Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

"Schlimmer als ein Einbrecher, denn der nimmt Risiko."

Niederländischer Firmenchef erzürnt sich vor dem Landgericht Osnabrück im Untreueprozess

Osnabrück – An zwei weiteren Tagen verhandelte die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Osnabrück gegen einen 53-Jährigen, der als Immobilenverwalter im Auftrag einer niederländischen Firmengruppe hohe Summen veruntreut haben soll. Am Ende des ersten von zwei weiteren Verhandlungstagen gegen einen Nordhorner (53) fragte der vorsitzende Richter den Angeklagten ganz direkt: "Warum haben Sie, nachdem sie zivilrechtlich dazu verurteilt worden sind, das Geld nicht an die Gläubiger gezahlt?" Die Antwort des Angeklagten kam prompt und eindeutig: "Das Geld war nicht mehr da." Der Richter gab ihm darauf den Rat: "Wenn Sie hier noch was retten wollen, dann zahlen Sie das, was Sie noch haben." Dann fällt das böse Wort vom Gefängnis, welches dem Angeklagten droht, weil er in den Jahren 2010 und 2011 dreimal hohe Beträge von einem Sammelkonto für Mieteinnahmen auf eines seiner Geschäftskonten transferiert haben soll. Die einzelnen Beträge in der Anklageschrift summieren sich auf 862.663 Euro. In einem Zivilprozess hatten die Niederländer einen Titel mit einem Anspruch auf 550.000 Euro erwirkt, dessen Vollstreckung aber unmöglich war, weil der Angeklagte seinen Wohnsitz von Nordhorn nach Wilhelmshaven verlegt hatte, wo er aber nicht erreichbar war. Von einer Briefkastenfirma ist in diesem Zusammenhang die Rede.
Immer wieder wird im Prozess der 6.11.2010 genannt. An diesem Tag haben sich die niederländischen Firmenvertreter mit dem Angeklagten und einem Geschäftspartner des Angeklagten in Bad Bentheim getroffen, um die Modalitäten der Auflösung des Verwaltervertrages und ausstehende Restforderungen zu besprechen. Der Angeklagte hatte behauptet, dass es an diesem Tage noch nicht zu einer abschließenden Einigung über die Zahlung von 300000 gekommen sei.
Der Geschäftspartner des Angeklagten hätte, als Teilnehmer am Geschäftsessen in Bad Bentheim für Klarheit sorgen können, doch er eierte als Zeuge vor dem Landgericht herum. Seine Aussagen blieben im Vagen und widersprachen sich: "Ich hatte das Gefühl, dass man da einen Haken dran kriegt." Wenig später: "Es gab keine endgültige Einigung." Man habe über weitere "Geschäftsfelder" gesprochen und schließlich habe sich der Angeklagte mit dem Seniorchef der Gegenseite zurück gezogen. Er wisse nicht, was da besprochen worden sei. Ob er denn nicht nach den Gesprächen seinen Geschäftspartner gefragt habe, wollte der Richter wissen. "Nein", antwortete der Zeuge, und stieß damit beim Gericht auf Skepsis.
Nach dieser widersinnigen Aussage öffnete sich die Tür des Gerichtssaales und es kamen drei Niederländer nebst deutschem Rechtsbeistand hereinspaziert. Senior- und Juniorchef, sowie der Finanzdirektor der Immobilenfirma aus der Nähe von Deventer (Ndl.). Sehr ausführlich schilderte der 61-jährige Finanzdirektor den Hergang der Ereignisse, die er durch zahlreiche Dokumente belegen konnte. Ja, es habe eine Einigung über einen Anspruch des Angeklagten von 255.000 Euro in Bad Bentheim gegeben, der hernach sofort in Rheine bei einem Anwalt schriftlich zu einen Vertragsentwurf fixiert worden sei. Diesen Vertrag habe der Angeklagte unterschrieben und am 6.1.2011 persönlich von ihm eine ebenfalls unterschriebene Kopie erhalten.
Lautstark, in gebrochenem Deutsch, aber klar verständlich, erzürnte sich anschließend der 68-jährige Seniorchef über den Angeklagten: "Wir haben ihm Vertrauen gegeben und er hat eine Million von unserem Konto gestohlen und läuft damit in seiner Tasche herum. Er ist schlimmer als ein Einbrecher, denn der nimmt Risiko."
Etwas gelassener ergänzt sein Sohn die Aussage seine Vater: "Wir dachten nach der Einigung sei die Sache erledigt, aber wir haben unser Geld bis heute nicht." Der Prozess wird am 25.3.2015 fortgesetzt. Dann soll ein weiterer Niederländer aussagen.

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