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Sarg zu groß oder Grube zu klein?

Landgericht Osnabrück: Stadt zahlte 500 Euro für beschädigten Sarg.

Osnabrück (kno) – Eine Beerdigung mit Hindernissen hatte ein juristisches Nachspiel vor der 5. Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück. Weil der Sarg mit einer Höhe von 80 cm zu groß, beziehungsweise die ausgehobene Grube zu klein war, kam es bei der Bestattung eines Mannes auf dem Eversburger Friedhof im Juli 2010 zu einer Verzögerung.

 

Erst nachdem ein Bagger angerollt und die Grube vergrößert worden war, konnte die Beerdigung wie geplant fortgesetzt werden. Die Sinti-Familie des Toten reichte über den Sohn des Bestatteten Klage auf Zahlung eines Schmerzensgeld von 6350 Euro durch die Stadt Osnabrück ein, weil es bei den Angehörigen zu „Schockzuständen“ gekommen sei. Nachdem im anschließenden Schriftverkehr deutlich geworden war, dass keine Aussicht auf Erfolg bestand, weil der klagende Sohn unter anderem bei der Beisetzung überhaupt nicht anwesend gewesen sei, wurde ins Feld geführt, der Sarg habe bei der Verkantung in der Grube zwei 60 cm lange Kratzer abbekommen. Gefordert wurde jetzt die Hälfte des Sargpreises, also 1785 Euro. Nachdem bereits ein Mediationsgespräch gescheitert waren, trafen sich die Prozessparteien zu einer Güteverhandlung vor dem Landgericht. Die Stadt Osnabrück bedauerte den außerordentlichen Vorfall, gab aber durch ihren Rechtsanwalt zu erkennen, dass sie einen Anspruch in dieser Höhe bestritt, da die Beschädigungen nicht das behauptete Ausmaß gehabt hätten. Im Raum standen nun 750 Euro Reparaturkosten. Nach einen kurzen Streit ob in der Summe auch die Mehrwertsteuer enthalten sei, kam es zu einem interessanten Rechtsgespräch darüber, ob man Schadensersatz für etwas verlangen könne, dass durch die Art seiner Bestimmung ohnehin dem Verfall preisgeben sei. Der Anwalt des Kläger empörte sich: „Wir sind hier sowieso schon runtergemacht worden,“ und verlangte die volle Höhe der angeblichen Reparaturkosten. Die Richterin war bemüht, die Verhandlung ohne Beweisaufnahme zu beenden, denn eine Fortsetzung hätte bedeutet, dass ein Gutachter Aussagen zum Umfang der Kratzer hätte machen müssen. Obwohl er der Stadt Osnabrück „eigentlich rechtlich davon abraten würde“ einen Anspruch anzuerkennen, weil die Kratzer erst im November in den Akten auftauchten, bot die beklagte Stadt Osnabrück 500 Euro an, um eine Fortsetzung des Rechtstreits zu vermeiden. Nach kurzer Beratung akzeptierte der Kläger die Zahlung von 500 Euro. Da dem Kläger 90 % Prozent der Verfahrenskosten von ungefähr 1500 Euro auferlegt wurden, war die juristische Aufarbeitung des bedauerlichen Vorfalls für ihn teuer.

 

 

 

 

 

 

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