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Familie aus Bersenbrück erleichtert: Alex darf wieder von der Leine

 

Verwaltungsgericht Osnabrück hebt ungerechtfertigten Leinenzwang auf

Osnabrück (kno) – An einer Leine wird der 6-jährige „Angeklagte“ in den Gerichtssaal geführt. Nach einer 1-stündigen Verhandlung steht fest: Er darf demnächst auch wieder ohne lästige Fessel herumtollen.

 

Alex (6 J.) und Marlies Hellmich (76 J.)Ausgelöst wurde die ungewöhnliche und irgendwie auch überflüssige Gerichtsverhandlung durch eine anonyme Anzeige eines Nachbarn der Familie Hellmich in Bersenbrück-Hastrup. In der Anzeige vom Frühjahr 2010 beim Landkreis Osnabrück behauptete der unbekannte Briefschreiber, dass der Golden-Retriever-Rüde der Hellmichs unkontrolliert in der Gegend herumlaufen würde. Mit „fletschenden Zähnen und angelegten Ohren“ hätte er bereits 3 Personen „angeknurrt und bedroht.“ Abschließend heißt es: „Wir Nachbarn wissen nicht mehr weiter.“ Nach diesem dramatischen Hilferuf müssen sich bei einem Landkreismitarbeiter wohl die Nackenhaare aufgestellt haben. Er griff zum Telefonhörer und telefonierte mit der Ehefrau des Hundehalters. Marlies Hellmich erklärte ihm, dass ihr Hund absolut friedfertig sei und auch nicht unkontrolliert herum laufen würde. Richtig sei, dass sie mit dem gehorsamen Hund ohne Leine spazieren gehen würde. Sie würde nicht einsehen, wenn sie einen Leinenzwang aufgedrückt bekäme und sich nicht dranhalten. Hintergrund der anonymen Anzeige sei vermutlich ein Nachbarschaftsstreit, der jetzt auf Kosten des Hundes ausgetragen werde. Der Landkreismitarbeiter notierte die Aussage der Frau und erließ nach Aktenlage eine Anordnung zum Leinenzwang. Vor dem Verwaltungsgericht gab es für diese Verfügung eine schallende Ohrfeige. Nachdem der Richter den Sachverhalt noch einmal kurz dargestellt hatte, prüfte er, ob das Verwaltungshandeln in irgendeiner Weise gerechtfertigt sei und stellte fest: So nicht.

Eine anonyme Anzeige sei nicht gerichtsverwertbar. Das hätte auch dem Landkreis bekannt sein müsse. Vielmehr hätte die Verwaltung vor einer Anordnung ermitteln müssen, ob von Alex eine konkrete Gefahr ausging. Das geführte Telefonat sei kein Beleg dafür. Im Gegenteil: Der Hund sei als friedfertig bezeichnet worden und die Absichtserklärung sich nicht an den Leinenzwang zu halten, stelle auch keine Gefährdung dar. Ein anonymer Hinweis reiche nicht aus, um in die Rechte des Bürgers einzugreifen, sonst würde „das Denunziantentum im unserem Land Blüten treiben.“

Einen generellen Leinenzwang, so fügt der Richter hinzu, gäbe es im Landkreis nicht, der stünde wohl auch im Widerspruch zum Tierschutzgesetz. Als er das dicke Gesetzesbuch auf den Tisch stellt, schrickt Alex darunter auf. Ihm ist es in dem überheizten Raum zu warm und er hechelt. Nach der klaren Darstellung der Rechtslage, beantragt der Rechtsvertreter des Landkreises nur kleinlaut eine Entscheidung. Zur Sicherheit legt der Rechtsanwalt von Alex, Dieter W. Thumann eine Bescheinigung des Tierarztes seines Mandanten vor: „Alex gehört zu den nettesten Hunden meiner Klientel.“ Ähnlich urteilt der Tierschutzverein. 16 Nachbarn der Hellmichs bestätigen per Unterschrift, dass Alex „kinderlieb und gehorsam“ sei. Es sei grotesk, so Thumann, zu behaupten, dass Alex Passanten angreife.

Als der Richter die Anwesenden bittet sich zu erheben, steht auch Alex auf und nimmt das Urteil schwanzwedelnd entgegen. Der Leinenzwang wird aufgehoben.

Anschließend macht der Richter einen eigenen „Wesentest“ und kündigt an: „Wenn du jetzt zubeißt, gibt es ein neues Verfahren.“ Alex lässt den Richter schüchtern gewähren und will dann nur noch eins: Raus hier.

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