Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Angeklagte nahm abgemagert ihr Urteil entgegen

Landgericht Osnabrück: Kein Segen auf dem Rittergut

Osnabrück (kno) – Nun ist er zu Ende: Der Prozess um die Betrugsanklage gegen die Pächterin des Rittergut Osthoffs in Georgsmarienhütte. Manch einer aus der treuen Schar der Prozessbeobachter mag das Ende bedauern. Wann kann man schon mal den Blick hinter die altehrwürdigen Mauern eines Rittergutes in das Privatleben der Bewohner und die Welt der Hochfinanz werfen? „Es ruht kein Segen auf diesem Anwesen“, meinte der Vorsitzende der 10 Strafkammer des Landgerichtes nicht nur im Blick auf das soeben verkündete Urteil, sondern auch nach dem Studium einer Chronik. Schon im 17 Jahrhundert gab es dort ein Insolvenzverfahren berichtet er leicht schmunzelnd.

 

Auch von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen habe er gelesen. Das habe sich bis in die Neuzeit fortgesetzt. Und jetzt ein weitere juristischer Fixpunkt in der Geschichte des Rittergutes. Ein Urteil gegen derzeitige Pächterin, Ilona W.: 2 Jahre Haft auf Bewährung. Betrogen hat sie in 12 Fällen. Da deckt sich das Urteil mit der Einschätzung des Staatsanwalts. Bloß, dass dieser 3 Jahre und 10 Monate gefordert hatte. Unterschiedlich auch die Bewertung der Schadenshöhe. Sind 165.000 Euro eher viel oder wenig? Für manche der Handwerker, die von Ilona W. für die Renovierung des Gutes beauftragt wurden und die bis heute auf ihr Geld warten, ging es immerhin um ihre Existenz. Andere, so die auch Einschätzung des Verteidigers, hätten es der Angeklagten sehr leicht gemacht. Von einem bestimmten „Opfertypus“ spricht der Vorsitzende in seinem Urteil. Manche Handwerker, dass hatte sich im Verlaufe des Prozesses gezeigt, sahen das große Geld am Horizont und ließen sich von den hochtrabenden Plänen und Kreditankündigungen der Pferdezüchterin blenden. Ein „potemkinsches Dorf“ habe die Angeklagte aufgebaut. Sie konnte nicht darauf bauen, dass die von ihr angestrebten Kredite wirklich zur Auszahlung kämen. Der Vorsitzende zog einen Vergleich: Man könne nicht in der vagen Hoffnung auf einen Lottogewinn schon mal kräftig Waren und Dienstleistungen bestellen. Wenn man diese dann nicht bezahlen könne, sei das Betrug. Jeder wisse, wie unwahrscheinlich ein Lottogewinn sei. Unwahrscheinlich auch die Geschichte der angestrebten Kredite durch Ilona W.. Auch ein regionales Geldinstitut ließ sich ein Jahr lang täuschen. Das Geldinstitut, sowie die Gutsbesitzerin hatten ein hohes Interesse an dem Kauf durch Ilona W.. Das Gut war mit 6,8 Millionen belastet. Genauso hoch sollte der Kaufpreis sein. Es wurde sogar ein Kaufvertrag unterschrieben und die Vorbesitzerin zahlte einmal 250000 und etwas später 150000 für die Beschaffung von Bankgarantien. Letztlich ohne Erfolg. Dabei sollten sich Kredite die mit Hilfe der gefälschten Bankgarantien aus Argentinien erlangt werden sollten doch selbst tilgen. Glaubte die Angeklagte an das Kartenhaus, was 2003 zusammenbrach oder wusste sie was sie tat, als sie immer wieder Handwerker beauftragte?

 

 

Vorsätzlich: Ja. Blauäugig: Auch. Gewerbsmäßig: Nein. Deshalb die milde Strafe, so das Gericht. Sie habe nicht für sich gehandelt, sondern ihr sei es vornehmlich um das Wohl ihrer Trakehner gegangen. Es bestünde für sie eine positive Sozialprognose. Die Angeklagte, die in den Tagen des Prozesses sichtlich abmagerte, nahm das Urteil in sich gekehrt und verbittert zu Kenntnis. Jetzt kann sie auf das heruntergekommene Rittergut zurückkehren. Dort wohnt sie pachtfrei. Ganz legal. Die Kosten für den Unterhalt des Gebäudes, so wurde bekannt, trägt das involvierte Kreditinstitut.

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