nach Graffiti-Schmiererein in Melle  - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt