Großverfahren

Ex-Polizist demonstrierte mit Wasserflasche seine Gewichtsveränderung


Zeuge konnte den Angeklagten im Combi-Räuber Prozess nicht identifizieren

Regen Zuschauerzuspruch findet nach wie vor der Prozess vor dem Landgericht Osnabrück gegen einen vom Dienst suspendierten Polizeibeamten aus Papenburg, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft neun Verbrauchermärkte, eine Bank und eine Postfiliale überfallen zu haben. Erstmals wurde ein direkter Tatzeuge gehört. Ein Postbeamter war Opfer eines Überfalles am 22.02.2002 in Papenburg, der dem 45-jährigen Angeklagten zur Last gelegt wird. Am frühen Freitagmorgen, so berichtete der Zeuge, habe er wie immer den Hintereingang der Postfiliale öffnen wollen, als er von einem Unbekannten angesprungen worden sei, der ihn von hinten umfasste und ein Fahrtenmesser in seinen Nacken drückte. Der Täter habe sehr nervös gewirkt und sei erst im Inneren des Gebäudes ruhiger geworden. Aufgrund der massiven Gewaltandrohung habe er, so der Beamte, schließlich den Tresor geöffnet. Der Täter habe das dort befindliche Geld (einen fünfstelligen Betrag, Anm.Red.) in eine dunkle Plastiktüte gestopft. Er habe, so der 58-jährige Zeuge überlegt, ob er den Täter umstoßen solle, um ihn anschließend in der Postfiliale einzuschließen. Da dieser aber größer und kräftiger als er gewesen sei, habe er den Gedanken verworfen. So konnte der mit einem Regenponcho bekleidete, vermummte Täter unerkannt entkommen. Die Befragung des Zeugen richtete sich vornehmlich auf die Beschreibung des Täters. Daran beteiligte sich auch der Angeklagte. Er habe zur Tatzeit 130 Kg gewogen, führte Uwe A. aus und demonstrierte den Unterschied zu seinem derzeitigen Gewicht (100 Kg) mit Hilfe einer Wasserflasche: „Stellen Sie sich vor 30 von diesen Flaschen um meinen Bauch. Sah der Täter so aus?“ Letztlich ergaben die Nachfragen, ob der Täter einen halben Kopf oder mindestens einen halben Kopf größer gewesen sei, keine brauchbaren Ergebnisse. Der Postbeamte konnte nicht ausschließen, dass der Angeklagte nicht der Täter war, konnte ihn aber auch nicht identifizieren. Nach dem Tatzeugen wurde ein Amtsrichter gehört, der die erste richterliche Vernehmung nach der Verhaftung des Ex-Polizisten durchführte. Der Angeklagte habe die Taten bestritten und diverse Albis angeführt. Mal sei er zur Tatzeit auf dem Weg zu seiner Freundin gewesen, dann in seinem Dienstzimmer bei der Polizei. Mehrmals sei er von Zeugen zwar auch in unmittelbarer Tatortnähe, aber unmaskiert gesehen worden. Der Prozess wird am 17.07.06 fortgesetzt. Vier Polizisten und sieben weitere Personen stehen auf der Zeugenliste.

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