Großverfahren

SMS: „Du sollst es für uns machen.“

SMS: „Du sollst es für uns machen.“

Landgericht Osnabrück: Mordprozess Kujat gewährt Einblick in aufwändige Ermittlungsarbeit

Osnabrück (kno) – Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt im Bereich der Polizeiinspektion Osnabrück bei 95%. Mit welchem Arbeitsaufwand dieses Ergebnis erzielt wird, wurde anlässlich des Prozesses gegen Maren M. und Andris M. wegen Anstiftung zum Mord vor dem Landgericht Osnabrück ansatzweise deutlich. Die Aussagen eines Gerichtsmediziners und eines Polizeibeamten beanspruchten den gesamten Tag.

Der Mediziner aus Hannover erläuterte die umfängliche Untersuchung des Mageninhaltes des getöteten Markus Kujat. Da er keine feste Aufgabenstellung hatte, erklärte er die makroskopischen und mikroskopischen Untersuchungsmethoden und deren Ergebnisse in allen Einzelheiten. Als er dann von nicht vorhandenen Tomatenkernen darauf schloss, dass dem Essen vermutlich Tomatenmark beigefügt worden war, unterbrach ihn der Richter und fragte ihn nach dem Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme. Ergebnis: Markus Kujat hat cirka 1 bis 2 Stunden vor den tödlichen Schüssen ein Kilo Spagetti Bolognese gegessen. „Diese Riesenmenge“, so der Gutachter war vermutlich „nicht richtig durchgegart“ und nur „anverdaut“.

Von einer regelrechten Sisyphusarbeit berichtete ein Polizeibeamter dem Gericht. Er hat über 1000 Mobilfunkverbindungen der Angeklagten und des Getöteten aus den Tagen vor dem und am Tattag den 24.7.2008 ausgewertet und tabellarisch erfasst. Die 10 DIN A3 Seiten auf denen auch SMS-Texte aufgelistete sind, wurden von ihm auszugsweise verlesen und erläutert.

Aus der Vielzahl der Verbindungen, die zum großen Teil auch Angaben über den jeweiligen Standort der genutzten Funkmasten enthielten, lässt sich ein genaues Bewegungsmuster der Beteiligten ableiten. Um das Ergebnis anschaulicher zu gestalten, hatte der Beamte die Standorte der Funkmasten in Karten übertragen.

Besonders aufschlussreich sind SMS-Nachrichten des Getöteten an die Angeklagte. Auszug: „Habe auf mein Konto geschaut... Sind jetzt schon 11000 Euro Schulden. Hoffe, du hast das ausgeglichen ....werde am Freitag Anwalt einschalten und dich wegen Betruges anzeigen...Das sind keine Spielchen mehr..“ Und wenig später nennt er 13000 Euro Schulden, schreibt von „betrügerischer Absicht“ und dass Maren M. eines seiner „Konten in den Ruin getrieben“ habt. Und dann fordert er sie auf, den Wagenschlüssel bei seiner Mutter abzugeben, ihre Koffer zu packen und ihn nach seiner Geschäftsreise in die USA nicht in Bremen vom Flughafen abzuholen. Wenig später muss es einen Sinneswandel gegeben haben: Die Handydaten weisen aus, dass Maren M. nach Bremen fuhr und ihn doch abholte.

Weitere Ergebnisse: Maren M. befand sich in den Tagen vor dem Mord in einem regelrechten Kommunikationswahn: Sie telefonierte fast permanent mit Markus Kujat, mit Andris M. und weiteren Zeugen, die noch gehört werden. Interpretationsbedarf besteht für SMS Texte von Andris M. an Maren M.: „Schatz, ich werde dir immer zur Seite stehen...“ Antwort: „ Du sollst es für uns machen. Geht das bei dir mal rein?“

Der Prozess wird am 15.4. um 9 Uhr fortgesetzt.

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