Großverfahren

Der zweite Prozess um den Tod von Markus Kujat begann am 9.11.2009. Angeklagt waren Wadim S.  und seine Tante Marina S..

Ankündigung: Prozessauftakt gegen Auftragsmörder

Prozessauftakt gegen Auftragsmörder

Landericht Osnabrück: Zeitgleich vier Angeklagte im Mordfall Kujat

Osnabrück (kno) – Während für Maren M. und Andris M. nur noch drei Verhandlungstage bis zur Urteilsverkündung anstehen, wird am Montag, den 9.11. die Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Mörder von Markus Kujat eröffnet. Zusammen mit Wadim S. muss sich seine Tante, Marina S. (39 J.) wegen Beihilfe verantworten. Sie soll den Kontakt zwischen ihrem Neffen und den im Parallelverfahren angeklagten Auftragebern hergestellt haben. Nach anfänglichem Schweigen hatten sich Maren M. und Andris M. gegenseitig belastet und dabei auch den Namen des 31-jährigen Wadim S. genannt, der daraufhin verhaftet worden war. Der Prozess, für den vorerst 15 Tage angesetzt wurden, beginnt um 9 Uhr.

 

 

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Vorbereitungen der Revision vor Anklageverlesung

Vorbereitungen der Revision vor Anklageverlesung

Landgericht Osnabrück: Verschleppter Beginn im Auftragsmordprozess

Osnabrück (kno) – Das Hauptverfahren vor dem Landgericht Osnabrück gegen den mutmaßlichen Auftragsmörder Wadim S. (31 J.) und seine 39-jährige Tante Marina S. wegen Beihilfe ist eröffnet. Somit gelten beide als Angeklagte, auch wenn es am ersten Verhandlungstag nicht zur Verlesung der Anklageschrift kam. Nachdem im laufenden Parallelverfahren gegen Maren M. und Andris M. die beiden vermeintlichen Auftraggeber für den Mord an Markus Kujat in ihren gegenseitigen Bezichtigungen den Namen des 31-jährigen Russlanddeutschen und seiner Tante genannt hatten, war dieser verhaftet worden.

„Weitere Anträge bleiben vorbehalten.“ Mit diesen Worten schloss Rechtsanwalt Torsten Rock die Verlesung von 3 Anträgen ab, die letztlich in einem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden der 6. Strafkammer des Landgerichts mündeten. Im Hinblick auf eine mögliche Verurteilung wegen Mordes spekuliert die Verteidigung vermutlich auf eventuelle Fehler des Gerichts, um eine spätere Überprüfung des Urteils durch den Bundesgerichtshof zu vorzubereiten.

Einer von vier Anwälte war erst gar nicht aus Köln angereist. Er hatte erfolglos versucht sich als zweiter Pflichtverteidiger auf Staatskosten beiordnen zu lassen. Das war durch das Gericht wegen des begrenzten Aktenumfangs abgelehnt worden. Diese Entscheidung hatte das Oberlandesgericht (OLG) in Oldenburg bestätigt. Ein angebliches Telefongespräch des Vorsitzenden mit dem OLG in dieser Angelegenheit war einer der Gründe für den Befangenheitsantrag des Anwalts Torsten Rock. Außerdem sei der Richter durch das Parallelverfahren vorbefasst und nicht mehr neutral und unvoreingenommen, wie es sein Kollege Ralf Bußmann formulierte. Möglich sei auch, dass der Richter wegen seiner Kenntnisse als Zeuge in Betracht käme. Das ist eher unwahrscheinlich, denn die Zeugen, die im Parallelverfahren Aussagen zur Tatbeteiligung von Wadim S. gemacht haben, können diese in den geplanten 15 Prozesstagen wiederholen. So hatte Andris M. berichtet, dass er den Angeklagten kurz vor der Tat nach Eversburg gefahren und dort in unmittelbarer Nähe der Wohnung des Getöteten abgesetzt hatte. Verwandte des Angeklagten hatten ihn später in Hellern schweißüberströmt abgeholt, nachdem er mit einer Fußverletzung durchs Natruper-Holz gehinkt war. Trotz intensivster Suche war dort keine Tatwaffe gefunden worden. Auch in der Wohnung von Markus Kujat deutete nichts auf seine Anwesenheit hin. Die Lücke in den Ermittlungen zu schließen und somit die Täterschaft des Angeklagten zu beweisen, dürfte die Hauptaufgabe des Gerichts sein, wenn der Prozess am kommenden Freitag nach der vermuteten Ablehnung der Anträge richtig losgeht.

