Berufungen

Zartes Pflänzlein darf in Freiheit weiter gedeihen

Landgericht Osnabrück: Angeklagter kam stabil aus der Haft.

Osnabrück (hkn) – Nach einer kurzen Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Osnabrück wurde einem 30-Jährigen Nordhorner noch einmal eine Chance gegeben sein Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Der Angeklagte war vom Amtsgericht Nordhorn zu einer 8-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

 

Das Osnabrücker Gericht hielt eine Bewährungsstrafe für gerechtfertigt. Hibbelig und sichtlich nervös ruckelte der Angeklagte auf seinem Stuhl herum, als der Richter das Urteil der Vorinstanz gegen ihn verlas: Viermal soll er im Frühjahr dieses Jahres im Auftrag eines Bekannten im Stadtpark von Nordhorn von einem unbekannten Dealer Marihuana und Kokain für insgesamt 300 Euro gekauft haben. Die Berufung des Angeklagten war auf das Strafmass beschränkt worden, er hatte die 4 Taten in Nordhorn gestanden. So ging es in der Verhandlung ausschließlich um die Frage einer positiven Sozialprognose, welche die Vorraussetzung für eine Bewährungsstrafe ist. Gegen den Angeklagten sprach, dass er bereits mehrmals mit dem Gesetz wegen Diebstahls, Einbruch und Drogendelikten in Konflikt gekommen ist. Im November 2010 war er aus einer einjährigen Haft entlassen worden. Er sei nie drogenabhängig gewesen, erklärte der Angeklagte. Mit 14 habe er zum ersten Mal Marihuana geraucht, ab seinem 23. Lebensjahr sei es zu verstärktem Alkoholkonsum gekommen. Seit seiner Haftentlassung habe er, betonte der 30-Jährige mit „Drogen nix mehr zu tun.“ Sein Trinkverhalten bezeichnete er als normal. Für Anfang des nächsten Jahres habe er eine Arbeit in Aussicht. Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Angeklagten eine Cannabisabhängigkeit bescheinigt und bei ihm eine „paranoide Schizophrenie“ festgestellt. Diese Krankheit sei behandlungsbedürftig. Der Angeklagte stelle aber keine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Nachdem der Verteidiger einen Antrag auf eine Umwandlung der Freiheits- in eine Bewährungsstrafe beantragt hatte, zeigte sich der Staatsanwalt unbeeindruckt: Er sah keine Veranlassung, der Berufung stattzugeben. Anders die 5. Strafkammer des Landgerichts: Das Urteil aus Nordhorn wurde abgeändert. Die Kammer wolle „das zarte Pflänzlein“, dass sich zeige nicht zerstören. Der Angeklagte sei stabil aus der Haft gekommen und lebe zur Zeit drogenfrei. Allerdings, so der Richter, sei es erforderlich, dass ein Bewährungshelfer in den nächsten 3 Jahren darüber wache, dass der 30-Jährige „nicht wieder aus dem Ruder laufe.“ Sichtlich erleichtert akzeptierte der Verurteilte den Urteilsspruch und verzichtete sofort auf weitere Rechtmittel.

 

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