Großverfahren

Anwalt Rock rastet aus: „Unerträglich! Unerträglich!“

Anwalt Rock rastet aus: „Unerträglich! Unerträglich!“

Landgericht Osnabrück: Mordprozess Kujat tritt auf der Stelle

Osnabrück (kno) – Keine Beweisaufnahme: Im Mordprozess gegen Wadim S. und seiner Tante wegen Beihilfe wurden lediglich die Haftdaten des Angeklagten verlesen. Was sich sonst im Gerichtssaal abspielte, ähnelte mehr einer RTL-Gerichtsshow, als einem Prozess in dem der gewaltsame Tod des Menschen Markus Kujat im Vordergrund steht. Grund dafür ist die Konfliktstrategie der ursprünglich 4 Verteidiger, von denen am 3 Tag aber nur einer erschien: Rechtsanwalt Torsten Rock. Zwei Wahlverteidiger, denen das Oberlandesgericht Oldenburg eine Zulassung als Pflichtverteidiger verwehrte, hatten dem Gericht per Fax ihr Mandatsniederlegung mitgeteilt. Ein dritter übersandte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Folge: Zu Verhandlungsbeginn hatte Wadim S. keine anwaltliche Vertretung. Die Situation hatte das Gericht vorhergesehen und den Osnabrücker Strafverteidiger Frank Otten beauftragt, die Pflichtverteidigung zu übernehmen. Als der Anwalt vom Zuschauerraum aus neben dem Angeklagten Platz nahm, rastete sein Dissener „Kollege“ aus:„Das ist unerträglich. Unerträglich.“ Zerbrach der Plan, den Prozess platzen zu lassen, bevor er richtig begann? Soll der Kölner Ex-Wahlverteidiger Dr. Mario Geuenich doch noch ins gewünschte Pflichtmandat manipuliert werden? An den ersten 3 Prozesstagen ist der Kölner nicht erschienen. Er war auch telefonisch vom Gericht am Vortag nicht zu erreichen. Torsten Rock, der anscheinend einen guten Draht zum Kölner hat, fiel dem Vorsitzenden mehrmals lautstark ins Wort und musste sich zurechtweisen lassen, nachdem er versuchte hatte der Schriftführerin das Protokoll zu diktieren. „Wollen Sie die Information nun? Oder nicht?“, herrschte er den Richter an, der bemerkenswert gelassen blieb. Dann platze es aus Rock heraus: „Um 9.25 Uhr erhalten Sie ein Fax mit einem Befangenheitsantrag.“ Absender: Der unerreichbare Kölner Anwalt. Mit oder ohne Mandat? Neuer Aufreger: Der erfahrene Verteidiger Frank Otten hatte erklärt, dass er in der Lage sei sich bis zum kommenden Montag auf die Aussagen des Gerichtsmediziners und eines LKA-Beamten vorzubereiten, weil er danach, während des Südafrikaurlaubs seines Kollegen Rock, ausreichend Zeit habe sich in den Fall einzuarbeiten. Rock bezeichnete Otten nach der Verhandlung lautstark als „inkompetent, unqualifiziert und überfordert“. Kleine Grüppchen von Juristen und Zuschauern diskutierten anschließend noch den Auftritt des Dissener Anwalts und fragten sich, ob er das Anliegen seiner Mandantin mit seiner Strategie angemessen vertritt.

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