Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Kein Brand und kein Safran in Syrien

 Amtsgericht Osnabrück: Freispruch nach Geschichte aus 1001 Nacht

Ein 39-Jähriger ist nach 3-tägiger Verhandlung vor dem Amtgericht Osnabrück vom Versuch des Betruges an seiner Haftpflichtversicherung freigesprochen worden. Er hatte 2010 bei der Züricher Versicherung einen Schaden gemeldet und dazu entsprechende Unterlagen eingereicht. Danach soll es durch den Angeklagten in Folge eines von ihm in Syrien verursachten Brandes zu einem Schaden von 866000 Euro gekommen sein. Die Geschichte hinter der Schadensmeldung, die sowohl der Angeklagte, wie auch später in leicht verändertet Form von seiner Ehefrau vor Gericht erzählt wurde, klang wie ein Märchen aus 1001 Nacht, wie ein Beobachter in einer Pause meinte. Er sei, mit seiner Familie im August 2010 anlässlich eines Urlaubes in seiner syrischen Heimat zum Grillen aufs Land gefahren. Trocken und sehr heiß sei es gewesen. Beim Fußballspielen mit seinem Sohn sei ein Stein in den Grill gesprungen und habe dort zu einem Funkenflug geführt. Sofort habe es überall gebrannt. Löschversuche mit Mineralwasser und einer Decke seien erfolglos gewesen. Er sei dann mit seiner Familie ganz schnell geflohen. Soweit schilderte auch die Frau des Angeklagten die Geschichte deckungsgleich. Allerdings hätten, so die Zeugin, die Löschversuche eine halbe Stunde gedauert. Ihr Mann habe sich dann versteckt, als sie erfahren hätten, dass es zu einem größeren Brand gekommen sei. Geprüft hätten sie das nicht. Wenig später seien sie nach Deutschland zurückgekehrt. Von seiner Verwandtschaft habe er, so der Angeklagte, dann erfahren, dass er einen sehr großen Schaden verursacht hätte. Diesen Schaden habe er im Dezember seiner Versicherung gemeldet. Ein Gutachten über das Schadensausmaß habe er ebenfalls weiter gereicht. Vor Gericht sagte er: „Ganz geglaubt habe ich das nicht.“ In dem Gutachten aus Syrien wird bescheinigt, dass 380 Obstbäume auf einer Fläche von 3 Hektar verbrannt seien. In der ersten Übersetzung heißt es weiter, dass außerdem 4 bis 5 Tonnen Safran vernichtet wurden. Das wäre mehr als das Doppelte der Weltjahresproduktion von 2 Tonnen. Abenteuerliches berichtete auch ein Ermittler der Versicherung, der den Schadensort besucht hatte. Er habe keinerlei Brandspuren entdecken können. Niemand habe von dem Brand gewusst. Der angeblich geschädigte Bauer habe sich erst sogar geweigert ihm den Ort zu zeigen. Kurios: Der Bauer habe gesagt, dass er den Safran zum „ersten Mal ausgesät“ habe. Ermittler: Safran ist eine Zwiebelpflanze, gehört zu den Krokussen und wird gepflanzt. Allerdings nicht in Syrien. Unglaubwürdig für den Anklagevertreter auch die Angabe des Angeklagten, dass die syrische Verwandtschaft den Schaden bereits bar beglichen hätte: 57 Millionen syrische Pfund. „Die ganze Geschichte ist an den Haaren herbeigezogen“, stellte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer fest. Sie sei „Unfug“ und „völlig abwegig“. Leichte Zweifel an der Hintergrundgeschichte äußerte auch der Amtsrichter. Allerdings sei die Glaubhaftigkeit des angeblichen Brandes nicht ausschlaggebend für den Freispruch vom Vorwurf des versuchten Versicherungsbetruges. Der Angeklagte habe einen Schaden gemeldet und der Versicherung Unterlagen zur Prüfung in dem Bewusstsein weitergereicht: „Glaubt das oder glaubt das nicht.“ Das Gericht könne dem Angeklagten nicht nachweisen, dass er die Versicherung täuschen wollte. Mit dem Freispruch ist die Angelegenheit für den Syrer noch nicht erledigt. Die Versicherung hat zwar eine Schadenregulierung ablehnt, hat aber durch die Ermittlungen selbst einen Schaden von 30000 Euro erlitten, den sie vielleicht zivilrechtlich geltend machen wird.

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