Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Kreditbetrug: Beute in den Lederbeutel

Landgericht Osnabrück: Festnahme nach dem Urteil

 Nach 40 Verhandlungstagen endete vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Osnabrück ein Verfahren gegen zuletzt drei Angeklagte wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges.  Die umfangreiche Beweisaufnahme mit der Anhörung von 200 Zeugen hatte ergeben, dass der 29-jährige Sarkis S, der 45-jährige Martin D., sowie seine 39-jährige Frau Cornelia D. in den Jahren 2006/07 mit gefälschten Bonitätsunterlagen 165 Kredite vermittelt hatten, notleidend wurden. Der Gesamtsumme der beantragten Kredite belief sich auf 2.746.224 Euro. Während der Angeklagte Martin D. und seine Frau schon vor dem Verfahren in einem Geständnis eingeräumt hatten, dass sie gewusst hätten, dass „das Schneeballsystem zum Scheitern verurteilt gewesen“ sei, bestritt Sarkis S. bis zuletzt seine Täterschaft.  Die drei Angeklagten hatten sich 2005 kennen gelernt, nach dem Martin D. bereits mit 2 Betreibern einer Allianz-Agentur erste Kreditbetrügerein durchgeführt hatten. Anfang 2006 beschloss die Bande diese Betrügerein in großem Stil zu begehen. Sarkis S. baute ein Netz von 11 Vermittlern auf, die fast ausnahmslos mittellose Russlanddeutsche ansprachen. Den Kunden wurde eine Provision von 1000 Euro versprochen, wenn sie sich bereit erklärten einen Kredit zu beantragen. Die notwendigen Fälschungen der Gehaltsunterlagen nahmen die Angeklagte Cornelia D. als Büroleiterin und vier Angestellte in den Räumen der ProDefender GmbH am Bahnhof in Osnabrück vor. Als Legende wurde den Kreditnehmer erklärt, die Summen zwischen 10- und 20000 Euro würden gewinnbringend angelegt und die Kredite nach sechs Monaten abgelöst. Die Ratenzahlungen würden von der ProDefender GmbH geleistet. Mit den Kreditnehmern und den gefälschten Unterlagen fuhr ein Vermittler oder auch die beiden männlichen Angeklagten zu einer Bank. Innerhalb von wenigen Minuten, teilweise ohne Nachfragen, wurden die Kredite gewährt. Bis Juni 2006 wurde so die Dresdener Cetelem Kreditbank in 29 Fällen um 431.000 Euro erleichtert. Wesentlich häufiger und ab Juni 2006 ausschließlich fuhr die Bande zur HypoVereinsbank. Hier schien es besonders leicht und unkompliziert zu laufen. 131 Kredite mit einen Volumen von 2.1 Millionen Euro wurden an Personen vergeben, die größtenteils keinerlei Sprachkenntnisse hatten und Hartz IV Empfänger waren. Nachfragen zum Verwendungszweck der Kredite oder zu den angeblichen Arbeitsstellen wurden nicht gestellt. Nach der Auszahlung der Kredite verblieben 1000 Euro beim „Kunden“. Der Rest wanderte in einen großen Lederbeutel im Büro der ProDefender GmbH. Aus dem Beutel heraus wurden Vermittler bezahlt, Luxuskarossen gekauft und vereinbarte Ratenzahlungen geleistet, um das System am Laufen zu halten. Während des gesamten Prozesses hat der Angeklagte D. behauptet, dass sowohl die Kunden, wie auch die Bankangestellten von den Manipulationen gewusst hätten. Das Gericht stellte dazu fest, dass die Kreditnehmer zwar teilweise von den Fälschungen wussten, aber nicht geahnt hätten, dass die Ratenzahlungen nicht erfolgen würden. Und in Bezug auf die Bankangestellten formulierte der Richter: „Ab Juni 2006 wussten sie es. Im Hause der HypoVereinsbank wurden die Richtlinien (zur Kreditvergabe, Red) nicht eingehalten.“ Gegen drei Bankangestellte der Bank sind zwischenzeitlich eingestellte Ermittlungsverfahren wegen Untreue wieder aufgenommen worden.  Der zur Urteilsverkündung in seiner Berufsbekleidung als Elektroinstallateur erschiene Martin D. wurde wegen Betruges (34 Einzelfälle) und Beihilfe zur Untreue (110 Fälle) zu einer Haftstrafe von 4 Jahren und 10 Monaten verurteilt. Seine Frau muss für 34 Monate ins Gefängnis. Vielfacher Betrug, Beihilfe zur Untreue, kein Geständnis, keine Einsicht und ein höhnische Verhalten gegenüber den Opfern seiner Betrügerein führten für Sarkis S. zu einem Urteil von 6 Jahren und 3 Monaten. Wegen Fluchtgefahr wurde er noch im Gerichtssaal festgenommen, muss aber demnächst wieder vor dem Landgericht erscheinen. Die 3 Verurteilten erhielten kurz vor Prozessende die Anklage wegen Immobilienbetruges. Schaden im neuen Verfahren: 5 Millionen. Geschädigte Bank: HypoVereinsbank Osnabrück.        

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