Großverfahren

Ex-Polzist: Erst Geständnis. Dann Widerruf.

Nach dem Biss ins Pausenbrot tauchte der Räuber auf

Am zweiten Tag im Verfahren gegen den Expolizisten Uwe. P aus Papenburg, der sich vor dem Landgericht Osnabrück wegen 11 Raubüberfällen und Unterschlagung verantworten muss, wurden vier Polizeibeamte gehört. Sie waren an der Festnahme des 45-jährigen Familienvaters, nach dessen erfolglosen Versuch einen Supermarkt in Dörpen zu überfallen, beteiligt. Nachdem in der Region um Pappenburg seit Februar 2002 neun Supermärkte überfallen worden waren, hatte das Landeskriminalamt (LKA) eine Fallanalyse erstellt. Daraus ergab sich, dass der Täter jemand sein musste, der interne Kenntnisse hatte. Nach der Installation von technischen Anlagen in verschiedenen Supermärkten, die unter anderem dafür sorgen sollten, die Stimme des Täters aufzuzeichnen, wurden im November 2005 auch Observationen von Märkten durchgeführt. Dabei fiel unter anderem das Auto des Angeklagten auf. Am Abend des 29.11.2005 wurden zwei Märkte beobachtet. Am Lidl-Markt in Aschendorf tauchte um 19.20 Uhr ein dunkeler Opel auf. Das Fahrzeug, welches dem Angeklagten gehörte, verschwand kurz darauf wieder. Zur selben Zeit hatten sich zwei Beamte vor einem Lidl-Markt in Dörpen aufgebaut. Aus 150 m Entfernung beobachteten sie, der eine mit einem Fernglas, den Eingangsbereich. Als um 20 Uhr die Kassiererinnen die Kassen räumten, dachten die Beamten an einen Abbruch der Observation. Kurz nachdem einer der Beamten zweimal in sein mitgebrachtes Pausenbrot gebissen hatte, tauchte vor dem Laden eine Person auf. Diese zog sich etwas über den Kopf und wollte ins Ladeninnere. Doch die Automatiktüren öffneten sich nicht mehr. Unverrichteter Dinge entfernte sich die Person. Alarmiert folgten die Polizisten dem Unbekannten und stießen schon bald auf den mittlerweile in seinem Auto sitzenden Uwe P., dem sie unauffällig folgten. Per Telefon wurden die Kollegen in Aschendorf verständigt, die ebenfalls die Verfolgung aufnahmen. Im Ortsgebiet von Papenburg erfolgte dann der Zugriff und die Festnahme. Den Vorschlag die Vernehmung in seinem Dienstzimmer des Verhafteten durchzuführen, hielt sein Kollege für „etwas unglücklich“.

Alle vier Beamten schilderten, das der Angeklagte die Überfälle auf die Märkte zugegeben habe. Und nicht nur das: Er gestand noch zwei weitere Überfälle, die bis dato dem sogenannten Combiräuber nicht zugeordnet worden waren. Darüber hinaus gab er einen Hinweis auf ausländische Banknoten im Kofferraum seines Fahrzeuges, wo sich auch ein Regenponcho befand, der beim Überfall auf eine Poststelle verwendet worden war. Die sichergestellten Banknoten entsprachen in der Stücklung und der Geldsumme genau den beim Überfall auf die Volksbank in Steinbild erbeuteten. Der Abgleich des Ponchos mit Lichtbildern einer Überwachungskamera durch das LKA ergab eine hohe Übereinstimmung. Der festgenommene Kollege habe als Grund für seine Taten Verluste durch Aktiengeschäfte und veruntreute Gelder genannt, die er zurückzahlen wolle. Als weiteren Beleg für seine Täterschaft würden Vermögensfahnder dahinter kommen, dass immer kurz nach den Überfällen Einzahlungen von ihm auf sein Konto getätigt worden seien. Von alldem wollte der Angeklagte, der in der Nacht nach Lingen gebracht worden war, am nächsten Morgen nichts mehr wissen. Was er gestern gesagt habe, sei nicht richtig, habe er einem der Beamten gesagt. Er wollte vorerst nur mit einem Anwalt sprechen.

Die Befragung der Zeugen durch den Verteidiger glich phasenweise einem Verhör und stellte die Geduld des Gerichtes und der Zuhörer auf eine harte Probe. Der Rechtsanwalt versuchte aus vermeintlichen Widersprüchen und Lücken in den Aussagen der Beamten einen Beleg dafür zu finden, dass deren Gesprächsprotokolle fehlerhaft seien.

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