Großverfahren

Dialerprozess 2011: 3 Angeklagte reisten aus dem Ausland an.

Landgericht Osnabrück: Haupttäter bietet 470.000 Euro für Bewährungsstrafe an

Osnabrück (kno) – Im Nachklang zum 21-tägigen Dialerprozess aus dem Jahre 2006 verhandelt erneut die auch damals zuständige 10. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück. Im ersten Verfahren waren 2 Angeklagte zu mehrjährigen Haftstrafen und 2 weitere zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. So wie 2006 wird auch den jetzt angeklagten Männern gewerbs- und bandenmäßiger Computerbetrug vorgeworfen. 3 der Männer reisten aus dem Ausland an.

 

Der Hauptangeklagte Javier R. (41 J.) kommt aus Florida (USA), Stanislav D. (36 J.) aus der Ukraine und Andis B.(31 J.) aus Lettland. Eine kurze Anreise hat der vierte im Bunde: Frank J. (32 J.) aus Höxter. Sie sollen in den Jahren 2002/2003 zusammen mit den bereits Verurteilten bei über 100000 Geschädigten einen Schaden von 12.658.403 Euro verursacht haben. Sie bildeten ein weltweites operierendes Netz dessen Ziel der betrügerische Missbrauch des damals gebräuchlichen 0190-Mehrwertdienstes in der Bundesrepublik war. Dieser Dienst ermöglichte es Internetnutzern (User) ursprünglich kostenpflichtige Seiten über die Telefonrechnung abzurechnen, nachdem sie ihr Einverständnis erklärt und der Installation eines Einwahlprogramms (Dialer) zugestimmt hatten. Aus diesen legalen Dialern entwickelte die Tätergruppe in mehreren Schritten sogenannte Autodialer, die sich in der letzten Version völlig unbemerkt auf den Rechnern der User installierten und nach Beendigung selbstständig löschten und ihre Spuren auf dem Rechner beseitigten, um die Herkunft und Aktivitäten zu verschleiern. Für die komplizierten Programmierungen suchten sich die Haupttäter die beiden jetzt mitangeklagten Computerexperten aus Osteuropa. Diese wurden monatlich mit geringen Beträgen zwischen 750 und 1500 Euro abgespeist. Die Initiatoren des ausgeklügelten Betruges waren ursprünglich mit der Erstellung und der Vermarktung von Sexseiten im Internet beschäftigt. Einer von ihnen war als sogenannter „traffic-broker“ eine weltweite Größe, er sorgte für viel Verkehr auf den Schmuddelseiten, die mittels Dialern abgerechnet wurden. Die Datenströme der User wurden je nach deren Herkunftsland gezielt gelenkt, da nur in Deutschland ein Mehrwertnummerndienst existierte. Außerdem wurden nur Rechner infiziert, die sich mittels eines Modems ins Netz einwählten. Die Autodialerprogramm schalteten unter anderem die Virensoftware und den typischen Modemton ab. Die Schadsoftware kam sowohl auf eigenen Sexseiten, wie auch auf fremden zum Einsatz. Um eine Abrechnung mit den zahlreichen Webmastern zu ermöglichen, entwickelte der 32-Jährige aus Höxter ein statistisches Erfassungsprogramm mit genauen Zugriffszahlen. Erforderlich waren hierfür eigene Kennzahlen der Autodialer. Javier R. aus Florida, der ursprünglich Sexseiten ins Internet gestellt hatte, sorgte für die Verbreitung der Autodialer, die Führung der Konten und die Auszahlungen. Er selber, so gab er in einem Teilgeständnis zu, habe den Einsatz der Autodialer gebilligt und insgesamt 4 Millionen Gewinn gemacht. Allerdings sei er selbst Opfer von Betrügern geworden und habe durch den Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA fast alles verloren. Trotzdem sei es ihm gelungen „Sponsoren“ zu finden, die 470.000 Euro für den deutschen Staatssäckel bereitgestellt hätten. Bedingung dieser Sponsoren sei aber eine Bewährungsstrafe für ihn. Auch die anderen Angeklagten räumten die Taten ein. Der Vorsitzende Richter des Landgerichts sieht keinen weiteren Aufklärungsbedarf, geplante Zeugen wurden wieder ausgeladen. Schon am kommenden Dienstag soll es zu einem Urteil kommen.

Siehe auch: Großverfahren > Autodialer

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