Berufungen

„Hau ab du deutsches Schwein, ich schlag dich kaputt.“

Jugendkammer des Landgericht Osnabrück signalisierte: Berufung ist aussichtslos.

Osnabrück (kno) – Das Scheitern der Berufungsverhandlung war absehbar. Trotzdem versuchte ein 20-jähriger Türke aus Schüttorf mit Hilfe eines Anwalts die Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück davon zu überzeugen, dass es sinnvoll sei, mit einem endgültigen Urteil noch ein halbes Jahr zu warten.

 

Am Ende der Verhandlung stellte der Vorsitzende Richter fest: „Was sollen wir noch ein halbes Jahr warten, wenn seit ihrer Verurteilung vom Amtsgericht Nordhorn nichts passiert ist.“ Der Angeklagte zog seine Berufung zurück. Am 9. September 2010 war der Türke vom Amtgericht Nordhorn wegen vorsätzlicher Körperverletzung und unter Einbeziehung einer Vorverurteilung zu einer Gesamtstrafe von 3 Jahren und 4 Monaten verurteilt worden. Ziel seiner Berufung vor dem Landgericht Osnabrück war es, noch einmal eine Bewährungsstrafe zu erlangen. Doch schon nach Verlesung des Vorstrafenregisters des jungen Mannes kamen Zweifel auf, ob er damit Erfolg haben würde. Bereits im Jahre 2005 gab es die ersten Ermittlungen gegen ihn. Es folgten 4 Verurteilungen wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und gemeinschaftlichem Diebstahls. Im Jahre 2007 wurde er dann wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung zu 2 Jahren und 9 Monaten Jugendstrafe verurteilt. Von dieser Strafe verbüßte er 2 Jahre, der Rest wurde zur Bewährung ausgesetzt. Am 14 März 2010 wurde er erneut straffällig. Nach einem Streit mit Landleuten über seine Lebensführung wurde er frühmorgens um 6.21 Uhr aus einer Pizzeria in Schüttorf geworfen. Seine Wut richtete sich dann gegen einen völlig unbeteiligten Zeitungsausträger. Dem Mann rammte der 20-Jährige seine Faust in den Nacken und schrie: „Hau ab du deutsches Schwein, ich schlag dich kaputt.“ Nach dem das Opfer gestürzt war, erhielt er Tritte gegen den Körper und ins Gesicht. Folge: Der Zeitungsausträger erlitt einen zweifachen Rippenbruch und den Abbruch eines Schneidezahns. Das 2900 Euro teure Hörgerät des Mannes wurde zerstört. Der Schaden wurde zwar gerichtlich anerkannt, aber bis heute nicht bezahlt.

Nach dem der Angeklagte den Sachverhalt als richtig gestanden hatte, wollte die Jugendkammer von ihm wissen, was er seit dem Urteil getan habe. Der Angeklagte druckste herum: Er habe jetzt einen 400-Euro Job mit Aussicht auf eine Vollbeschäftigung. Außerdem sei er bei der Drogenberatung gewesen. Die Nachfragen des Gerichts und der Bericht des Bewährungshelfers des Türken ergaben: Es gibt keinen Arbeitsvertrag, der 400 Euro Job beruht, wenn überhaupt, auf einer mündlichen Vereinbarung. Von seinem Lohn hat er nicht einen Euro an das Opfer überwiesen. Er nimmt weiterhin Drogen: „Wenn es da ist, nehme ich es.“ Zu einem Vorbereitungsgespräch bei einer Drogenberatung ging er erst angesichts der nun bevorstehenden Hauptverhandlung am 5.1.2011. Der Vorsitzende kommentierte ironisch: „Das hat uns außerordentlich beeindruckt.“ Als letztlich noch bekannt wurde, dass der Angeklagte vor wenigen Tagen seine eigene Mutter aus ihrer Wohnung geworfen hat, weil es wieder mal Streit gegeben hatte, war der Würfel gefallen. Das Gericht signalisierte die Aussichtlosigkeit der Berufung. Nach kurzer Beratung mit seinem Anwalt zog der junge Türke seinen Antrag zurück. Da er bereits 24 Monate in Haft war,  muss er für 16 Monate ins Jugendgefängnis.

 

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