Großverfahren

 

War er ein Trittbrettfahrer? Ein Nachahmungstäter? Hat er nur einen erfolglosen Versuch eines Raubüberfalles  unternommen? Oder hat der Polizeikommissar Uwe-Andreas P. aus Papenburg tatsächlich 11 Raubüberfälle begangen? Diese Fragen beschäftigte seit Donnerstag, den 18.05.06 die 10. Strafkammer des Landgerichts Osnabrück.

 

Mit Brötchentüte zum Überfallort? Ex-Polizist leugnet Überfälle -23 Prozesstage des Landgerichts Osnabrück vermutlich in Papenburg

Nachbar des Angeklagten war Filialleiter einer überfallenen Bank

War er ein Trittbrettfahrer? Ein Nachahmungstäter? Hat er nur einen erfolglosen Versuch eines Raubüberfalles  unternommen? Oder hat der mittlerweile vom Dienst suspendierte ehemalige Polizeikommissar Uwe-Andreas P. aus Papenburg tatsächlich 11 Raubüberfälle begangen? Diese Fragen beschäftigt seit Donnerstag, den 18.05.06 die 10. Strafkammer des Landgerichts Osnabrück. Die Anklageerhebung ist deutlich: In der Zeit zwischen Februar 2002 und November 2005 soll der jetzt 45-jährige Uwe-Andreas P. fünf Combi-Märkte, vier Lidl-Märkte, einen Aldi-Markt, sowie zwei Banken überfallen haben und dabei 158000 € erbeutet haben. Mal mit einem Messer, meistens aber mit einer Pistole bewaffnet, habe er, so die Anklage, die Tatorte maskiert betreten und Angestellte zur Herausgabe von Bargeld gezwungen. Er zwang das Personal zur Öffnung von Tresoren und verlangte Geld aus den Kassen. Neben diesen Taten soll der Angeklagte Vollstreckungsgelder veruntreut haben, die ihm dienstlich überreicht wurden. 32 mal habe er Beträge zwischen 53 € und 2200 € entgegen genommen, aber nicht, oder erst verpätet an das Amtsgericht Papenburg weitergereicht. Bei seiner Verhaftung fehlte ein Betrag von 11300 €. Diese Taten gestand der ehemalige Polizist:“Eine Riesendummheit.“ Die Überfälle aber, so der Angeklagte in einer Grundsatzerklärung zu Beginn der Verhandlung, habe er nicht begangen:“ Ich bin unschuldig. Das wird der Prozess beweisen“. Zu den einzelnen Tatvorwürfen wollte sich der Angeklagte am ersten Prozesstag nicht äußern. In einer im Gerichtssaal gezeigten Videoaufzeichnung seiner richtlichen Vernehmung gestand er ein, sich dienstlich für die Überfälle im Emsland interessiert zu haben. Auch habe er wegen seiner finanziellen Engpässe überlegt einen Banküberfall zu machen und sich hierfür Requisiten besorgt, die auf den sogenannten Combi-Räuber hinweisen sollten: „Ich wollte eine falsche Fährte legen.“ Er habe aber weder den Banküberfall durchgeführt, noch sei er in der Lage gewesen den Lidl-Markt in Dörpen zu berauben. Hier war er am 29.11.2005 kurz nach 20:00 Uhr von Kollegen festgenommen worden. „Ich habe den Versuch abgebrochen. Ich konnte es nicht!“, beteuerte der Ex-Polizist in seiner Videovernehmung immer wieder. Er nutzte die eingestandenen Veruntreuungstaten, um sich von den wesentlich schwereren Vorwürfen der mehrfachen räuberrischen Erpressung zu entlasten. „Es ist doch unlogisch, wenn ich die Gefahr der Entdeckung bei der Veruntreuung im Dienst eingehe, wenn ich anderseits 160000 € bei den Überfällen erbeutet hätte.“ Für jeden der Tattage habe er ein Alibi. Mal war er mit dem Fahrrad auf dem Weg zu einer Freundin, mal beim Kegeln und dann wiederum in seinem Dienstzimmer, als die Überfälle geschahen. Bei einem weiteren Überfall sei er beim Einkaufen in einer Bäckerei gewesen, als eine Frau aufgeregt das Geschäft betreten habe und berichtete, dass gerade der nahegelegenen Combi-Markt überfallen worden sei. Er sei dann, so Uwe-Andreas P., mit der Brötchentüte in der Hand zum Tatort geeilt. Für den Prozess, der voraussichtlich in Papenburg fortgesetzt wird (31.05), sind 23 Verhandlungstage angesetzt. 84 Zeugen sind geladen. Es werden die finanzielle Situation des Angeklagten durchleuchtet, die Alibis überprüft und Tatzeugen gehört werden. Unter ihnen ein ehemaliger Nachbar des Angeklagten, Filialleiter der Volksbank, die der Angeklagte überfallen haben soll.

