Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Ahnungslose Russlanddeutsche geprellt: Über 1 Million Euro verschwunden

Landgericht Osnabrück: Geld verloren - Prozess gewonnen

Osnabrück – In einem recht kurzen Prozess vor der 7. Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück erging gegen einen nicht erschienen beklagten Anlageberater aus Hannover ein Versäumnisurteil. Eine Ehepaar aus Wietmarschen hatte ihn auf Schadenersatz von 30000 Euro verklagt, weil sie sich von dem Beklagten geprellt fühlten.

Im Dezember 2006 hatten die Kläger dem Hannoveraner 20000 Euro in bar übergeben, damit er die Summe für sie gewinnbringend anlege. Bei einem weiteren Treffen im März 2007 wurden weitere 10000 Euro überreicht. Das Geld sollte auf einer Schweizer Bank mit einer Gewinnerwartung zwischen 6 und 13 % deponiert werden. Nach Ablauf der vereinbarten dreijährigen Laufzeit wurde das Geld nicht zurückgezahlt. Die Beklagten, die vom Lingener Rechtsanwalt Hans-Heino Beimesche vertreten werden, hatten Klage eingereicht, weil sie sich getäuscht fühlten. Anders als in überreichten Prospekten einer Schweizer Bank dargestellt, soll es sich um spekulative Anlageformen gehandelt haben. Das sei, so erklärt Beimesche, den Anleger nicht gesagt worden.

Gegen den Beklagten laufen vor verschiedenen Gerichten diverse zivilrechtliche Parallelverfahren. In Hannover muss er sich wegen Anlagebetruges strafrechtlich verantworten. Wie Rechtsanwalt Beimesche mitteilte, beläuft sich der Gesamtschaden auf über 1 Million Euro. Opfer der Betrügereien waren in vielen Fällen ahnungslose Russlanddeutsche, die über Landsleute angeworben wurden, sich an den, wie sich nun zeigte, dubiosen Geschäften zu beteiligen.

Der Beklagte erschien, anders als die Kläger und zwei Zeugen, nicht vor dem Landgericht. Auch sein Anwalt aus Hannover ließ sich nicht blicken. Dem Beklagten hatte das Landgericht eine Prozesskostenhilfe verweigert, weil keine Aussicht auf den Erfolg der Beklagtenseite bestehe. Dieser Beschluss war, so erklärte die Zivilrichterin, vom OLG Oldenburg bestätigt worden. Nach einer angemessenen Wartezeit verkündete sie das Versäumnisurteil. Der Beklagte muss, falls er das Urteil nicht innerhalb von zwei Wochen anficht, die Schadenssummer, nebst Zinsen zahlen. Ob die Geprellten jemals mit dem erlangten Titel etwas anfangen können, ist äußerst fraglich. Die ergaunerte Gelder sind verschwunden.

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