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Anwalt Rock rastet aus: „Unerträglich! Unerträglich!“

Anwalt Rock rastet aus: „Unerträglich! Unerträglich!“

Landgericht Osnabrück: Mordprozess Kujat tritt auf der Stelle

Osnabrück (kno) – Keine Beweisaufnahme: Im Mordprozess gegen Wadim S. und seiner Tante wegen Beihilfe wurden lediglich die Haftdaten des Angeklagten verlesen. Was sich sonst im Gerichtssaal abspielte, ähnelte mehr einer RTL-Gerichtsshow, als einem Prozess in dem der gewaltsame Tod des Menschen Markus Kujat im Vordergrund steht. Grund dafür ist die Konfliktstrategie der ursprünglich 4 Verteidiger, von denen am 3 Tag aber nur einer erschien: Rechtsanwalt Torsten Rock. Zwei Wahlverteidiger, denen das Oberlandesgericht Oldenburg eine Zulassung als Pflichtverteidiger verwehrte, hatten dem Gericht per Fax ihr Mandatsniederlegung mitgeteilt. Ein dritter übersandte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Folge: Zu Verhandlungsbeginn hatte Wadim S. keine anwaltliche Vertretung. Die Situation hatte das Gericht vorhergesehen und den Osnabrücker Strafverteidiger Frank Otten beauftragt, die Pflichtverteidigung zu übernehmen. Als der Anwalt vom Zuschauerraum aus neben dem Angeklagten Platz nahm, rastete sein Dissener „Kollege“ aus:„Das ist unerträglich. Unerträglich.“ Zerbrach der Plan, den Prozess platzen zu lassen, bevor er richtig begann? Soll der Kölner Ex-Wahlverteidiger Dr. Mario Geuenich doch noch ins gewünschte Pflichtmandat manipuliert werden? An den ersten 3 Prozesstagen ist der Kölner nicht erschienen. Er war auch telefonisch vom Gericht am Vortag nicht zu erreichen. Torsten Rock, der anscheinend einen guten Draht zum Kölner hat, fiel dem Vorsitzenden mehrmals lautstark ins Wort und musste sich zurechtweisen lassen, nachdem er versuchte hatte der Schriftführerin das Protokoll zu diktieren. „Wollen Sie die Information nun? Oder nicht?“, herrschte er den Richter an, der bemerkenswert gelassen blieb. Dann platze es aus Rock heraus: „Um 9.25 Uhr erhalten Sie ein Fax mit einem Befangenheitsantrag.“ Absender: Der unerreichbare Kölner Anwalt. Mit oder ohne Mandat? Neuer Aufreger: Der erfahrene Verteidiger Frank Otten hatte erklärt, dass er in der Lage sei sich bis zum kommenden Montag auf die Aussagen des Gerichtsmediziners und eines LKA-Beamten vorzubereiten, weil er danach, während des Südafrikaurlaubs seines Kollegen Rock, ausreichend Zeit habe sich in den Fall einzuarbeiten. Rock bezeichnete Otten nach der Verhandlung lautstark als „inkompetent, unqualifiziert und überfordert“. Kleine Grüppchen von Juristen und Zuschauern diskutierten anschließend noch den Auftritt des Dissener Anwalts und fragten sich, ob er das Anliegen seiner Mandantin mit seiner Strategie angemessen vertritt.

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Angeklagter verstrickte sich in Widersprüche

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Landgericht Osnabrück: Verteidiger wollten belastendes Protokoll nicht

