Großverfahren

Rockerpräsident bleibt frei

Nebenklage: „Das sind amerikanische Verhältnisse“

Der wegen Totschlags vor dem LG Osnabrück angeklagte Präsident des MC Bandidos, Wolfgang E. bleibt auf freiem Fuß. Das OLG Oldenburg verwarf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger und schloss sich der Auffassung der Strafkammer in Osnabrück an. Die umfangreiche Beweisaufnahme einschließlich eines Ortstermins habe ergeben, daß „die Annahme eines dringenden Tatverdachts hinsichtlich eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes nicht länger gerechtfertig ist“.

Die Vertreterin der Nebenklage Martina Goldkamp Abraham hat mit diesem Ergebnis gerechnet. Es sei in solchen Fällen selten, dass ein höherrangiges Gericht einen Beschluss revidiere. „Es gibt keine Wortprotokolle“, so die Rechtsanwältin „das OLG kennt also weder die Aussagen des Angeklagen, noch der drei Zeugen von den Outlaws.“ Goldkamp-Abraham vertritt zwei Brüder des getöteten MC Outlaws Mitgleides, Willi B.. In einer fünfseitigen Beschwerdebegründung an das LG Osnabrück stellt sie ihre Sicht der Dinge dar. Nach dem derzeitigen Beweisergebnis steht für sie fest, dass „der Angeklagte nicht in Notwehr gehandelt hat.“ Wolfgang E. habe die Notwehrlage selbst verursacht und provoziert. Nach den nächtlichen Tritten gegen seine Haustür durch die Outlaws habe für ihn kein Grund bestanden, daß Haus zu verlassen und somit „in die Offensive zu gehen“. Eine unmittelbare Bedrohung seiner Person oder seiner Familie habe nicht bestanden. „Die Verriegelung der Tür hat den Tritten standgehalten“, schreibt die Nebenklagevertreterin. „Es wäre ein Leichtes gewesen, die Polizei, die Feuerwehr oder wen auch immer zu alarmieren.“ Die Strafkammer mache aus dem „Jäger“, der mit einer durchgeladenen Schusswaffe die Strasse absucht einen „Gejagten“ und vertausche somit die Rollen. „Das sind amerikanische Verhältnisse“, so die Rechtsanwältin in einer telefonischen Stellungnahme. „Und die wollen wir nicht!“ Für sie ist die Freilassung des Rockerpräsidenten noch kein Hinweis auf das Urteil. Im weiteren Verlauf des Prozesses, der am 15.3. fortgesetzt wird, werde unter anderem die Aussage des Gerichtsmediziners belegen, dass für Wolfgang E. keine Notwehrsituation bestanden habe.

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