Großverfahren

Vorbereitungen der Revision vor Anklageverlesung

Vorbereitungen der Revision vor Anklageverlesung

Landgericht Osnabrück: Verschleppter Beginn im Auftragsmordprozess

Osnabrück (kno) – Das Hauptverfahren vor dem Landgericht Osnabrück gegen den mutmaßlichen Auftragsmörder Wadim S. (31 J.) und seine 39-jährige Tante Marina S. wegen Beihilfe ist eröffnet. Somit gelten beide als Angeklagte, auch wenn es am ersten Verhandlungstag nicht zur Verlesung der Anklageschrift kam. Nachdem im laufenden Parallelverfahren gegen Maren M. und Andris M. die beiden vermeintlichen Auftraggeber für den Mord an Markus Kujat in ihren gegenseitigen Bezichtigungen den Namen des 31-jährigen Russlanddeutschen und seiner Tante genannt hatten, war dieser verhaftet worden.

„Weitere Anträge bleiben vorbehalten.“ Mit diesen Worten schloss Rechtsanwalt Torsten Rock die Verlesung von 3 Anträgen ab, die letztlich in einem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden der 6. Strafkammer des Landgerichts mündeten. Im Hinblick auf eine mögliche Verurteilung wegen Mordes spekuliert die Verteidigung vermutlich auf eventuelle Fehler des Gerichts, um eine spätere Überprüfung des Urteils durch den Bundesgerichtshof zu vorzubereiten.

Einer von vier Anwälte war erst gar nicht aus Köln angereist. Er hatte erfolglos versucht sich als zweiter Pflichtverteidiger auf Staatskosten beiordnen zu lassen. Das war durch das Gericht wegen des begrenzten Aktenumfangs abgelehnt worden. Diese Entscheidung hatte das Oberlandesgericht (OLG) in Oldenburg bestätigt. Ein angebliches Telefongespräch des Vorsitzenden mit dem OLG in dieser Angelegenheit war einer der Gründe für den Befangenheitsantrag des Anwalts Torsten Rock. Außerdem sei der Richter durch das Parallelverfahren vorbefasst und nicht mehr neutral und unvoreingenommen, wie es sein Kollege Ralf Bußmann formulierte. Möglich sei auch, dass der Richter wegen seiner Kenntnisse als Zeuge in Betracht käme. Das ist eher unwahrscheinlich, denn die Zeugen, die im Parallelverfahren Aussagen zur Tatbeteiligung von Wadim S. gemacht haben, können diese in den geplanten 15 Prozesstagen wiederholen. So hatte Andris M. berichtet, dass er den Angeklagten kurz vor der Tat nach Eversburg gefahren und dort in unmittelbarer Nähe der Wohnung des Getöteten abgesetzt hatte. Verwandte des Angeklagten hatten ihn später in Hellern schweißüberströmt abgeholt, nachdem er mit einer Fußverletzung durchs Natruper-Holz gehinkt war. Trotz intensivster Suche war dort keine Tatwaffe gefunden worden. Auch in der Wohnung von Markus Kujat deutete nichts auf seine Anwesenheit hin. Die Lücke in den Ermittlungen zu schließen und somit die Täterschaft des Angeklagten zu beweisen, dürfte die Hauptaufgabe des Gerichts sein, wenn der Prozess am kommenden Freitag nach der vermuteten Ablehnung der Anträge richtig losgeht.

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