Großverfahren

Ex Polizist bestreitet weiterhin Raubüberfälle.

120 vorbereitete Fragen an ehemaligen Kollegen: „Haben Sie eine Gehirnleistungsschwäche?“

Eine längere Einlassung des Angeklagten und ein anschließender Befragungsmarathon, dem sich ein Polizeibeamter stellen musste, kennzeichneten den dritten Tag im Prozess gegen den Ex-Polizisten Uwe P. aus Papenburg vor dem Landgericht Osnabrück. Einen versuchten Überfall und 11 vollendete Raubüberfälle auf Verbrauchermärkte und zwei Banken, sowie Unterschlagungen im Dienst wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Nachdem der Angeklagte bereits am ersten Tag beteuert hatte, keinen der Raubüberfall begangen zu haben, bestritt er erneut der „Combi-Räuber“ zu sein. Anhand des ihm zur Last gelegten vierten Überfalles auf einen Combi-Markt versuchte er nun zu beweisen, dass er ein Alibi gehabt hätte. Er sei zur Tatzeit in einer nahegelegenen Bäckerei gewesen und erst nachdem er dort von dem Überfall erfahren habe zum Tatort geeilt. Er zweifelte die, von der Polizei durchgeführte Weg-Zeit-Messung an. Folge man der Polizeitheorie, so seien ihm 45 Sekunden geblieben, um seine Beute zu verstecken, seine Kleidung zu wechseln und in der Bäckerei zu bestellen. Dieses sei unmöglich. Da aber, so der Ex-Polizist, der Weg des Täters noch wesentlich länger gewesen sei, als von der Polizei behauptet, bestünde überhaupt keine Möglichkeit an beiden Orten gewesen zu sein. Darüber hinaus habe ein Fährtenhund einen völlig anderen Weg angezeigt, als den zur Bäckerei. Diese Spur habe sich an einem Taxistand verloren. Nach seiner längeren, gut vorbereiteten Einlassung unterzog er einen der Polizeibeamten, die gegen ihn ermittelt hatten einer Befragung, die er fälschlicherweise als „Vernehmung“ bezeichnete. Daran beteiligten sich auch seine beiden Verteidiger, eine junge Anwältin aus Osnabrück und ein Anwalt aus Lingen. Ein Kreuzverhör, sei laut Strafprozessordnung nicht zulässig, rügte der Vorsitzende der Strafkammer die Vorgehensweise der drei Fragensteller. 120 Fragen hatte allein der Angeklagte vorbereitet. Doch er konnte nicht alle stellen, denn der, dem Fragenbombardement ausgesetzte Beamte wies auffallend viele Erinnerungslücken auf, obwohl die letzte Tat erst 6 Monate zurück liegt. Ausweichend, stockend und zunehmend bockiger werdend antwortete er oftmals:“ Daran kann ich mich nicht erinnern.“ Das brachte den Verteidiger aus Lingen in Rage. Seine rhetorische Frage: „Haben Sie eine Gehirn-Leistungsschwäche?“ wurde vom Vorsitzenden des Gerichts als unzulässig zurückgewiesen. Auch seinem Richterkollegen erschienen die Fragen bezüglich der Aussagen von vernommenen Zeugen überflüssig:„Warum fragen Sie nicht die Zeugen selber?“ Von 83 geladenen Zeugen wurde bisher lediglich sechs gehört. Es erscheint angesichts der Verteidigungsstrategie fraglich, ob sich das geplante Ende des Prozesses am 23.10.2006 einhalten lässt. Der nächste Termin jedenfalls steht fest: Donnerstag, den 29.06.2006 um 9 Uhr.

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