Großverfahren

Polizistenprozess: Angeklagter tauchte mit nassen Füssen im Verbrauchermarkt auf

Hysterische Mitarbeiterin wurde in Kühlhaus eingesperrt. Marktleiter: „Das ist er“

Häppchenweise zur Wahrheit? Der vom Dienst suspendierte Polizist, Uwe P. aus Papenburg, dem 11 Raubüberfälle zur Last gelegt werden, hatte sich nach der Anklageerhebung vor dem Landgericht Osnabrück im Mai nur pauschal als unschuldig bezeichnet. Auf Fragen des Gerichtes oder der Staatsanwaltschaft hatte er nicht geantwortet. Jetzt, da die einzelnen Überfälle durch Zeugenvernehmungen behandelt werden, bricht er sein Schweigen und gibt Erklärungen ab, wo er sich zum jeweiligen Tatzeitpunkt aufgehalten haben will. Diese Verteidigungsstrategie droht den geplanten Verhandlungsablauf ins Wanken zu bringen, da neuerliche Einlassungen des Angeklagten eventuell weitere Zeugenvernehmungen erforderlich machen. Dabei hatte das Gericht bereits nach wenigen Verhandlungstagen die Liste von ehedem 83 Zeugen um weitere 45 erweitert, die vornehmlich aus Papenburg anreisen müssen. Zusätzlich belastet wird das Verhandlungsklima durch Vorwürfe des Anwaltes von Uwe P., der den Zeugen Absprachen und Aussageveränderungen nach Zeitungslektüre vorwirft. Er spricht von einer Vorverurteilung seines Mandanten durch die lokale Presse und geht einfache Tatzeugen derart hart an, dass der Vorsitzende des Gerichtes sich veranlasst sieht, diese zu schützen und zur Mäßigung aufruft: „Die Zeugin ist das Opfer eines Überfalls. Sie sitzt nicht auf der Anklagebank.“ Diese hatte nach einem Überfall in einer polizeilichen Vernehmung angegeben, dass der Täter braune Augen gehabt hätte. Vor Gericht wollte sie diese Angabe so nicht bestätigen. Uwe P. hat blaue Augen, was nicht nur er, sondern auch seine Angehörigen in einer Verhandlungspause lautstark betonen. Ein kleiner Punktsieg für den Angeklagten. Ansonsten können die geladenen Zeugen, anders als von ihm vielleicht erhofft, seine Angaben nicht bestätigen. Keiner seiner sechs geladenen Mannschaftskameraden vom SC Blau-Weiss Papenburg hat ihn zur Tatzeit eines Überfalles beim Training gesehen. Erst um 20:30 Uhr wurde er in der Umkleidekabine gesichtet. Auch ein weiteres Alibi wankt: Beim vereinsinternen Hähnchenessen und Kegeln will der Angeklagte schon um kurz vor acht vor Ort gewesen sein. Bewusst wahrgenommen wurde er aber erst um 20.30 Uhr. Kurz vorher war ein Combi-Markt in Papenburg überfallen worden. Die Fahrt von dort bis zur Kegelgaststätte dauert neun Minuten. Kurios begann die Aussage einer weiteren Tatzeugin. Sie arbeitete am 11.10.2005 im Backshop eines Combi-Marktes, als ein maskierter Mann erschien: „Meine Kollegin schrie hysterisch herum. Ich wollte eine Panik vermeiden und schloss sie im Kühlhaus ein.“ Dann verließ die Zeugin den Combi-Markt, eilte zu einem nahegelegenen Markt und ließ von dessen Leiter die Polizei alarmieren. Anschließend beobachtete sie mit ihm, wie der Täter aus dem Combi-Markt flüchtete und folgte ihm zu Fuß bis zu einem feuchten Wiesenweg. Danach setzte sie mit dem Marktleiter die Verfolgung mit einem Auto fort. Als sie nach cirka 10 Minuten ohne nennenswertes Ergebnis zurückkamen, stand Uwe P. vor ihnen. Der Marktleiter habe spontan zu ihr gesagt: „Der ist das!“ Auch sie habe diesen Verdacht gehabt, zumal die Schuhe des Angeklagten nass gewesen seien. Sie habe überlegt, ob sie ihren Verdacht der Polizei mitteile, so die Zeugin, sei aber davon abgerückt und habe sich gesagt: „Nun schweig man stille.“

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