Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Betrogener Torfhändler aus den Niederlanden weinend: Wo ist mein Geld, Herr Richter?

Landgericht Osnabrück verurteilte betrügerischen Anwalt aus Meppen zu 4 Jahren

Ein 58-jähriger ehemaliger Rechtsanwalt und Notar aus Meppen musste sich seit dem 24. April 2012 vor dem Landgericht Osnabrück wegen Untreue und Betruges in 11 Fällen verantworten. Nachdem der Staatsanwalt 5 Jahre Haft für die Taten gefordert hatte, urteilte die 10. Große Strafkammer: Der Angeklagte wurde zu 4 Jahren Haft verurteilt. Die Prozessankündigung durch das Landgericht Osnabrück klang nüchtern: „Der Angeklagte war bis zum Juli 2010 Rechtsanwalt im Emsland. Durch finanzielle Schwierigkeiten soll er sich spätestens im Jahr 2004 dazu entschlossen haben, wiederholt Gelder, die ihm von Mandanten anvertraut worden waren, auftragswidrig für eigene Zwecke, zur Aufrechterhaltung des Kanzleibetriebes, verwendet haben.“ Sieben Tage lang wühlten sich die Prozessbeteiligten durch Aktenberge mit Zahlen. Doch was es für die Opfer konkret bedeutete, wenn der Angeklagte „seine Vertrauensstellung als Vertreter der Rechtsordnung“ missbrauchte, wurde in den Zeugenaussagen deutlich. Eine 88-Jährige konnte nicht vor Gericht erscheinen, sie war von einer Richterin in einem Heim vernommen worden. Die Aussage wurde verlesen. Der 58-Jährige kannte die Frau seit langem und hatte sie betreut. Er fuhr mit ihr zum Kaffeetrinken und machte Besorgungen für sie. 2003 hatte er sich von ihr eine Versorgungsvollmacht unterschreiben lassen, die ihm erlaubte ihre Vermögensangelegenheiten zu regeln. Nach einer Ergänzung 2008 durfte er über ein Kapital von 180.000 Euro verfügen. Gemeint war laut Vertrag eine gewinnbringende Anlage. Der Angeklagte aber überwies Teile des Geldes auf sein eigenes Konto und veruntreute nach Aktenlage 57.600 Euro. „Die waren dann weg,“ stellte der Richter nüchtern fest. Ergreifend die Vernehmung eines 70-jährigen Niederländers vor Gericht. „Ich hatte 100 % Vertrauen zu ihm,“ berichtete der Torfhändler aus Vriezenveen. Nach einem Vergleich, der unter Beteiligung des Angeklagten zu Stande gekommen war, sollte der 70-Jährige 225.000 Euro erhalten. Der Meppener Anwalt habe hartnäckig darauf bestanden, dass das Geld erst auf sein Konto gezahlt werde. Und nicht nur das: Er forderte in bar eine Zahlung von 57.000 Euro als angebliche Sicherheitsleistung. Als das Geld nicht an ihn ausgezahlt worden sei, berichtete der Torfhändler, habe fast ein Jahr lang erfolglos versucht, an sein Geld zu kommen. Immer wieder wurde er vertröstet: „In 3 Tagen ist das Geld da.“ Selbst als er dem Angeklagten berichtete, dass er sein Haus verkaufen müsse, ließ sich dieser nicht erweichen. Schließlich war sein Haus weg und außerdem habe sich seine Frau von ihm getrennt. „Warum?“ fragte der weinende Niederländer. „Wo ist mein Geld?“ In weiteren Fällen veruntreute der Anwalt Gelder aus Erbangelegenheiten und Versicherungszahlungen. Die Höhe der Gesamtverbindlichkeiten, bezifferte ein Insolvenzverwalter auf 1.177.000 Euro, wovon 420.000 Euro laut Anklage veruntreut wurden. Seine Verteidiger hatten versucht für ihren Mandanten eine verminderte Schuldfähigkeit geltend zu machen, weil er im Jahre 2005 in seinem Haus von 3 Männern brutal überfallen worden sei und seit dem unter einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe. Doch das ließ das Gericht nicht gelten. Der Angeklagte habe schon vor dem Überfall mit seinen betrügerischem Handeln begonnen und auch danach koordiniert gehandelt und „alle getan um seine Fassade aufrecht zu erhalten“. Bereits im Juni 2008 war der 58-jährige vom Amtsgericht Meppen wegen 3-facher Untreue zu einer 11-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Meppener Urteil wurde in das jetzige Urteil wegen fünffacher Untreue und dreifachem Betruges zu 4 Jahren Haft einbezogen. 

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