Großverfahren

Henkersmahlzeit frühestens 2 Stunden vor dem Tod

Henkersmahlzeit frühestens 2 Stunden vor dem Tod

Landgericht Osnabrück: Ex-Ehefrau von Markus Kujat bekam Wutanfall

Osnabrück (kno) – Der aufgespaltete Prozess um den Auftragsmord an Markus Kujat wird das Landgericht Osnabrück noch bis weit in 2010 beschäftigen. Die meisten Zeugen, die bereits im ersten Prozess gegen die Auftraggeber des Mordes, Maren M. und Andris M. ausgesagt haben, müssen dies erneut im jetzigen Verfahren gegen Wadim S. und Marina S. tun. Der 31-jährige Angeklagte soll die Tat begangen, seine 39-jährige Tante den Kontakt zu den Auftraggebern hergestellt haben.

Die Crux für das Gericht: Der ganze Fall muss so behandelt werden, als hätte es den Urteilsspruch am 27.11 im anderen Verfahren nicht gegeben. Ein Befangenheitsantrag der Verteidiger, der sich auf die Vorbefasstheit der 6. Großen Strafkammer bezog, wurde vom Gericht als unzulässig zurück gewiesen. Die Verteidiger hatten die Strafprozessordnung (§25.2) nicht aufmerksam gelesen: Ein Befangenheitsantrag muss unverzüglich nach bekannt werden der Gründe gestellt werden. Nach dieser juristischen Ohrfeige folgte die Parade Zeugen: Nachbarn, Sanitäter, Notarzt.

Eine Obernachbarin des Getöteten wollte am 24.7.2008 eigentlich ihren Geburtstag feiern. Zahlreiche Gäste waren bereits eingetroffen, als es um 17.30 Uhr klingelte. Die aufgelöste Maren M. bat um Hilfe, weil „etwas passiert sei“. Der Obernachbar begab sich mit Maren M. zur Wohnung von Markus Kujat. Er fand den erschossenen Kujat auf dem Bauch liegend hinter seinem Bett. Verwundert äußerten sich sowohl der Nachbar, als auch Sanitäter und Notarzt darüber, dass Maren M. nur die Füße ihres Lebensgefährten gesehen und nicht nachgeschaut habe, was mit ihm passiert sei. Später habe sie dann „desinteressiert“ im Treppenhaus gesessen. Einzige Sorge: Ihr Handy in der Wohnung.

Für einen kleinen Eklat sorgten die Fragen eines Verteidigers an die Ex-Ehefrau des Getöteten. Ihre letzte Zeugenaussage hatte sie per Videoübertragung gemacht. Diesmal überschätzte sie wohl ihre Beanspruchbarkeit und rastete aus: Nachfragen zu ihren finanziellen Verhältnissen 2008 und die Erinnerungen an gewalttätige Übergriffe von Markus Kujat führten zu einem Wutausbruch: „Ich kann das alles nicht mehr!“

Wesentlich ruhiger trug ein Mediziner die Zusammenfassung seines 36-seitigen Gutachtens über die Untersuchung des Mageninhaltes des Getöteten vor: Die „wenig durchgegarte, monströse Menge“ von über 1 Kilo Spagetti und angeschmortem Muskelfleisch (Mett) mit „verholzten Leitfaserbündeln“ (Zwiebeln) sei nur „leicht angedaut“ gewesen. Der druckfeste Zustand der Nahrung und der ph-Wert von 4,5 ließe den Schluss zu, dass Markus Kujat seine, von Maren M. zubereitete Henkersmahlzeit 15 Minuten bis 2 Stunden vor seinem Tod gegessen hat.

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