Großverfahren

Wurde der Auftragsmörder mit dem Geld des Opfers bezahlt?

Wurde der Auftragsmörder mit dem Geld des Opfers bezahlt?

Landgericht Osnabrück: Friseur von Maren M. belastet sie schwer

Osnabrück (kno) – Das klingt unglaublich: Eine Frau, die ihren Lebensgefährten durch einen Auftragsmörder umbringen lassen will, geht vor der Tat wöchentlich zu ihrem Friseur und erzählt ihm von ihrer Motivation, der Planung und will ihm zuletzt noch die Mordwaffe zeigen.

Doch genauso soll es gewesen sein, wenn ein Friseur im Mordprozess gegen Maren M. und Andris M. vor dem Landgericht Osnabrück die Wahrheit sagt. Beide Angeklagte sollen den Mord des 38-jährigen Markus Kujat am 24.7.2008 geplant und einen Mörder gedungen haben.

Drei Stunden hat der Zeuge bereits ausgesagt, dann konnte er nicht mehr. (Fortsetzung folgt am 23.4.) „Frau M. redete viel, wenn der Tag lang war,“ berichtete der Friseur, der sich auf Drängen von Maren M. auch privat mit ihr getroffen hatte. Er hatte den Eindruck, dass sie eine Beziehung mit ihm anstrebe und ihr gesagt, dass er daran kein Interesse habe. Die Angeklagte habe ihm gegenüber von zunehmenden Spannungen und Gewalttätigkeiten in ihrer Beziehung zu Markus K. berichtet. Dieser habe Geld von ihr zurückgefordert. Ob es sich dabei um die in seiner polizeilichen Vernehmung genannten 30.000 Euro handelt, konnte der 27-Jährige jetzt nicht bestätigen. Sie habe von der Möglichkeit gesprochen, dass Markus Kujat sie umbringen wolle und die Absicht geäußert ihm zuvor zu kommen. Erst sprach sie von Giftmord, Ersticken und Erstechen, später, eine Woche vor der Tat, wurde sie konkreter: Ein „schwarz gekleideter Russe“ sollte mit einem Nachschlüssel die Wohnung von Markus K. betreten und ihn mit einer von ihr besorgten Schusswaffe erschießen, während sie beim Einkaufen sei. Der Kontakt zu dem „Russen“ sollte über den weiteren Sexualpartner von Maren M., den Angeklagten Andris M. und dessen „russische“ Sexualpartnerin laufen, die als „Drehscheibe“ in der Lage gewesen sei, den Kontakt zu Leuten herzustellen, „die so was gegen Geld machen würden.“ Nach der Tat sollte die Waffe eingeschmolzen und die Kleidung des Täters vernichtet werden.

Einen Tag vor der Tat, so der Zeuge, habe er Maren M. am Neumarkt in einer Bank beobachtet, wie sie 500 Euro abhob. Mit der Kreditkarte von Markus K.. Das würde dieser nicht merken, habe sie ihm anschließend gesagt, weil „es morgen ja gelaufen wäre.“ Direkt vor der Bank wollte Maren M. ihm die Mordwaffe im Kofferraum des Autos des Opfers zeigen, so der Friseur. Er habe dies abgelehnt. Von 2000 bis 3000 Euro für die 7mm Pistole (unregistriert) und 7000 Euro für den Auftragskiller habe Maren M. gesprochen. Das hatte der Zeuge gegenüber der Polizei berichtet, konnte er aber jetzt nicht bestätigen. Wurde der Mörder mit dem Geld des Opfers bezahlt?

Die Glaubwürdigkeit des Zeugen dürfte mitentscheidend für den Ausgang dieses Prozesses sein. Ein Gutachter hat ihn bereits einmal befragt, verfolgt den gesamten Prozess und wird sich in seinem Gutachten wohl auch zu der Frage äußern, was den Zeugen bewogen haben mag, sich erst eine Woche nach der Tat an die Polizei zu wenden. Zeuge: Als ein RTL-Reporterteam am 30.7. vor dem Friseursalon, in dem sich Maren M. gerade die Haare machen ließ, auftauchte, „kam der Druck zum Brechen“. Er sprach mit einer Kollegin darüber, die wiederum die Polizei informierte. Vorher hatte er die Angeklagte noch zweimal gesehen. Direkt nach der Tat sei er von ihr aufgefordert worden, mit in die Wohnung des Getöteten zu kommen. Er habe dies abgelehnt. Sie habe Panik gezeigt alleine dorthin zu gehen. Tage später habe er sie und den Mitangeklagten in einer Eisdiele getroffen. Sie habe sich über die zwischenzeitliche U-Haft (Einmalunterwäsche) beschwert und keineswegs betroffen, sondern „erleichtert“ gewirkt. Er habe ihr angeboten bei ihr zu duschen und zu essen. Andris M. habe Pizza besorgt.

Weitere Zeugen machten Angaben über ihre Wahrnehmungen und Begegnungen mit Maren M. am Tattag, aus denen sich der jeweilige Aufenthaltsort der Angeklagten ergibt: Um 13.08 Uhr kaufte sie Lebensmittel ein und wurde auf dem Weg zur Wohnung des Getöteten gesehen. Um 14.25 Uhr tauchte sie mit Andris M. in einem Imbiss in Atter auf, beide „stritten spielerisch“ mit einander, sie fragte nach der Uhrzeit, berichtete ein Zeuge. Gegen 15 Uhr verließen beide den Ort und fuhren getrennt weg. Um 16:53 Uhr versuchte Maren M. am Neumarkt in einer Bank Geld abzuheben, hat aber keinen Ausweis dabei und scheiterte. Gegen 17.40 Uhr wurde sie telefonierend in einem Auto auf dem Weg zur Fritz-Behrens-Strasse gesehen.

Der Prozess wird am Montag, den 20.4. um 9 Uhr fortgesetzt

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