Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Wichtiger Zeuge hat sich nach Thailand abgesetzt

Amtsgericht Osnabrück: Bewährungsstrafe für Bankmitarbeiter nach erneuter Untreue

Für einen 48-Jährigen Angeklagten, der sich vor dem Amtsgericht Osnabrück wegen 14-facher Untreue in Tateinheit mit Betrug zu Lasten verantworten musste, erwies es sich als überaus günstig, dass sich ein wichtiger Zeuge nach Thailand abgesetzt hatte. So war es ihm möglich dem Flüchtigen unwidersprochen zu unterstellen, von ihm erpresst worden zu sein. Der bereits 2007 wegen 22-facher Untreue zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilte ehemalige Bankmitarbeiter aus Bissendorf hat vor dem Amtsgericht seine neuen Straftaten gestanden. Danach hat er in den Jahren 2008 und 2009 als Angestellter der Degussa-Bank auf den Name von Kunden ohne deren Wissen Konten eröffnet und anschließend für sie Darlehn in der Höhe von bis zu 20000 Euro beantragt. Die vermeintlichen Kreditnehmer erfuhren von den Machenschaften des Bissendorfers nichts, weil er den Schriftverkehr der Bank entsprechend manipulierte. Von den insgesamt auf diese Weise erlangten 146.000 Euro hat der Angeklagte, seinem Geständnis nach, nichts für sich verbraucht. Er habe es an den nach Thailand geflüchteten Zeugen weitergereicht, weil er von diesem unter Druck gesetzt worden sei. Der Mann habe von dem Untreuevorwurf zum Nachteil einer Sparkasse gewusst, bei welcher der Angeklagte vor seiner Tätigkeit bei der Degussa-Bank gearbeitet hat. Für eine angeblich angestrebte Selbstständigkeit sei der abgängige Zeuge immer wieder bei ihm erschienen und habe ihn gezwungen Kreditanträge zu stellen, weil er das selbst wegen einer SCHUFA-Eintragung nicht tun konnte. Auch für den Vater und die Ehefrau seien entsprechende Darlehensanträge gestellt und in der Frankfurter Zentrale der Degussa-Bank genehmigt worden. Der Angeklagte habe, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, gewusst, dass diese Darlehn notleidend werden würden. Ob der Angeklagte, wie er behauptete, keinerlei finanziellen Vorteil aus seinen Manipulationen zog, blieb im Verfahren unklar, weil seine Vermögensverhältnisse nicht geprüft worden waren. Mit Verwunderung nahm der Richter zu Kenntnis, dass es kein Zivilverfahren zur Wiedererlangung der ertrogenen Summe durch Degussa-Bank gegen den Angeklagten gibt, obwohl er Immobilienbesitz hat. Ein Psychologe, der den Bissendorfer seit Jahren betreut, hatte ihm bescheinigt, dass er bei seinem „Fehlverhalten bei der Kreditvergabe“ unter einem „Helfersyndrom“ gelitten habe. Es bestehe aber eine sehr positive Prognose, die durch eine eventuelle Haftstrafe behindert würde. Die Staatsanwaltschaft beantragte nach der Beweiserhebung eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Der Verteidiger des 48-Jährigen verwies darauf, dass sein Mandant durch den dauerhaften Verlust seines Arbeitsplatze genug gestraft sei: „Mein Mandant wird nie wieder in einer Bank arbeiten.“ Der Anwalt hielt eine Bewährungsstrafe für angemessen. Nach langer und intensiver Beratung habe sich das Schöffenrgericht entschlossen dem Angeklagten noch einmal eine Bewährungszeit von 5 Jahren zu ermöglichen, so der Richter. Im Falle einer neuen Straftat müsse er für ein Jahr und zehn Monaten wegen nicht gewerbsmäßiger Untreue in Tateinheit mit Betrug in Haft. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, so der Richter, weil der Angeklagte kurz nach seiner ersten Bewährungsstrafe erneut mit seinem Betrug zu Lasten seines neuen Arbeitgebers begonnen habe. 

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