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Fehlende Räumlichkeiten in Papenburg

Prozess gegen Ex-Polizisten wird in Osnabrück fortgesetzt

Fehlende Räumlichkeiten in Papenburg und ein zu großer organisatorischer Aufwand veranlassen das Landgericht Osnabrück den Prozess gegen einen Ex-Polizisten nun doch, anders als angekündigt, in Osnabrück fortzusetzen. Wegen der großen Zahl von 83 geladenen Zeugen hatte die Staatsanwaltsschaft beantragt, den Prozess gegen den aus Papenburg stammenden mutmaßlichen Bankräuber dort fortzusetzen. In seiner Heimatstadt und der näheren Umgebung soll er laut Anklage insgesamt 11 Verbrauchermärkte und 2 Banken überfallen haben. Am 31.05.06 muß die 10. große Strafkammer also nicht mit einem Bus auf Reisen ins Emsland gehen, sondern kann wie gewohnt den großen Schwurgerichtssaal (272) im Landgericht Osnabrück nutzen.

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Ex Polizist bestreitet weiterhin Raubüberfälle.

120 vorbereitete Fragen an ehemaligen Kollegen: „Haben Sie eine Gehirnleistungsschwäche?“

Eine längere Einlassung des Angeklagten und ein anschließender Befragungsmarathon, dem sich ein Polizeibeamter stellen musste, kennzeichneten den dritten Tag im Prozess gegen den Ex-Polizisten Uwe P. aus Papenburg vor dem Landgericht Osnabrück. Einen versuchten Überfall und 11 vollendete Raubüberfälle auf Verbrauchermärkte und zwei Banken, sowie Unterschlagungen im Dienst wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Nachdem der Angeklagte bereits am ersten Tag beteuert hatte, keinen der Raubüberfall begangen zu haben, bestritt er erneut der „Combi-Räuber“ zu sein. Anhand des ihm zur Last gelegten vierten Überfalles auf einen Combi-Markt versuchte er nun zu beweisen, dass er ein Alibi gehabt hätte. Er sei zur Tatzeit in einer nahegelegenen Bäckerei gewesen und erst nachdem er dort von dem Überfall erfahren habe zum Tatort geeilt. Er zweifelte die, von der Polizei durchgeführte Weg-Zeit-Messung an. Folge man der Polizeitheorie, so seien ihm 45 Sekunden geblieben, um seine Beute zu verstecken, seine Kleidung zu wechseln und in der Bäckerei zu bestellen. Dieses sei unmöglich. Da aber, so der Ex-Polizist, der Weg des Täters noch wesentlich länger gewesen sei, als von der Polizei behauptet, bestünde überhaupt keine Möglichkeit an beiden Orten gewesen zu sein. Darüber hinaus habe ein Fährtenhund einen völlig anderen Weg angezeigt, als den zur Bäckerei. Diese Spur habe sich an einem Taxistand verloren. Nach seiner längeren, gut vorbereiteten Einlassung unterzog er einen der Polizeibeamten, die gegen ihn ermittelt hatten einer Befragung, die er fälschlicherweise als „Vernehmung“ bezeichnete. Daran beteiligten sich auch seine beiden Verteidiger, eine junge Anwältin aus Osnabrück und ein Anwalt aus Lingen. Ein Kreuzverhör, sei laut Strafprozessordnung nicht zulässig, rügte der Vorsitzende der Strafkammer die Vorgehensweise der drei Fragensteller. 120 Fragen hatte allein der Angeklagte vorbereitet. Doch er konnte nicht alle stellen, denn der, dem Fragenbombardement ausgesetzte Beamte wies auffallend viele Erinnerungslücken auf, obwohl die letzte Tat erst 6 Monate zurück liegt. Ausweichend, stockend und zunehmend bockiger werdend antwortete er oftmals:“ Daran kann ich mich nicht erinnern.“ Das brachte den Verteidiger aus Lingen in Rage. Seine rhetorische Frage: „Haben Sie eine Gehirn-Leistungsschwäche?“ wurde vom Vorsitzenden des Gerichts als unzulässig zurückgewiesen. Auch seinem Richterkollegen erschienen die Fragen bezüglich der Aussagen von vernommenen Zeugen überflüssig:„Warum fragen Sie nicht die Zeugen selber?“ Von 83 geladenen Zeugen wurde bisher lediglich sechs gehört. Es erscheint angesichts der Verteidigungsstrategie fraglich, ob sich das geplante Ende des Prozesses am 23.10.2006 einhalten lässt. Der nächste Termin jedenfalls steht fest: Donnerstag, den 29.06.2006 um 9 Uhr.

