Berufungen

Alptraum im Emsland: Auftragsschläger nachts im Wohnhaus

Landgericht Osnabrück: Fader Beigeschmack nach „Deal“. Kam der Auftraggeber ungeschoren davon?

Osnabrück (kno) – Schwere körperliche Verletzungen und anhaltende psychische Störungen: Die Opfer sind froh, dass es ein kurzer Berufungsprozess vor dem Landgericht Osnabrück wurde. So wurde ihnen erspart noch einmal ausführlich zu schildern, was sich nachts am 3.Dez. 2004 in ihrem Wohnhaus bei Twist im Emsland abspielte: Zwei Litauer waren um 1:30 Uhr durch die aufgehebelte Terrassentür ins Haus eingedrungen.

 

Grund war nicht, wie man vermuten könnte, ein beabsichtigter schwerer Diebstahl, sondern der Auftrag eines Hintermannes, der seinem Konkurrenten „eine Abreibung“ verpassen lassen wollte. Die Auftragsschläger waren anscheinend schlecht instruiert: Statt wie geplant den Sohn, Thomas S. zu verprügeln, drangen sie ins Elternschlafzimmer ein und droschen mit Schaufelstilen solange auf das dort schlafende Ehepaar S. ein, bis die Stile brachen. Dann verließen sie das Haus, allerdings nicht ohne noch drei neuwertige Lederjacken mitzunehmen. Wenig später fand der, durch den Tumult im Haus geweckte Sohn seine Eltern blutüberströmt vor und alarmierte daraufhin die Polizei. Die sofort eingeleitete Fahndung führte zum Erfolg: Kurz vor Meppen konnte ein Fahrzeug mit drei Litauern gestellt werden, die kurz vor ihrer Festnahme noch drei Lederjacken auf die Straße geworfen hatten.

Bereits in der ersten Instanz, vor dem Landgericht Meppen, war deutlich geworden: Wirtschaftliche Interessen waren die Ursache für den brutalen Überfall. Thomas S. hatte sich 2003 von einem Unternehmen im Bereich Kunststoffrecycling gelöst und einen eigenen Betrieb gegründet. Es folgte ein Kleinkrieg durch Anzeigen, die allerdings nicht zum gewünschten Ergebnis führten. Der Betrieb von Thomas S. expandierte. Jetzt mussten härter Maßnahmen ergriffen werden: In seinem Wohnhaus sollte dem Jungunternehmer klar gemacht werden, dass man ihn überall erwischen könne. Doch wer hatte den Auftrag erteilt? Der ehemalige Chef von Thomas S. oder der freie Mitarbeiter des Unternehmens, Siegfried K. (64 J.) aus Bersenbrück. Vom Amtsgericht Meppen war der Chef freigesprochen und Siegfried K., der beharrlich geschwiegen hatte, zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung von 1 Jahr und 6 Monaten verurteilt worden. Seine Auftragnehmer, die Litauer, sollten für 2 Jahre und 3 Monate ins Gefängnis.

Die Berufung vor dem Landgericht endete mit einem „Deal“. Voraussetzung für die Absprache: Umfängliche Geständnisse aller Angeklagten, soweit sie anwesend waren. Einer hat sich nach Litauen abgesetzt. Das können seine Landleute nicht, denn sie sitzen bereits wegen anderer Delikte ein. Ohne eine erneute umfangreiche Beweisaufnahme endete der Prozess vor dem Landgericht Osnabrück. Die beiden Litauer und der Mittelsmann kamen, anders als ihre Opfer, mit einem blauen Auge davon. Die bereits wegen anderer Vergehen ausgesprochenen Strafen von dreieinhalb Jahren, bzw. einem Jahr und sieben Monaten wurden zusammengefasst: Für vier, bzw. drei Jahre sollen sie hinter Gitter. Mittelsmann Siegfried K. verließ den Gerichtssaal als „freier Mann“: Lediglich eine Bewährungsstrafe (1,5 Jahre) und Zahlungsauflagen an die Opfer bürdete ihm das Gericht auf. Für Thomas S. bleibt ein fader Beigeschmack: Er ist nach wie vor davon überzeugt, dass der eigentliche Auftraggeber sich nicht vor Gericht verantworten musste.

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