Großverfahren

Aussageverweigerungen – Sind die MC Outlaws eine kriminelle Vereinigung?

Vollmond – Ortstermin wurde wegen falscher Lichtverhältnisse abgesagt

Juristische Geplänkel prägten den 5ten Verhandlungstag im Totschlagsprozess gegen Wolfgang E. und seinen Sohn Boris aus Wallenhorst.

Wieder starke Sicherheitsmassnahmen im Landgericht Osnabrück. Grund: 50% der Zuschauer im vollbesetzten Gerichtssaal waren eigens angereiste Mitglieder des MC Bandidos, dieses mal hauptsächlich aus Bremen. Drei Rocker des rivalisierenden MC Outlaws sollten zu den Ereignissen in der Tatnacht gehört werden. Doch dazu kam es nur in einem Falle. Zu Beginn der Verhandlung stellte die Staatsanwaltschaft den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit, weil die Gefahr bestünde, daß eine öffentliche Aussage wegen des vereinsinternen „Schweigegelübdes“ zu einer Aussageverweigerung führen würde. Der Antrag wurde nach einer Verhandlungspause vom Gericht abgelehnt. Eine weitere Unterbrechung des Prozesses wurde notwendig, weil der Rechtsbeistand eines Zeugen das Recht auf Aussageverweigerung beantragte. Gegen seinen Mandanten werde wegen des Verdachtes auf Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft konnte hierzu keine präzisen Angaben machen, so daß ein Telefongespräch mit dem Oberlandesgericht in Oldenburg notwendig wurde. Die Vorsitzende karikierte die eingetretene Situation und fragte den vor ihr sitzenden Zeugen: „Und? Wie geht es Ihnen denn heute so?“ Sie hätte den 31-jährigen Karl C. aus Löhne gerne zu den näheren Tatumstände in der Nacht des 16.7.2004 in Wallenhorst befragt. Doch das durfte sie nicht, denn sie wollte keinen Revisionsgrund herbeiführen. Ein weiteres Mitglied der Outlaws verweigerte danach ebenso die Aussage. Auch er war, wie der dritte Zeuge in der Nacht in Wallenhorst zugegen, als ihr Clubmitglied Willi B. vom Präsidenten der Bandidos Os. durch Schüsse so schwer verletzt wurde, dass er später starb.

„Er war mein bester Freund“, leitete Eckhard B. (33) aus Löhne seine Aussage ein. Er hatte erklärt zu den Vorgängen in der Tatnacht eine Aussage zu machen. Über seine Mitgliedschaft bei den MC Outlaws wolle er allerdings nicht sagen. Seine Angaben blieben vage. Immer wieder sagte er:„Ich kann mich nicht erinnern.“ Vier Outlaws seien in der Nacht mit einem PKW-Kombi nach Wallenhorst gefahren. Wer wo in wessen Auto gesessen habe, weiß er angeblich nicht mehr. Er weiß auch nicht mehr, wo er gestanden habe als Willi B. verletzt wurde. „Ich habe nur noch dieses eine Bild vor Augen, was mich seitdem quält.“ Danach habe Wolfgang B. mit einer Waffe auf den regungslos am Boden liegenden Willi B. gezielt und Boris B. mit einem Baseballschläger auf dessen Kopf eingeschlagen. Nachdem die beiden weg waren, habe man den Verletzten auf die Ladefläche des PKW-Kombis verfrachtet und zu einem Krankenhaus (Paracelsus Klinik, Red.) gebracht. Dort habe man ihn im Eingangsbereich niedergelegt und einer Krankenschwester zugerufen: „Schussverletzung“. Dann habe man sich entfernt. „Warum sind sie dann weggefahren? Es war doch Ihr bester Freund,“ so die Vorsitzende Richterin. „Ich konnte ihm doch sowieso nicht helfen“, antwortete der Zeuge ausweichend auf die berechtigte Frage.

Der für gestern Abend angesetzte Ortstermin am Tatort in Wallenhorst wurde verschoben. Vollmond in Kombination mit Schnee liefern andere Lichtverhältnisse als in der Tatnacht. Ein Blick in einen Mondkalender hätte diese Prognose allerdings schon früher zugelassen.

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