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Ex-Polzist: Erst Geständnis. Dann Widerruf.

Nach dem Biss ins Pausenbrot tauchte der Räuber auf

Am zweiten Tag im Verfahren gegen den Expolizisten Uwe. P aus Papenburg, der sich vor dem Landgericht Osnabrück wegen 11 Raubüberfällen und Unterschlagung verantworten muss, wurden vier Polizeibeamte gehört. Sie waren an der Festnahme des 45-jährigen Familienvaters, nach dessen erfolglosen Versuch einen Supermarkt in Dörpen zu überfallen, beteiligt. Nachdem in der Region um Pappenburg seit Februar 2002 neun Supermärkte überfallen worden waren, hatte das Landeskriminalamt (LKA) eine Fallanalyse erstellt. Daraus ergab sich, dass der Täter jemand sein musste, der interne Kenntnisse hatte. Nach der Installation von technischen Anlagen in verschiedenen Supermärkten, die unter anderem dafür sorgen sollten, die Stimme des Täters aufzuzeichnen, wurden im November 2005 auch Observationen von Märkten durchgeführt. Dabei fiel unter anderem das Auto des Angeklagten auf. Am Abend des 29.11.2005 wurden zwei Märkte beobachtet. Am Lidl-Markt in Aschendorf tauchte um 19.20 Uhr ein dunkeler Opel auf. Das Fahrzeug, welches dem Angeklagten gehörte, verschwand kurz darauf wieder. Zur selben Zeit hatten sich zwei Beamte vor einem Lidl-Markt in Dörpen aufgebaut. Aus 150 m Entfernung beobachteten sie, der eine mit einem Fernglas, den Eingangsbereich. Als um 20 Uhr die Kassiererinnen die Kassen räumten, dachten die Beamten an einen Abbruch der Observation. Kurz nachdem einer der Beamten zweimal in sein mitgebrachtes Pausenbrot gebissen hatte, tauchte vor dem Laden eine Person auf. Diese zog sich etwas über den Kopf und wollte ins Ladeninnere. Doch die Automatiktüren öffneten sich nicht mehr. Unverrichteter Dinge entfernte sich die Person. Alarmiert folgten die Polizisten dem Unbekannten und stießen schon bald auf den mittlerweile in seinem Auto sitzenden Uwe P., dem sie unauffällig folgten. Per Telefon wurden die Kollegen in Aschendorf verständigt, die ebenfalls die Verfolgung aufnahmen. Im Ortsgebiet von Papenburg erfolgte dann der Zugriff und die Festnahme. Den Vorschlag die Vernehmung in seinem Dienstzimmer des Verhafteten durchzuführen, hielt sein Kollege für „etwas unglücklich“.

