Angedrohter Buttersäureanschlag war nur ein Pennälerstreich

Urteil des Landgerichts Osnabrück im Erpressungsfall am Montag fraglich

Osnabrück – Zwei Brüder (25 u. 35) aus Nordhorn müssen sich in einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Osnabrück wegen versuchter Erpressung verantworten. Sie sollen versucht haben von einem Nordhorner Spielhallenbetreiber 10000 Euro zu erpressen und ihm angedroht haben seinen Sohn zu attackieren oder einen Buttersäureanschlag auf eines seiner Lokale auszuführen. Das Amtsgericht Nordhorn hatte sie zu 1 Jahr und 9, beziehungsweise 1 und 6 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen das Urteil hatte auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, weil nach Meinung der Anklagevertreter die Strafe zu niedrig angesetzt sei.

Am ersten von 3 Verhandlungstagen hatten die beiden Angeklagten zu dem Vorwurf nicht Stellung genommen.

Am zweiten Tag gab erst der Anwalt des jüngeren Angeklagten eine Erklärung ab. Überraschend äußerte sich dann der Mandant selbst. Das wiederum ermunterte den älteren der beiden Brüder ebenfalls auszusagen.

Stück für Stück wurde die Erpressung eingeräumt, auch wenn sie als etwas anderes bezeichnet wurde.

Es habe sich, so der Anwalt des 25-Jährigen mehr oder weniger um so etwas wie die Androhung eines Pennälerstreichs mit Stinkbomben gehandelt, als von einem möglichen Buttersäureanschlag die Rede gewesen sei.

Eine "kleine Einschüchterung" sei das gewesen. Geld sei nicht gefordert worden. Jedenfalls nicht so richtig. Zwar sei von einer Geldübergabe die Rede gewesen, aber letztendlich habe das die Polizei "angeschoben", nachdem sich der angeblich Bedrohte an diese gewandt habe. Buttersäure sei harmlos, behauptet der Rechtsanwalt noch, bevor sein Mandant, seine eigene, soeben verlesene Erklärung konterkariert.

"Wir waren aggr... Wir war´n böse, weil wir verloren hatten." Deshalb habe man sich mit dem Nebenkläger getroffen, um darüber zu sprechen. Er selbst habe zwar daneben gestanden, als sein Bruder mit dem Spielhallenbesitzer auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants gesprochen habe, aber er habe "nix gehört". Und gefragt habe er seinen Bruder hinterher auch nicht.

Was er hätte hören können, erzählt anschließend sein älterer Bruder. Ja, man habe 10000 Euro verlangt, aber das sei nur "ein Gag" gewesen. "Wir wollten ihm eins auswischen, weil er Schei... über uns geredet hat." Es sei also um die Ehre gegangen, fragt die Richterin nach? Und was war mit der Buttersäure? Ja, so der Angeklagte, davon habe er gesprochen, aber überhaupt nicht gewusst was das sei. Jedenfalls sei der Sohn des Nebenklägers nicht bedroht worden. Er habe selbst 4 Kinder und würde so was niemals tun.

Verwunderung herrscht beim Vertreter der Nebenklage darüber, dass beide Brüder mit Luxuskarossen herumfahren, obwohl sie nach ihren Angaben vor Gericht Hartz4 Empfänger sind: "Habe ich sie nicht vor kurzem in einem VW-Phaeton gesehen," fragt Robert Koop den jüngeren der beiden Brüder. Für diesen antwortet der ältere Bruder: "Den bekommt man schon für 30000 Euro." Er selber würde zur Zeit kein Auto fahren.

Zum Treffen mit dem Spielhallenbesitzer kamen die beiden Brüder jedenfalls mit einer Luxuskarosse. Das ist auf dem umfangreichen Videomaterial zu sehen, welches die Richterin vollumfänglich im Gerichtssaal zeigt, weil sie mit der Steuerung des Computers nicht klarkommt.

Ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) hatte vom Dach des neben dem Parkplatz liegenden Polizeigebäudes Videoaufnahmen gemacht. Eine akustische Aufzeichnung des Gespräches scheiterte, weil die Ausrüstung schlichtweg zu schlecht dafür war. Dies ergab sich aus der Aussage des Leiters des MEK. Anders als in Filmen, sei die Polizei nicht mit Richtmikrophonen ausgerüstet, sondern verfüge nur über ein handelsübliches Reportergerät. Auf den Filmaufnahmen sind die beiden Brüder deutlich zu sehen, wie sie wechselseitig wild gestikulierend und bedrohlich auf den Spielhallenbesitzer einreden.

Obwohl der Sachverhalt mehr oder weniger aufgeklärt ist, beantragte die Verteidigung ein Abspielen der, laut Polizeibeamtem, unbrauchbaren akustischen Überwachung.

Ob es daher am kommenden Montag schon zu einem Urteil kommt, hängt auch davon ab, wie das Gericht über den Antrag entscheidet.

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