Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Ross und Reiter nannte der Zeuge nicht

Rittergutprozess: 3000-4000 Euro für Deckakt von Söhnen des Jahrhunderthengstes Arogno

Osnabrück (kno) – Zielgerade im Rittergutprozess: Am 29. Oktober werden die Plädoyers gehalten. Am bisher letzten Prozesstag sagten zwei Zeugen aus. Weiterhin frostig: Das Klima zwischen dem Gericht und der Verteidigung.

 

Von den 21 Betrugsvorwürfen gegen Ilona W. sind 14 übriggeblieben. Daran konnte auch die gutgemeinte Aussage eines ehemaligen Maklers vor dem Landgericht Osnabrück nicht ändern, der die Rittergutpächterin, ebenso wie andere, finanziell unterstützt hat. Sein Beitrag zum Aufbau des Trakehner Gestüts in Georgsmarienhütte: 25000 Euro. Außerdem vermittelte er Handwerker, die angeblich vor Arbeitsaufnahme gewusst haben sollen, dass die Finanzierung des Immobilienkaufes und der umfangreichen Renovierungen noch nicht gesichert waren. Doch als sowohl Staatsanwalt wie auch der Vorsitzende Richter Ross und Reiter, also Namen von Gesprächsbeteiligten genannt bekommen wollen, mauert der 63-jährige Rentner und stellt immer wieder Gegenfragen: „Wie meinen Sie das?“ „Was wollen Sie damit fragen.“ Dann präsentiert der Vorsitzende eine eidesstattliche Erklärung des Zeugen, der sich diese erst mal durchlesen muss, bevor er sich erinnert. An die Namen der drei Handwerker, die in dem Schriftstück erwähnt werden, kann er sich aber beim besten Willen nicht erinnern.

 

 

„Ich kenne keinen Handwerker, der nicht darauf versessen gewesen wäre, da ins Geschäft zu kommen,“ gab der zweite Zeuge, ein ehemaliger Hausverwalter zu Protokoll. Er habe einen Dachdecker für das Rittergut empfohlen und sei überzeugt gewesen, dass die Pferdezüchterin an das Kapital gelangen würde, welches sie brauchte. Und dann gerät der 67-jährige Pferdefreund regelrecht ins Schwärmen: „Frau W. hätte sehr gut davon leben können.“ Gemeint ist die Pferdezucht. Sie sei Besitzerin des berühmten Trakehnerhengstes Arogno und einiger Töchter und Söhne von ihm gewesen.  Das ist richtig: Arogno war ein herausragender Vererber der berühmten ostpreußischen Zuchtlinie. Allerdings starb der  „Jahrhunderthengst“ 1996. Doch auch die Begegnung von Stuten mit seinen Söhnen ist nicht billig: 3000 bis 4000 Euro sind für einen Deckakt zu berappen.

Bei diesen Summen fragt man sich, warum es immer wieder zu Verurteilungen von Frau W. wegen Diebstahls gekommen ist. Im Jahre 1998 wird sie vom Amtsgericht Bad Iburg wegen Diebstahls von Waren im Werte 14,90 DM verurteilt. Und wenig später folgt das Amtsgericht Warendorf mit1000 DM Geldstrafe. Die Pferdezüchterin hatte Hühneraugentinktur geklaut: Wert 4,90 DM.

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