Großverfahren

Kunden mussten warten: Überfall war kein Aprilscherz

Polizisten-Prozess: Armada von Zeugen aus Papenburg

Wer war der Maskenmann, der zwischen 2002 und 2005 in und um Papenburg 11 Supermärkte überfallen hat. Diese Frage beschäftigt weiterhin die 10. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück. Angeklagt ist der 45-jährige Uwe P., der mit den Überfällen mindestens dienstlich zu tun hatte: als Polizeibeamter. In dieser Funktion kannte er die Fahndungsergebnisse und die Strategie der Polizei, zumal er zahlreiche Zeugen selber vernommen hatte. Eine ganze Armada von Kassiererinnen und Kunden der betroffenen Märkte hat das Gericht geladen. Am vergangenen Prozesstag ging es um den Überfall auf den Combi-Markt in Aschendorf am 1.04.2003. Kurz vor Ladenschluss des Geschäftes tauchte an diesem regnerischen Tag ein Mann mit einer blauen Regenjacke auf, die Kapuze weit übers Gesicht gezogen. Dann maskierte er sich, zog eine Pistole und rief: „Überfall!“. Die bedrohte Hauptkassiererin glaubte zuerst an einen Scherz, zumal ihr die Stimme bekannt vorkam. Als sie die Pistole dann in ihrem Rücken spürte, wurde ihr schlagartig klar: „Das ist kein Aprilscherz.“ Sie folgte der freundlich vorgetragenen Aufforderung des hochdeutsch sprechenden Täters und öffnete den Tresor in der Info-Box. Eine weitere Kassiererin holte derweil die Einsätze der Kassen. Die dort befindlichen Kunden mussten warten, wurden aber nach dem Überfall ordnungsgemäß abkassiert. Vom Backshop aus beobachtete eine weitere Mitarbeiterin die Vorgänge und mischte sich ein: „Was ist das denn für ein Aprilscherz?“ Die Aussagen der couragierten 41-Jährigen sorgten sowohl für Heiterkeit, wie auch Spannungen im Gerichtsaal. Sie habe ihrer Kollegin zugerufen: „B. was bist du blöd und gibst ihm die ganzen Scheine!“ Als der Angeklagte sie während ihrer Schilderung stört, wendet sie sich ihm brüsk zu: “Können sie mal aufhören zu blättern, das nervt total.“ Der Inhalt ihrer Aussage steht allerdings im Widerspruch zu den von ihr kurz nach der Tat gemachten Angaben. Damals hatte sie eine blaue, dünne Regenjacke erkannt. Jetzt ist es eine schwarze, dickere. Und von einem silbernen Ring an der Waffe des Täters berichtet sie erst jetzt. Mutmaßung des Verteidigers: „Davon haben Sie in der Zeitung gelesen.“

Spannend dürfte es am kommenden Verhandlungstag werden: Dann soll ein Papenburger Gastwirt gehört werden, der Zeuge dafür sein soll, dass Uwe P. zur Zeit des Überfalls in Aschendorf mit Vereinskollegen beim jährlichen Hähnchenessen mit Kegeln gewesen sei. Zwei Sportfreunde wurden bereits gehört, konnten allerdings nichts bestätigen: Der einen hatte zur Tatzeit Nachdienst, der andere war zur Kur auf Norderney.

Diesen Beitrag teilen



Kunden mussten warten: Überfall war kein Aprilscherz - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt