Großverfahren

Eklat im Polizistenprozess: „Sie versuchen die Zeugin hinterhältig zu manipulieren. Das ist eine ganz üble Kiste“

40 weitere Zeugen sollen geladen werden. Angeklagter leugnet weiterhin

Der Prozess gegen einen ehemaligen Polizeibeamten aus Papenburg, der laut Anklage 11 Supermärkte beraubt und Unterschlagungen im Dienst begangen haben soll, wird eventuell länger dauern als geplant. Da der Angeklagte weiterhin die Taten bestreitet, sollen zusätzlich zu den bisher 83 Zeugen, noch 40 weitere geladenen werden.

Am fünften Verhandlungstag erschienen vor dem Landgericht Osnabrück vier Polizeibeamte und drei weitere Zeugen. Die Beamten aus Papenburg berichteten von ihren Ermittlungsergebnissen, die den Angeklagten, Uwe P. teilweise schwer belasteten. Die bei ihm gefundenen ausländischen Geldbeträge, die er auf dem Bremer Flughafen eingetauscht haben will, können nicht von dort stammen, weil es dort keine Tauschmöglichkeit gibt. Auch die Behauptung er habe seinen letzten Überfall, bei dem er gefasst wurde, abgebrochen, weil er gesehen habe, dass die Türen des Supermarktes von Angestellten geschlossen worden seinen, kann so nicht stimmen. Das Schließen der Türen erfolgt vom Büro des Marktes aus und kann von außen nicht beobachtet werden. Ein leitender Polizeibeamter sagte aus, dass er den Angeklagten getäuscht habe, nachdem er Kenntnis von einem Tatverdacht gegen diesen erhalten habe. In einem Gespräch habe er erwähnt, dass die Supermärkte in Dörpen und Aschendorf aus Personalmangel nicht observiert würden. Am darauf folgenden Tag wurde Uwe P. in Dörpen gefasst. Sätze, die er nach seiner Festnahme sagte, kommen einem Geständnis gleich: „Das wäre mein letzter Überfall gewesen. Ich hätte nur noch 20.000 € gebraucht.“ „Wenn ich aus dem Gefängnis komme, ist mein gelernter Beruf (Schlosser) nicht mehr aktuell.“ „Den Aschendorfer Markt hätte ich nicht überfallen, dort ist es viel zu hell.“ Nach den Polizeibeamten wurden zwei Tatzeugen gehört, die den Überfall auf einen Combimarkt in Papenburg beobachtet hatten. Eine der beiden, eine 64-jährige Hausfrau gab vor, den Täter erkannt zu haben, obwohl dieser maskiert gewesen sei: „Er sah aus wie Uwe P.“ Auch an der Stimme habe sie ihn erkannt. Dann fügte sie hinzu, dass der es ja nicht gewesen sein könne, weil er Polizeibeamter sei.

Der Verteidiger des Angeklagten versuchte die Glaubwürdigkeit der Zeugen zu erschüttern. Nachdem er erst einen Polizeibeamten so gereizt hatte, dass dieser nur noch widerwillig antwortete, versuchte er die Hausfrau zu verwirren. Seine Suggestivfragen brachten erst den Vorsitzenden der Strafkammer in Rage und riefen danach den Staatsanwalt auf den Plan: „Sie versuchen die Zeugin hinterhältig zu manipulieren. Das ist eine ganz üble Kiste.“ Nach diesen Sätzen gab es einen lautstarken Wortwechsel. Der Anwalt warf dem Gericht vor, ihm „grundsätzlich das Fragerecht zu entziehen“, wogegen sich der Vorsitzende verwahrte. Erst nach einer Verhandlungspause hatten sich die Gemüter so weit beruhigt, das die abschließende Zeugin, welche der Polizei von dem Tatverdacht der Hausfrau berichtet hatte, gehört werden konnte.

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