Großverfahren

Kassiber aus der U-Haft: Löcha, lerne bitte auswendig. Wenn du es gelernt hast, verbrenne es

Kassiber aus der U-Haft: Löcha, lerne bitte auswendig. Wenn du es gelernt hast, verbrenne es

Landgericht Osnabrück: Super Gau für Verteidigung in Kujat Prozess II

Osnabrück (kno) – Ein Kassiber, der in der Zelle des unter Mordanklage stehenden Wadim S. gefunden wurde, macht dessen Verurteilung wahrscheinlicher. Bei einer Routinekontrolle fanden die Beamten ein kleines Päckchen. Es enthielt nicht, wie erst vermutet Drogen, sondern einen Brief von Wadim S. an seinen Bruder. Darin fordert er ihn auf, anders als im Prozess gegen Maren M., diesmal nicht die Aussage zu verweigern: „Löscha (Coseform von Alexej), du musst aussagen.“ Hintergrund: Am Nachmittag des Mordes von Markus Kujat, dem 24.07.2008 hatte sich der Angeklagte von seinem Bruder und dessen Freundin in OS-Hellern abholen lassen. Nur die Freundin hatte dazu Aussagen gemacht, die sie jetzt wiederholte. Durch seinen Manipulationsversuch wollte Wadim S. offensichtlich versuchen, die belastende Aussage der Freundin durch die seines Bruders zu entschärfen. Die Freundin sollte dagegen diesmal schweigen. Doch der Schuss ging nach hinten los: Für die Verteidiger, das konnte man den entgeisterten Minen entnehmen, als sie vom Inhalt des abgefangenen Kassibers erfuhren, stellt der aus dem Russischen übersetzte Text den Super-Gau dar. Im ersten Prozess war bekannt geworden, dass der Angeklagte „schweissüberströmt“ mit Plastiktüten und einem Rucksack unter der Autobahnbrücke in Hellern gewartet habe, um sich nach Georgsmarienhütte fahren zu lassen. Über den Inhalt des Gepäcks wurden keine Aussagen gemacht. Jetzt sollte der Bruder was anderes sagen. Wadim S. im Kassiber: „Als ich in ihr Auto eingestiegen bin, habe ich eigentlich nicht geschwitzt (fast nicht).“ Und weiter: „Du hast mich gefragt, was in der Plastiktasche sei, ich habe sie geöffnet und du hast reingeguckt. Dort war Brot, Käse und noch etwas, genau weißt du es nicht mehr. Fragt man dich, ob in der Plastiktasche Kleidungsstücke waren oder etwas anderes, - nein, dort waren nur Lebensmittel, nichts anderes.“ Da der Kassiber den Bruder nicht erreicht, wusste dieser nichts von der geplanten Gefälligkeitsaussage und sagte nichts. Seine Freundin bestätigte dagegegen die Aussagen, wie im ersten Prozess. Wadim S. wurde inzwischen nach Oldenburg verlegt. Von dort, so lässt sich vermuten, sind Versuche weiterer Zeugenbeeinflussungen noch schwerer. Der Prozess wird am 27.1.2010 fortgesetzt.

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