Großverfahren

Mordprozess ohne Mörder

Mordprozess ohne Mörder

Landgericht Osnabrück: 17 Verhandlungstage im Fall Kujat angesetzt

Osnabrück (kno) – Der eigentlich Täter ist auf freiem Fuß, er ist unbekannt. Und doch steht seine Tat im Mittelpunkt eines reinen Indizienprozesses vor der 6. Großen Strafkammer im Landgericht Osnabrück. Die 30-jährige Maren M. und ihr 41-jähriger Freund, Andris M., müssen sich wegen Anstiftung zu einem Mord verantworten. Die beiden Angeklagten werden, so verkündeten ihre Anwälte, werden schweigen.

Am Eröffnungstag ist der Schwurgerichtssaal im Landgericht bis auf den letzten Platz besetzt. Kameraleute und Fotographen müssen lange warten, bis sie die Hauptangeklagte ablichten können. Dann endlich kommt sie: Klein, dicklich, mit strähnigen, schwarzgefärbten Haaren. Froh gelaunt begrüßt sie ihren bereits anwesenden Freund, der, anders als sie, nicht in U-Haft sitzt. Neben den Angeklagten 4 Pflichtverteidiger, denen 2 Gutachter und die Mutter des Getöteten mit ihrem Nebenklageanwalt gegenüber sitzen.

Aus der anschließenden Verlesung der Anklage ergibt sich nicht viel mehr, als bisher bekannt war: Maren M. hatte eine Beziehung zum späteren Mordopfer Marcus Kujat. Es gab Streit, weil sich Kujat von seiner Freundin ausgenutzt fühlte. Er fordert die Rückzahlung von Darlehn. Seit längerem hatte Maren M. ebenfalls eine Beziehung zum Mitangeklagten, den sie aufforderte einen Auftragsmörder zu suchen, was auch gelungen sein soll.

Am 27.7.2008 drang der bisher Unbekannte mit einem bereitgelegten Schlüssel in die Wohnung von Marcus Kujat ein und traf diesen schlafend an. Er feuerte das ganze Magazin aus einer Pistole ab und tötete das arglose Opfer. Zu dieser Zeit verschafften sich die beiden Angeklagten, laut Staatsanwaltschaft, in einer Tankstelle in Atter durch auffälliges Benehmen ein Alibi, indem sie einen Streit anzettelten und vor einer Überwachungskamera laut nach der Uhrzeit fragten. Die Angeklagte trug deutlich sichtbar eine Armbanduhr. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Gehört werden sollen ein Polizist, 2 Sachverständige und ein Gerichtsmediziner

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