Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Ping! – Die Kasse klingelt: „Ihr Anruf wurde gezählt“

 Landgericht Osnabrück verhandelt gegen Telefonbetrüger

 Osnabrück (kno) – Wenn sich die Betrugsvorwürfe der Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Osnabrück bewahrheiten, dann haben zwei Männer und eine Frau im Jahre 2006 eine ganz fiese Abzockmasche ausgeklügelt und in die Tat umgesetzt

. Ab dem 22. Dezember 2006 ließen sie von einem Frankfurter Rechner aus pro Sekunde bis zu 120 Handynummer in Deutschland anrufen. Es klingelte bei den Angerufenen höchstens einmal, sodass keine Gelegenheit zur Gesprächsannahme bestand. Die Angeklagten gingen, so die Staatsanwaltschaft Osnabrück, davon aus, dass viele der Angerufenen die Möglichkeit zum Rückruf bei der angezeigten Nummer nutzen. Dass es sich dabei um einen Anruf bei einem kostenpflichtigen Mehrwertdienst handelte, war nicht leicht zu erkennen, denn die 0137 Nummer war durch das Voranstellen der Länderkennung Deutschland +49 und den Wegfall der 0 verschleiert und erschien als +49137..... Viele der Teilnehmer vermuteten hinter dem Anrufversuch Verwandte oder Bekannte, die Weihnachts- und Neujahrswünsche übermitteln wollten. Wer in die Falle tappte, hörte nach dem Anwählen nur eine Ansage: „Ihr Anruf wurde gezählt.“ Dass dabei auch die Kasse klingelte, sagte die Tonbandstimme nicht. Pro Anruf wurden mindestens 0,98 Euro fällig. Meistens kamen noch Kosten für den Mobilfunkbetreiber hinzu, sodass bis zu 2,78 Euro berechnet wurden. In der Zeit vom 22.12. bis zu 31.12.2006 wurde in 785.000 Fällen zurückgerufen, wovon 660.000 Anrufe berechnet wurden. Allein dadurch entstand ein Schaden von 645.000 Euro. Er dürfte aber für die Teilnehmer,.so der leitenden Staatsanwalt, wegen der zusätzlichen Mobilfunkkosten noch wesentlich höher sein. Um den Telefonprovider und der Bundesnetzagentur die Vielzahl der Anrufe plausibel zu machen zu können, richteten die Angeklagten zur Tarnung und Verschleierung die Internetseite www.voting24.net ein, auf der für eine Scheinabstimmung zur damals geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer geworben wurde. Und damit nicht genug: Es wurden auf anderen Internetseiten Werbebanner geschaltet, die wiederum auf die Abstimmungsseite verlinkt waren. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück ergaben allerdings, dass die Seite erst ab dem 28.12.2006 zugänglich war und lediglich 12 Testzugriffe erfolgten. Bei den Angeklagten handelt es sich um einen bereits mehrfach aufgefallenen 36-Jährigen aus Frankfurt, einen 53-jährigen Österreicher und eine 42-Jährige, die vor Gericht als ihren Wohnsitz Mallorca angab. Ein Osnabrücker Polizist, der bereits die Ermittlungen geleitetet hatte, die zu zwei großen Dialerverfahren vor dem Landgericht Osnabrück geführt hatten, wurde kurz vor dem Weihnachtsfest in Internetforen auf Meldungen über möglichen Ping-Betrug aufmerksam. Wie er als Zeuge aussagte, konnte er wegen der Feiertage erst Tage später Auskünfte bei den Telefonanbietern einholen. Gestärkt wurde sein Verdacht, als ein Kollege ihm von einem verdächtigen Anruf auf seinem Diensthandy erzählte. Der Beamte habe zurückgerufen und dann nur die besagte Ansage gehört. Nach den Weihnachtsfeiertagen 2006 ging dann alles ganz schnell: Die Auskünfte führten zur Abschaltung der entsprechenden Rufnummern und Anfang 2007 zu Hausdurchsuchungen in Frankfurt und Darmstadt.  Die Auszahlungen der anteiligen Summen für die Nutzung der Mehrwertdienstnummer konnte gestoppt werden. Eine Rückerstattung an die geprellten Kunden durch die Telefonanbieter erfolgte nicht. Zum Teil wäre dieses auch unmöglich gewesen, weil es sich um Prepaidkartennutzer handelte.

 

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