Großverfahren

Auftragsmord Kujat: Zähes Ringen um die Wahrheit

Auftragsmord Kujat: Zähes Ringen um die Wahrheit

Landgericht: Vermeintlicher Mörder soll als Zeuge aussagen

Osnabrück (kno) – Der zweite Verhandlungstag im Mordprozess Marcus Kujat: Der Tag der Gutachter und der Fotos. Maren M. und Andris M. werden beschuldigt, einem Killer beauftragt zu haben Markus Kujat zu ermorden. Die zahlreichen Zuschauer gewannen einen Einblick in die aufwändigen Ermittlungsarbeiten der hiesigen Polizei, des Landkriminalamtes (LKA) und der Gerichtsmedizin Oldenburg: Keine spektakulären Ergebnisse, sondern nur eine Fülle von Details. 2 Stunden lang blieben die vielen Zuschauer quasi außen vor, weil sich die Prozessparteien Fotos vom Tatort und der Leiche des Getöteten anschauen mussten.

Ein Ermittler berichtete, wie er den Tatort in Os.-Eversburg vorgefunden hatte. In einer sehr aufgeräumten Wohnung lag die Leiche des 38-jährigen Opfers neben dem Bett. 8 Patronenhülsen wurden gefunden. 7 Projektile steckten im Körper des Opfers. Die Untersuchung der Hülsen und der Geschossen beim Bundeskriminalamt ergab keine Hinweise auf bereits bekannt gewordene Straftaten. Nicht nur an der Leiche, sondern in der gesamten Wohnung wurden Schmauchspuren gesichert, die vom LKA ausgewertet wurden. Es ergab sich, so der Gutachter des LKA, dass die Schüsse aus einer Entfernung von höchstens 1,50 m abgefeuert wurden. Es gibt Hinweise für die Verwendung eines Schalldämpfers. Vermutlich hat sich der Täter die Hände gewaschen, da im Badezimmer kleinste „schmauchspezifische Partikelanhaftungen“ gesichert wurden.

Über die Todesursache, den ungefähren Zeitpunkt und den Verlauf der Schusskanäle berichtete ein Gerichtsmediziner. Der 38-jährige Kujat wurde in den Nachmittagsstunden des 24.7.2008 von schräg hinten erschossen, er war schon nach 15 Sekunden „handlungsunfähig“ und verblutete. Alle Einschüsse liegen unterhalb der Auffindstellen der Projektile.

Nicht beantworten konnte der Mediziner die Frage, ob Kujat im Bett von den Schüssen getroffen wurde: „Kriminalistische Schlüsse habe ich nicht zu ziehen.“ Die Verteidiger Meggers und Thérond gehen anders als die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Kujat dem Täter die Tür geöffnet hat, ins Schlafzimmer flüchtete und neben seinem Bett erschossen wurde. Sie wollen die Version der Anklage von einem gedungenen Auftragsmörder durchlöchern. Der Name des vermeintlichen Killers tauchte im Bericht eines Gutachtens über Schmauchspurenanalysen auf. Ergebnis: Keine Spuren an der Bekleidung des GM-Hütters. Gegen ihn, der in diesem Prozess als Zeuge auftreten soll, wird weiter ermittelt. Eine Verwandte von ihm soll, so wurde bekannt, ein Verhältnis zu dem Angeklagten gehabt haben.

Ob es eine nachweisbare Verbindung zwischen den Angeklagten, dem Mörder und somit seiner Tat gibt, wird sich an den kommenden 15 Verhandlungstagen zeigen. Der Auswertung von Mobiltelefonverbindungen dürfte dabei eine entscheidende Rolle zufallen. Fortsetzung des Prozesses: 24.08.2009 um 9 Uhr.


 

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