Osnabrück (kno) – Zweiter Tag im Prozess wegen Auftragsmordes und Beihilfe dazu: Ein Raunen geht durch den Schwurgerichtsaal des Landgerichts, als der Anwalt der angeklagten Mariana S. (39 J.) einen erneuten Befangenheitsantrag stellt, nachdem der erste soeben abgelehnt worden war. Er wolle zwar nicht behaupten, so Torsten Rock, dass es Absprachen zwischen dem Vorsitzenden und dem Oberlandesgericht in Oldenburg gegeben habe, aber allein die Möglichkeit, dass diese aufgrund von nachweislichen Telefongesprächen möglich gewesen seien, habe ihn „zu tiefst erschüttert“ und sei „verfassungsrechtlich“ bedenklich. Wohl in weiser Voraussicht, dass dieser Befangenheitsantrag ebenso wie der erste abgelehnt werden wird, weil er zu spät erfolgte, schoben die Verteidiger weiter Anträge hinterher. Es ging um ein Verwertungsverbot der Aussagen von Wadim S. am 23.09.2009 und den Folgetagen gegenüber der Polizei. Sein Mandant, so dessen Anwalt, sei als Beschuldigter nicht über sein Aussageverweigerungsrecht aufgeklärt worden. Außerdem sei ihm nicht mitgeteilt worden, dass er trotz seiner Mittellosigkeit einen Anspruch auf einen Rechtsanwalt habe. Und zum dritten sei er wegen seiner Sprachprobleme überhaupt nicht in der Lage gewesen, die Hinweise zu verstehen. Aus der Zeugenaussage des Leiters der Mordkommission im Falle Markus Kujat ergab sich anschließend: Die rechtlichen Hinweise erfolgten deutlich und waren für den Beschuldigten klar verständlich: „ Da gab es kein Problem. Herr S. spricht gutes Deutsch, wenn auch mit leichtem Akzent.“ Warum die Verteidiger das Polizeiprotokoll nicht in den Prozess eingeführt haben wollten, ergibt sich aus dessen belastenden Inhalt: Wadim S. hat sich nach seiner ersten Einlassung immer wieder in Widersprüche verwickelt und musste nach der Konfrontation mit Ermittlungsergebnissen eingestehen: „Ich habe die Unwahrheit gesagt.“ Von der mitangeklagten  Tante sei er auf russisch gefragt worden, ob er jemanden kenne, der einen anderen „likvidirovat“ (liquidieren) könne. Er habe nach anfänglichem Leugnen, überhaupt in der Nähe des Tatortes in OS-Eversburg gewesen zu sein, angegeben mit dem Bus zu einem „Park“ am Natruper Holz gefahren zu sein und dort einen „türkischen Dealer“ getroffen zu haben, von dem er Marihuana gekauft habe. Ermittlungen ergaben: Es gibt weder diesen Dealer noch den Park. Auch die Busfahrt kann nicht stattgefunden haben: Andris M. hatte im Parallelverfahren zugegeben Wadim S. mit dem Auto zum Tatort gebracht zu haben.

 

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Anwaltshickhack im Mordprozess Kujat geklärt: Frank Otten bleibt Verteidiger

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Landgericht Osnabrück: Die Halböffentlichkeit ist hergestellt

Osnabrück (kno) – Ob die Angeklagten Wadim S. und Marina S. im Mordprozess Markus Kujat den Wirbel um ihre Personen verstehen, ist fraglich. Am 3 Verhandlungstag kam zu Beginn nur 1 Anwalt, am vierten Tag tauchten gleich 5 Verteidiger auf. Der Antrag des spontan genesenen Pflichtverteidigers Bußmann seinen Kollegen Dr. Mario Geuenich ebenfalls als Pflichtverteidiger beizuordnen, wurde durch den Vorsitzenden abgelehnt. Der Fachanwalt für Strafrecht Frank Otten habe erklärt, er hätte an allen Terminen Zeit, hieß es in der Begründung. Anders Rechtsanwalt Geuenich aus Köln: Er hatte bereits erklärt, dass er an 2 Tagen keine Zeit habe und verabschiedete sich kurz darauf, weil er ein Plädoyer in Bonn halten müsse. Endlich konnte der eigentlich Prozess mit der Zeugenaussage des Spurensicherungsexperten der Polizei beginnen. Er sei um 20 Uhr am Tatort eingetroffen erklärte er von seinem Platz aus, um sich dann 45 Minuten mit den anderen Prozessbeteiligten über eine Skizze der Wohnung von Markus Kujat zu beugen. Nur Wortfetzen konnte die schweigende Halböffentlichkeit erhaschen. Bekannt ist aus dem Parallelverfahren gegen die beiden vermeintlichen Auftraggebers des Mordes: Es gibt keine gerichtsverwertbaren Spuren des Angeklagten am Tatort. Ebenso wenig ließ der anschließende Bericht des Gerichtsmediziners auf den Todesschützen schließen. Acht Schüsse trafen Markus Kujat: Einer von vorn, sieben von hinten. Er verblutete innerlich. Auch ein Schmauchspurenfachmann des Landeskriminalamtes konnte keine Verbindung zu Wadim S. herstellen. In dem Prozess wird ein Großteil der Zeugen bereits zum zweitenmal vor dem Landgericht erscheinen. Nur einer wird sehr wahrscheinlich die Aussage verweigern: Andris M., der den vermeintlichen Todesschützen am 24.07.2010 zum Tatort gefahren hat. Gegen ihn und Maren M. wird am Freitag (10 Uhr) das Urteil gesprochen. Fortsetzung Kujat-Prozess 2 am 11.12.2009.

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