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Mediationsverfahren geglückt: Vater und Sohn weiter unter einem Dach

Landgericht Osnabrück: Seit 2005 bereits 1000 Schlichtungen - 80 % Erfolgsquote.

Osnabrück (kno) – Zivile Streitigkeiten enden oftmals vor Gericht, aber immer seltener kommt es dabei zu einem Urteil, sondern zu einem Vergleich. Seit 2005 bietet das Landgericht Osnabrück die Möglichkeit eines Mediationsverfahrens. Bereits 1000 mal nutzten Streitende die Chance ein schwebendes Verfahren nicht mit einem Urteil, sondern mit einer einvernehmlichen Regelung zu beenden, die den Vorteil hat, dass es keinen Verlierer gibt.

 

Von dem Angebot eines Mediationsverfahren machen 45 % der Streitenden Gebrauch. Die Erfolgsquote ist hoch: In 80 % der Fälle kommt es zu einer Einigung. Landgerichtspräsident Antonius Fahnemann sieht im Mediationsverfahren einen Beitrag zur Verbesserung der Streitkultur. Zum angesetzten Pressegespräch hat er zwei ehemalige Streithähne geladen, die deutlich machen, wie überraschend und erfreulich ein Meditationsverfahren enden kann. Heinrich Hawighorst (73 J.) und seinen 52-jähriger Sohn Wolfgang Butke sprachen seit 2009 kein Wort mehr miteinander. Dem Sohn war nach dem Tode seiner Mutter testamentarisch ein Wohnrecht im Hause seines Vater eingeräumt worden. Es kam zu kleineren Reibereien wegen der Abrechnung von Nebenkosten und anderer häuslicher Probleme. Die Fronten verhärteten sich soweit, dass Heinrich Hawighorst wollte, dass sein Sohn auszieht. Eine Einigung konnte auch nicht durch Einschaltung des Schiedsamtes der Stadt Osnabrück erzielt werden. Im Dezember 2010 reichte Herr Hawighorst mit Hilfe seines Anwaltes, Jens Koopmann Klage ein. Da der Streitwert über 5000 Euro lag, landete der Fall beim Landgericht. Kläger und Beklagter, Vater und Sohn akzeptierten das angebotene Mediationsverfahren. In den ersten 2 Stunden sei es, so berichtet Mediator Richter Christian Rikken nur um die Höhe einer Entschädigung gegangen. Es kam zu Einzelgesprächen mit den Kontrahenten. Rikken fand heraus, dass dem Vater eigentlich überhaupt nicht am Auszug seines Sohne gelegen sei, sondern er sich sehr darüber geärgert hatte, dass ein Anwaltschreiben der Gegenseite mit dem Todestag seiner Frau versehen war. Rechtsanwältin Claudia Rauf, die den Sohn vertrat, bedauerte das im Nachhinein, betonte aber, dass dieses unabsichtlich passiert sei. Im weiteren Verlauf des Mediationsverfahrens kam es noch zu einer gütlichen Einigung der Parteien. Sohn Wolfgang Butke wohnt nach wie vor gemeinsam mit seinem Vater im Haus in OS-Haste.

Der Vergleich wurde von Richter Rikken protokolliert und ist rechtswirksam. „Eine Klage ist manchmal wie ein Hilfeschrei,“ stellt Antonius Fahnemann, der auch als Mediator tätig ist, fest. Oftmals gelte es den Streitenden einfach nur zuzuhören. Nach einer Stunde sei auch bei komplizierten Fällen meist alles gesagt. Mit juristischem Sachverstand und psychologischem Fingerspitzengefühl wird anschließend in den meisten Fällen eine Lösung gefunden, die beide Seiten zufrieden stellt. Zur Zeit wird im Bundesparlament über den 2. Entwurf eines Mediationsgesetztes diskutiert. Mit Unverständnis reagiert der Landgerichtspräsident auf Bestrebungen das sinnvolle Verfahren, mit bürokratischen Hemmnissen zu überfrachten. Er sieht das Mediationsverfahren der Gerichte nicht als Konkurrenz zu Freiberuflern, die auch als Mediatoren tätig sind. Das Landgericht Osnabrück bietet die Vergleichsmöglichkeit an, wenn es sich bereits um ein schwebendes Verfahren handelt, welches sonst in einen Prozess münden würde.

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