Großverfahren

Beim zweiten Überfall: „Bescheiß mich nicht wieder“

Verfolgte sich der Ex-Polizist selber: Erst Kunde, dann Räuber?

Das wäre ein dreistes Ganovenstück: Zweimal soll der ehemalige Polizist, Uwe P. aus Papenburg einen Combimarkt unweit seines Wohnhauses überfallen haben. Doch nicht nur das: Bei einem der Überfälle wurde er vor Tat als normaler Einkäufer gesichtet und erschien kurz nach dem Tatgeschehen als erster Polizist, um die Verfolgung des Täters aufzunehmen. Verfolgte er sich sozusagen selber? Weitere 9 vollendete und ein versuchter Überfall auf Verbrauchermärkte und Banken werden dem Ex-Polizisten zur Last gelegt. Die 10. große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück hatte erst 83 Zeugen geladen. Jetzt kommen noch 45 weitere dazu. Grund für die Zeugeninvasion: Der Papenburger bestreitet die Überfälle und will lediglich einen Überfall geplant, aber dann wegen Skrupels abgebrochen haben. Keiner der bisher gehörten Augenzeugen konnte den Täter eindeutig identifizieren. Immerhin: Eine 64-jährige Kundin, die einen Überfall miterlebte, sagte vor Gericht, dass sie hinterher Bekannten erzählte habe: „Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, es war Uwe P. Aber das kann ja nicht sein, der ist ja Polizist.“ Nicht nur an der Statur des Täters habe sie ihn erkannt, sondern auch an der Stimme. Dabei hatte der Räuber nur in abgehackten Sätzen gesprochen: „Überfall. Kasse auf.“ Antwort einer Kassiererin: „Die Kasse ist auf.“ Täter: „Tüte. Geld rein.“ Alles in klarem Hochdeutsch. Dazwischen allerdings: „Dawei. Dawei.“ (russ.: Beeil dich). Eine Mitarbeiterin des Combimarktes wurde zweimal Opfer. Beim erstenmal sei der bewaffnete, schwarz gekleidete und maskierte Täter mit einem eingerissenen Jutesack erschienen, aus dem das erbeutete Hartgeld herausgefallen sei. In ihrer Aufregung habe sie vergessen, so die Zeugin, die Tageseinnahmen aus dem Tresor herauszugeben. Davon muss der Täter erfahren haben, denn als er zum zweitenmal erschien, herrschte er sie an: „Bescheiß mich nicht wieder.“ Seit diesem Tage wird die Papenburgerin von Panikattacken geplagt und befindet sich in ärztlicher Behandlung.

Stück für Stück setzt das Gericht ein Puzzle zusammen, um sich ein Bild von den Überfallen zu machen. Selbst die Aussage eines mittlerweile Verstorbenen ist dabei wichtig: Sie wurde verlesen. Uwe P. hatte ihn als Entlastungszeugen genannt. Pech für ihn: Der Verstorbene hat ihn am Tattage nicht gesehen.

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