Großverfahren

Belastungszeuge im Kujatprozess II: „Ich weiß alles.“

Belastungszeuge im Kujatprozess II: „Ich weiß alles.“

Landgericht Osnabrück: Gibt es einen Auftragskiller auf Pump?

Osnabrück (kno) – Einen ganzen Verhandlungstag stand der Friseur von Maren M. zum 3 mal dem Landgericht Osnabrück als Hauptbelastungszeuge Rede und Antwort. Diesmal im Prozess gegen den vermeintlichen Mörder von Markus Kujat und dessen Tante, die als „Drehscheibe“ (Kontaktanbahnung) fungiert haben soll. Hauptthema: Die immer konkreter werdenden Andeutungen über den geplanten Mord, die Maren M. ihm gegenüber mehrfach im Friseurgeschäft gemacht hat. Vier Wochen vor der Tat, so der Zeuge, habe Maren M. davon gesprochen, dass es in der Beziehung zu Markus M. „Stress“ wegen eines Darlehns von 30000 Euro gäbe, welches sie nicht zurückzahlen könne. Erst habe sie davon gesprochen, dass sie Kujat selbst „ersticken, erstechen oder vergiften“ wolle, dann habe sie erklärt, sie werde einen Auftragsmörder suchen. Kurz darauf hatte sie einen „Russen“ gefunden, der schwarz gekleidet und vermummt  mit einem Nachschlüssel die Wohnung des Opfers betreten und mit einer besorgten Waffe die Tat begehen sollte, während sie beim Einkauf sei. Sogar die Henkersmahlzeit plante sie: Spagetti Bolognese. Nach der Tat sollte die Kleidung des Täters verbrannt und seine Waffe vernichtet werden. Einen Tag vor der Tat wollte Maren M. dem Zeugen anlässlich eines zufälligen Treffens vor einer Bank am Neumarkt sogar die Waffe zeigen, die sie im Kofferraum mitführte. Er habe abgelehnt. 500 Euro habe Maren M. vorher von einem Konto Kujats abgehoben und gesagt, „Kujat würde die Abrechnung ja nicht mehr sehen.“ Wurde das Geld für den Auftragsmörder angespart? 5000 Euro waren angeblich vereinbart. Rechtsanwalt Frank Otten fragte nach: „Sollte das ein Auftragskiller auf Pump sein?“ Der Friseur hatte berichtet, dass Maren M. gewusst habe, dass Kontobewegungen nach dem Mord überprüft würden.

Als Anwalt Thorsten Rock die durchaus berechtigte Frage stellte, ob der Zeuge sich darüber im Klaren sei, dass Markus Kujat noch leben würde, wenn er anders gehandelt hätte, verhinderte der Richter die Beantwortung. Der Anwalt formulierte direkter: „Warum sind Sie nicht zur Polizei gegangen?“ „Die hätten mich doch nicht ernst genommen und gesagt ich hätte `ne Vollmeise,“ antwortete der Zeuge. Und später auf Nachfrage: „Ich wollte keine Anzeige wegen Verleumdung.“ Das er sich durch eine unterlassene Anzeige strafbar gemacht haben könnte, war ihm wohl nicht so recht bewusst (Siehe Kasten). Am Tattag um 17.12 Uhr erschien Maren M. nach 4 Telefonkontakten persönlich bei ihm im Geschäft und sagte: „Es ist passiert.“ Sie bat ihn als „neutrale Person“ mit in die Wohnung Kujats zu kommen. Er habe abgelehnt und gesagt, „dass er schon genug Menschen beerdigt habe und er nicht einen weiteren Toten ansehen möge.“ Doch auch jetzt wandte der Zeuge sich nicht an die Polizei. Erst als er eine Woche später von einem RTL Fernsehteam bedrängt wurde, bekam er kalte Füße und suchte über eine Bekannte den Kontakt zu den Ermittlern. Ihr habe er gesagt: „Ich weiß alles.“

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