Polizeispitze im Ratsitzungssaal: Osnabrück ist sicher

Polizeipräsidentin Heike Fischer: Mediale Wahrnehmung verzerrt Fallzahlen - Landgerichtspräsident Antonius Fahnemann: Berichterstattung ist wichtig

Am Ende einer öffentlichen Fraktionssitzung der CDU im Ratssitzungssaal der Stadt Osnabrück zu der Frage „Wie sicher ist Osnabrück?“ zeigte Polizeidirektor Michael Maßmann eine Folie auf der zu lesen stand: „Osnabrück ist sicher!“ Zu Beginn der Veranstaltung hatte der CDU-Fraktionsvorsitzenden Fritz Brickwedde auf das Ergebnis einer Umfrage der Zeitschrift Focus aus dem Jahr 2010 Bezug genommen, in der Osnabrück von 81 Städten „nur“ auf Platz 21 gelangt war. Die furchtbaren Überfälle am Güterbahnhof und an der Iburger Straße auf fröhliche Menschen in Feierlaune hätten ihn verlasst die Führungsspitze der Osnabrücker Polizei in die Fraktion einzuladen. „Sicherheit ist ein hohes Gut“ begann Polizeipräsidentin Heike Fischer die Beantwortung der Eingangsfrage und stellte fest: „Die Osnabrücker Bürger können sich so sicher fühlen wie nie zuvor.“ Die „gefühlte Sicherheit“ würde durch eine verstärkte Berichterstattung „verzerrt.“ So würde über brutale Überfälle in der größer werdenden Medienlandschaft in vielfältiger Weise berichtet, was den Eindruck erwecken könnte, es sei auch mehr passiert. Rückläufige Fallzahlen aus den letzten Jahren würden aber belegen, dass das Gegenteil der Fall sei. Außerdem, so Fischer, würden durch Aktionen wie das Diskoprojekt „Gewalt bleibt draußen“ Dunkelfelder aufgehellt.

Registrierte Körperverletzungen in Osnabrück 2011 farblich unterschiedlich markiert: rot = vorsätzliche Körperverletzung, blau = fahrlässige Körperverletzung, gelb = gefährliche Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plät- zen, grün = gefährliche Körperverletzung an sonstigen Orten.

Über die aktuellen Fallzahlen informierte anschließend Michael Maßmann. So sei die Zahl der insgesamt registrierten Straftaten im Bereich der Polizeiinspektion Osnabrück um fast 8 % zurückgegangen und die Aufklärungsquote sei mit 58,5 % sehr hoch. Auch bei den sogenannten Rohheitsdelikten sei der Trend gebrochen, die Zahlen seien seit 2009 rückläufig (-2,5 %). Zwar sei die Zahl der Körperverletzungen immer noch auf einem hohen Niveau, doch fast 90 % aller Delikte würden aufgeklärt. Bei einem großen Teil der Körperverletzungen spiele Alkoholkonsum eine wesentliche Rolle. „Wenn man da etwas bewegen will, muss man dieses Problem angehen“, so Maßmann. Das sei aber ein gesamtgesellschaftliches Problem, was die Polizei nicht lösen könne.
„Wir sind Ihre Polizei, aber wir können nicht alles.“ Zahlreiche Präventionsmaßnahmen führt die Polizei erfolgreich durch. So sei es gelungen 19 Gaststättenbetreiber für das von Heike Fischer angesprochen Projekt „Gewalt bleibt draußen“ zu gewinnen. Schläger sind in allen angeschlossenen Lokalen mit Hausverboten und Platzverweisen bedroht. Darüber hinaus verwies Maßmann auf Präventionstage an Schulen zu den Themen Gewalt, Drogen und Zivilcourage. Außerdem böte die Polizei Busbegleiterausbildungen und Selbstbehauptungskurse für Frauen an, für die eine große Nachfrage bestünde. Die Stadt Osnabrück sei von der Stiftung Kriminalprävention in Münster aus 50 Kommunen für einen Preis ausgewählt worden, weil sie „den von den Bürgern genannten Schwachstellen konsequent nachgegangen sei“, wie es im Text zu Preisverleihung heißt. Maßmann forderte zum Schluss die Bürger der Stadt auf: „Wählen Sie 110. Zeigen Sie Delikte an.“

Als ein Fragesteller in der anschließenden Diskussion behauptete in Osnabrück würde zuwenig darüber berichtet, was mit den Straftätern passieren würde, meldete sich Landgerichtspräsident Antonius Fahnemann aus dem Publikum zu Wort: „Es wird sehr viel berichtet über Strafverfahren. Es ist wichtig, dass gezeigt würde, dass der Staat auf Straftaten reagiert.“

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