Alle vier Beamten schilderten, das der Angeklagte die Überfälle auf die Märkte zugegeben habe. Und nicht nur das: Er gestand noch zwei weitere Überfälle, die bis dato dem sogenannten Combiräuber nicht zugeordnet worden waren. Darüber hinaus gab er einen Hinweis auf ausländische Banknoten im Kofferraum seines Fahrzeuges, wo sich auch ein Regenponcho befand, der beim Überfall auf eine Poststelle verwendet worden war. Die sichergestellten Banknoten entsprachen in der Stücklung und der Geldsumme genau den beim Überfall auf die Volksbank in Steinbild erbeuteten. Der Abgleich des Ponchos mit Lichtbildern einer Überwachungskamera durch das LKA ergab eine hohe Übereinstimmung. Der festgenommene Kollege habe als Grund für seine Taten Verluste durch Aktiengeschäfte und veruntreute Gelder genannt, die er zurückzahlen wolle. Als weiteren Beleg für seine Täterschaft würden Vermögensfahnder dahinter kommen, dass immer kurz nach den Überfällen Einzahlungen von ihm auf sein Konto getätigt worden seien. Von alldem wollte der Angeklagte, der in der Nacht nach Lingen gebracht worden war, am nächsten Morgen nichts mehr wissen. Was er gestern gesagt habe, sei nicht richtig, habe er einem der Beamten gesagt. Er wollte vorerst nur mit einem Anwalt sprechen.

Die Befragung der Zeugen durch den Verteidiger glich phasenweise einem Verhör und stellte die Geduld des Gerichtes und der Zuhörer auf eine harte Probe. Der Rechtsanwalt versuchte aus vermeintlichen Widersprüchen und Lücken in den Aussagen der Beamten einen Beleg dafür zu finden, dass deren Gesprächsprotokolle fehlerhaft seien.

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Ex-Polizist demonstrierte mit Wasserflasche seine Gewichtsveränderung


Zeuge konnte den Angeklagten im Combi-Räuber Prozess nicht identifizieren

Regen Zuschauerzuspruch findet nach wie vor der Prozess vor dem Landgericht Osnabrück gegen einen vom Dienst suspendierten Polizeibeamten aus Papenburg, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft neun Verbrauchermärkte, eine Bank und eine Postfiliale überfallen zu haben. Erstmals wurde ein direkter Tatzeuge gehört. Ein Postbeamter war Opfer eines Überfalles am 22.02.2002 in Papenburg, der dem 45-jährigen Angeklagten zur Last gelegt wird. Am frühen Freitagmorgen, so berichtete der Zeuge, habe er wie immer den Hintereingang der Postfiliale öffnen wollen, als er von einem Unbekannten angesprungen worden sei, der ihn von hinten umfasste und ein Fahrtenmesser in seinen Nacken drückte. Der Täter habe sehr nervös gewirkt und sei erst im Inneren des Gebäudes ruhiger geworden. Aufgrund der massiven Gewaltandrohung habe er, so der Beamte, schließlich den Tresor geöffnet. Der Täter habe das dort befindliche Geld (einen fünfstelligen Betrag, Anm.Red.) in eine dunkle Plastiktüte gestopft. Er habe, so der 58-jährige Zeuge überlegt, ob er den Täter umstoßen solle, um ihn anschließend in der Postfiliale einzuschließen. Da dieser aber größer und kräftiger als er gewesen sei, habe er den Gedanken verworfen. So konnte der mit einem Regenponcho bekleidete, vermummte Täter unerkannt entkommen. Die Befragung des Zeugen richtete sich vornehmlich auf die Beschreibung des Täters. Daran beteiligte sich auch der Angeklagte. Er habe zur Tatzeit 130 Kg gewogen, führte Uwe A. aus und demonstrierte den Unterschied zu seinem derzeitigen Gewicht (100 Kg) mit Hilfe einer Wasserflasche: „Stellen Sie sich vor 30 von diesen Flaschen um meinen Bauch. Sah der Täter so aus?“ Letztlich ergaben die Nachfragen, ob der Täter einen halben Kopf oder mindestens einen halben Kopf größer gewesen sei, keine brauchbaren Ergebnisse. Der Postbeamte konnte nicht ausschließen, dass der Angeklagte nicht der Täter war, konnte ihn aber auch nicht identifizieren. Nach dem Tatzeugen wurde ein Amtsrichter gehört, der die erste richterliche Vernehmung nach der Verhaftung des Ex-Polizisten durchführte. Der Angeklagte habe die Taten bestritten und diverse Albis angeführt. Mal sei er zur Tatzeit auf dem Weg zu seiner Freundin gewesen, dann in seinem Dienstzimmer bei der Polizei. Mehrmals sei er von Zeugen zwar auch in unmittelbarer Tatortnähe, aber unmaskiert gesehen worden. Der Prozess wird am 17.07.06 fortgesetzt. Vier Polizisten und sieben weitere Personen stehen auf der Zeugenliste.

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