Großverfahren

Dialer Prozess: Zwei Urteile nach abgetrennten Verfahren

„Außerordentlich fiese Methoden zum Geld scheffeln“ - Telekom verdiente mit

Der letzte Verhandlungstag im Dialer Prozess vor dem Landgericht Osnabrück ist für den 5. September angesetzt, doch für zwei der vier Angeklagten ist das Verfahren bereits beendet. Es war nach ihren „allumfassenden Geständnissen“ abgetrennt worden. Jan A. und Ralf K. wurden wegen gewerbs- und bandenmäßigem Computerbetruges zu 22, bzw. 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Beide verzichteten auf Rückzahlungen von sichergestellten Geldbeträgen und Herausgabe mehrerer Rechner. Die Summe von 113.000 € soll für die Entschädigung der geprellten Internetnutzer verwendet werden, soweit sich diese gemeldet haben. Während die beiden verurteilten Bandenmitglieder von der Staatsanwaltschaft der mittleren, bzw. unteren Ebene des Netzwerks zugeordnet wurden, soll es sich bei den beiden verbliebenen Angeklagten um die Chefs handeln. Einer von ihnen, der aus Lettland stammende Edward B. akquirierte in Riga einen Programmierer, der für ihn in einem eigens angemieteten Büro die sogenannten Autodialer baute, welche in der letzten Version für einen Internetnutzer völlig unbemerkt eine kostenpflichtige Verbindung herstellte, die dann über die Deutsche Telekom abgerechnet wurden. Nicht nur die Telekom verdiente gut an den illegalen Machenschaften der Internetbetrüger. Edward B. und sein Kollege Jörg H. sollen Millionenbeträge erwirtschaftet haben. Insgesamt wird der Schaden auf 12 Millionen Euro beziffert. Für die Staatsanwaltschaft stellt sich die Beweisführung äußerst schwierig da. Von den geprellten Telekom-Kunden meldeten sich nur wenige. Auf ihren Rechnern fanden sich kaum Spuren der illegalen Dialer, weil diese so programmiert waren, dass sie sich selbst löschten. Allerdings verwandelte sich dabei ein letzter Rest in eine TMP-Datei, die von einem Sachverständigen letztlich doch entdeckt wurde. Er fand auch heraus, dass der Löschvorgang den Verlauf der besuchten Internetseiten (Internet-Historie) erfasste. Manche der Autodialer wählten sich erst mit einer Zeitverzögerung ein, um auf falsche Webseiten zu verweisen. Alles diente nur dem Zweck unentdeckt zu bleiben. Die von einem der Angeklagten angeführte Begründung, die Veränderungen seien aus „sportlichem Ehrgeiz“ erfolgt, bezeichnete der Staatsanwalt als „extrem verniedlichend“. Die außerordentlich fiesen Methoden hätten nur ein Ziel gehabt: Geld zu scheffeln.

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