Großverfahren

Markus Kujat weinend am Bett der Mutter: „Sie ist eine Hochstaplerin“

Markus Kujat weinend am Bett der Mutter: „Sie ist eine Hochstaplerin“

Landgericht Osnabrück: Videovernehmung der Ex-Ehefrau des Mordopfers

Osnabrück (kno) – „Maren M. war ein abendfüllendes Programm,“ berichtete eine ein Freund des am 24.07.2009 erschossenen Markus Kujat vor dem Landgericht Osnabrück. Seit 11 Tagen steht das Leben der 31-Jährigen nun im Mittelpunkt eines Mordprozesses. Fast in den Hintergrund gerückt: Der Mitangeklagte Andris M. (41 J.), der seiner Freundin geholfen haben soll einen Auftragsmörder zu besorgen.

Sicherlich kein leichter Gang für die Mutter des Ermordeten in den großen, mit vielen Zuschauern gefüllten Schwurgerichtssaal. Gefasst und ruhig ließ sie die Befragung auch durch die Verteidigung über sich ergehen.

Ihr Sohn habe es nicht leicht mit Frauen gehabt, berichtete die Mutter, doch als er ihr Maren M. vorgestellt habe, sei sie erschrocken gewesen, wegen deren Aussehens und habe gedacht: „Mein Sohn muss ja wissen, was er tut.“ Nach und nach habe die Angeklagte ihren Sohn vor ihr abgeschirmt: „Ich kam nicht an ihn ran.“ Wenn sie ihn anrief, war Maren am Telefon. Anrufe der Mutter in der Firma wurden von Maren unterbunden. Maren M. habe ihr gesagt, so die Mutter, Markus Arbeitsplatz sei gefährdet, Anrufe deshalb nicht erwünscht. Außerdem, so Maren befürchte der Sohn seine Mutter wolle sich wieder Geld bei ihm borgen. Anlässlich ihres 60-Geburtstages wollte sie ihren Sohn diesbezüglich zur Rede stellen: „Ich konnte ihn nicht mehr danach fragen.“ Als Markus im Frühjahr 2008 erfahren habe, dass Maren M. keine Millionenerbin sei, habe er plötzlich nachts weinend vor dem Bett der Mutter gestanden: „Sie ist eine Heiratschwindlerin, eine Hochstaplerin, eine Betrügerin.“. Ob es etwas Positives über Maren M. zu sagen gäbe, wollte die Staatsanwältin wissen. Antwort: „Da gibt es nix.“ Kurz vor dem 24.7.2008 rief Maren M an und teilte mit, dass sie Markus verlassen werde. Reaktion der Mutter: „Was für’n Glück.“

Schon im Vorfeld ihrer Vernehmung hatte die Ex-Ehefrau des Ermordeten mitgeteilt, dass sie eine Befragung in Anwesenheit der Angeklagten und von Zuschauern nicht ertragen könne. Kein Problem für das Landgericht: Per Videokonferenz wurde die 38-jährige gehört. Teilweise weinend und stockend erzählte sie von ihrer 9-jährigen Ehe mit Markus K. die 2004 nicht im Streit geschieden wurde: „Wir hatten unterschiedliche Lebensplanungen.“ Am Scheidungstag habe sie von der Existenz der „reichen Maren“ erfahren. Später habe sie gehört, diese sei „eine Hure, die Markus nur ausnimmt.“

Die anschließenden Fragen nach einer Lebensversicherung von 44600 Euro und ihrem Aufenthaltsort am Nachmittag des Tattages sollten klären, ob auch sie als mögliche Täterin in Frage kam. Es zeigte sich wie absurd diese Unterstellung war: Ein Versicherungsmakler berichtete, dass die Ex-Ehefrau nach der Scheidung nicht mehr „bezugsberechtigt“ war. Zwei Kolleginnen von ihr bezeugten: In der einstündigen Pause am Nachmittag des 24.7.2008 wurde Eis gegessen.

Ein Freund des Getöteten kannte ihn seit einer Lehre1987 bei kabelmetal. Später habe man gemeinsam bei der Firma nordenia (Verpackungen) gearbeitet. Er schilderte Markus K. als fröhlichen, lebenslustigen und hochintelligenten Menschen mit sehr gutem Fachwissen. Nachdem Maren M. in dessen Leben trat, übernahm sie dessen Kontrolle, die auch in „Telefonterror“ zum Ausdruck kam. Sogar während wichtiger Geschäftstermine rief sie alle 30 Minuten an. Der Freund warnte vergeblich, als Markus sie auch auf Geschäftsreisen mitnahm und Kosten teilweise über die Firma abrechnete. Maren sei reich, habe Markus geglaubt. Freund: „Maren war von Millionen so weit entfernt, wie eine Kuh vom Glockenschlag.“ Er habe sie auch persönlich kennen gelernt. Besuch auf dem Stoppelmarkt in Vechta: Bereits nach einer halben Stunde habe Maren M. ihn nach Intimschmuck gefragt und wenig später das eindeutige Angebot gemacht, mal eben hinter einem Schaustellerwagen zu verschwinden. Begründung: „Markus habe gerade keinen Bock.“ Frage von Rechtsanwalt Thomas Klein: „Haben Sie den Eindruck, dass Maren M. in die Psychiatrie gehört.“ „Ja.“

Heiterkeit in einem Mordprozess? Auch das ist möglich..

Nicht nur die Aussagen, Maren M. habe von sich behauptet Fußball zu spielen und perfekt Ski fahren zu können, sorgten für Schmunzeln, sondern auch der Auftritt eines weiteren, etwas dubiosen Zeuge, der sich bei der Polizei gemeldet hatte. Er sei im „Inkassogeschäft“ tätig und habe Markus K. auf einem Zeitungsfoto wieder erkannt, nachdem dieser „mit allem Drum und Dran erschossen worden sei.“ 2001 habe er ihn als Mitarbeiter von „Moskau Inkasso“ am Bahnhof gesehen und später noch einmal in Hamburg im Reeperbahnlokal „Zur Ritze“.

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