Großverfahren

„Ich wollte meinem Vater helfen“ – Sohn des MC Bandidos Präsidenten sagt aus

Zwei weitere Verhandlungstage im Totschlagsprozess ließen Gewaltbereitschaft der Rocker deutlich werden

Stück für Stück bringt jede neue Zeugenaussage Licht ins Dunkel um die Ereignisse der Nacht, die zum Tode des Mitgliedes der MC Outlaws, Willi B. führten. In der vergangenen Woche machte der ebenfalls beschuldigte Sohn des Hauptangeklagten Wolfgang B. aus Wallenhorst seine Aussage. Beiden wird vorgeworfen in der Nacht des 16.07.2004 vor ihrem Wohnhaus in Wallenhorst ihr Opfer durch Schüsse und Schläge zu Tode gebracht zu haben.

Der 19-jährige Boris B. ist sehr gefasst, als er vor dem LG Osnabrück seine Schilderung des Tathergangs präsentiert. Stockend erzählt er, daß er ein Supporter (Unterstützer) des MC Bandidos gewesen sei. Sein Vater, Präsident des Motorradclubs, habe ihm in Aussicht gestellt mit 21 Jahren ein Vollmitglied zu werden und seine zweite Harley Davidson zu übernehmen. Von den Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Neugründung einer Abteilung der Outlaws in Osnabrück habe er wenig gewusst. Nur einmal sei er Zeuge einer telefonischen Bedrohung gewesen. Er bestätigt den steigenden Alkoholkonsum seines Vaters. Auch in der Tatnacht habe er mit seinem Vater getrunken, sei dann aber um 24 Uhr ins Bett gegangen. Sein Vater sei wach geblieben. Ein starkes Bollern an der Tür habe ihn um 2:30 Uhr geweckt. Nachdem er sich angezogen habe, sei er an der Eingangstür auf seinen Vater getroffen. Vor der Tür habe dieser einen Schuss abgegeben und sein dann zur Einmündung der Stichstrasse ihres Wohnhauses gelaufen. Dort sei sein Vater von einem Unbekannten mit einem Gegenstand angegriffen worden. „Ich wollte meinem Vater helfen“, begründete er die Tritte gegen Willi B., den er nicht kannte. „Ich habe nix in den Händen gehabt“, versuchte Boris B. den Vorwurf, er habe mit einem Baseballschläger benutzt, zu entkräften.

Seine Mutter, die im Anschluss an die Aussage ihres Sohnes als Zeugin vernommen wurde, schilderte ihren Sohn als schüchtern, wortkarg und zurückhalten. Seit 25 Jahren sei sie mit Wolfgang B. liiert und habe auch am Vereinsleben des Motorradclubs Bandidos teilgenommen. Von Spannungen zwischen dem MC Outlaws und dem Club, dessen Präsident ihr Mann gewesen sei, haben sie nichts mitbekommen. Ihr Mann habe im Vorfeld der Tat nicht nur mehr getrunken, er habe auch Psychopharmaka genommen. Er sei von Panikattacken gequält worden. Einmal habe man deshalb fluchtartig ein Lokal verlassen müssen. In der Tatnacht sei auch sie von einem beängstigenden Scheppern geweckt worden. Als sie vom Schlafzimmer aus kommend im Eingangsbereich des Hauses auf ihren Mann traf, sei sie von diesem lautstark veranlasst worden wieder nach oben zu gehen. Niemand habe ihr etwas vom Tatgeschehen erzählt. Erst von den Verteidigern ihrer Angehörigen habe sie Näheres gehört. Die Vorsitzende des Gerichts mag dieser Aussage nicht so recht Glauben schenken, denn ihr ist bekannt, dass Bandidos seit der Tatnacht im Hause Ebert zum Schutz übernachten. Sie kann sich nicht vorstellen, daß man nicht über die Ereignisse spricht.

Mit teilweise tränenerstickter Stimme machte anschließend die Lebensgefährtin des Opfers ihre Aussage. Die Angeklagten waren auf Antrag von ihr von der Verhandlung ausgeschlossen, da sie der psychischen Belastung angesichts einer Konfrontation mit den Beiden nicht gewachsen sei. Seit 2001 sei sie mit Willi B. befreundet gewesen, sie schildert ihn als ruhig und gelassen. Dann berichtet sie von einem Überfall am 24.6.2004 auf das neue Vereinsheim des MC Outlaws an der Rheinstrasse, Os. Dort sei sie Zeuge gewesen, wie plötzlich drei vollbesetzte Fahrzeuge mit Mindener Kennzeichen aufgetaucht seien. Die vermummten Insassen hätten das Inventar des Clubcenters zerstört und ein Mitglied der Outlaws zusammengeschlagen und mit orangener Farbe besprüht. Die Farbe der Bandidos. In der Tatnacht, 15/16.7.2004 habe Willi B. nach einem Anruf die gemeinsame Wohnung in Wersen verlassen und sei einem Mitglied des MC Outlaws zu Hilfe geeilt, vor dessen Haus sich Bandidos aufhielten. Erst am folgenden Morgen habe sie vom Tode ihres Lebensgefährten von der Kripo in der Paracelsus Klinik erfahren.

Am Donnerstag der vergangenen Woche wurde deutlich, wie gewalttätig Mitglieder des MC Outlaws sein können. Ein Polizeibeamter aus Herford schilderte die näheren Umstände einer Prügelorgie in Löhne am 3 Oktober 2004 an der zwei Rocker beteiligt war, die auch in Todesnacht in Wallenhorst zugegen waren. Von acht Outlaws sei vor einer Gaststätte ein wehrloses Opfer halbtot geschlagen worden, dabei sei auch ein Baseballschläger benutzt worden.

Anschließend machte die sichtlich eingeschüchterte Ehefrau eines EX-MC Outlaws Mitgliedes ihre Aussage. Vor ihrem Wohnhaus hatten sich in der Tatnacht Bandidos versammelt. In einer telefonischen Rundrufaktion seien dann Mitglieder der Outlaws zu Hilfe gerufen worden. Die zögerlichen und widersprüchlichen Aussagen der Zeugin brachte die Vorsitzende des LG Osnabrücks in Rage: Sie wies die 41-Jährige auf ihre Wahrheitspflicht hin. In der Tatnacht haben vier Outlaws ihre Wohnung verlassen, darunter sei allerdings nicht ihr Mann gewesen. Wenige Stunden später seien drei Männer deprimiert zurückgekommen, Willi. B. habe gefehlt. Dieser sei, so habe sie erfahren, angeschossen worden.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag u.a. mit einem Ortstermin fortgesetzt.

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