Großverfahren

Mit Brötchentüte zum Überfallort? Ex-Polizist leugnet Überfälle -23 Prozesstage des Landgerichts Osnabrück vermutlich in Papenburg

Nachbar des Angeklagten war Filialleiter einer überfallenen Bank

War er ein Trittbrettfahrer? Ein Nachahmungstäter? Hat er nur einen erfolglosen Versuch eines Raubüberfalles  unternommen? Oder hat der mittlerweile vom Dienst suspendierte ehemalige Polizeikommissar Uwe-Andreas P. aus Papenburg tatsächlich 11 Raubüberfälle begangen? Diese Fragen beschäftigt seit Donnerstag, den 18.05.06 die 10. Strafkammer des Landgerichts Osnabrück. Die Anklageerhebung ist deutlich: In der Zeit zwischen Februar 2002 und November 2005 soll der jetzt 45-jährige Uwe-Andreas P. fünf Combi-Märkte, vier Lidl-Märkte, einen Aldi-Markt, sowie zwei Banken überfallen haben und dabei 158000 € erbeutet haben. Mal mit einem Messer, meistens aber mit einer Pistole bewaffnet, habe er, so die Anklage, die Tatorte maskiert betreten und Angestellte zur Herausgabe von Bargeld gezwungen. Er zwang das Personal zur Öffnung von Tresoren und verlangte Geld aus den Kassen. Neben diesen Taten soll der Angeklagte Vollstreckungsgelder veruntreut haben, die ihm dienstlich überreicht wurden. 32 mal habe er Beträge zwischen 53 € und 2200 € entgegen genommen, aber nicht, oder erst verpätet an das Amtsgericht Papenburg weitergereicht. Bei seiner Verhaftung fehlte ein Betrag von 11300 €. Diese Taten gestand der ehemalige Polizist:“Eine Riesendummheit.“ Die Überfälle aber, so der Angeklagte in einer Grundsatzerklärung zu Beginn der Verhandlung, habe er nicht begangen:“ Ich bin unschuldig. Das wird der Prozess beweisen“. Zu den einzelnen Tatvorwürfen wollte sich der Angeklagte am ersten Prozesstag nicht äußern. In einer im Gerichtssaal gezeigten Videoaufzeichnung seiner richtlichen Vernehmung gestand er ein, sich dienstlich für die Überfälle im Emsland interessiert zu haben. Auch habe er wegen seiner finanziellen Engpässe überlegt einen Banküberfall zu machen und sich hierfür Requisiten besorgt, die auf den sogenannten Combi-Räuber hinweisen sollten: „Ich wollte eine falsche Fährte legen.“ Er habe aber weder den Banküberfall durchgeführt, noch sei er in der Lage gewesen den Lidl-Markt in Dörpen zu berauben. Hier war er am 29.11.2005 kurz nach 20:00 Uhr von Kollegen festgenommen worden. „Ich habe den Versuch abgebrochen. Ich konnte es nicht!“, beteuerte der Ex-Polizist in seiner Videovernehmung immer wieder. Er nutzte die eingestandenen Veruntreuungstaten, um sich von den wesentlich schwereren Vorwürfen der mehrfachen räuberrischen Erpressung zu entlasten. „Es ist doch unlogisch, wenn ich die Gefahr der Entdeckung bei der Veruntreuung im Dienst eingehe, wenn ich anderseits 160000 € bei den Überfällen erbeutet hätte.“ Für jeden der Tattage habe er ein Alibi. Mal war er mit dem Fahrrad auf dem Weg zu einer Freundin, mal beim Kegeln und dann wiederum in seinem Dienstzimmer, als die Überfälle geschahen. Bei einem weiteren Überfall sei er beim Einkaufen in einer Bäckerei gewesen, als eine Frau aufgeregt das Geschäft betreten habe und berichtete, dass gerade der nahegelegenen Combi-Markt überfallen worden sei. Er sei dann, so Uwe-Andreas P., mit der Brötchentüte in der Hand zum Tatort geeilt. Für den Prozess, der voraussichtlich in Papenburg fortgesetzt wird (31.05), sind 23 Verhandlungstage angesetzt. 84 Zeugen sind geladen. Es werden die finanzielle Situation des Angeklagten durchleuchtet, die Alibis überprüft und Tatzeugen gehört werden. Unter ihnen ein ehemaliger Nachbar des Angeklagten, Filialleiter der Volksbank, die der Angeklagte überfallen haben soll.

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