Betrug und Wirtschaftsstrafsachen

Kurz vor dem Urteil regnete es Geld

Landgericht Osnabrück: Bewährungsstrafe für reuigen Immobilienverwalter

Osnabrück – An fünf Tagen verhandelte die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Osnabrück gegen einen 53-jährigen Immobilienverwalter aus Nordhorn wegen Untreue. Jetzt fiel das Urteil: Der Angeklagte erhält eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Der 53-Jährige war seit 2006 fast ausschließlich im Dienste einer niederländischen Immobilienfirma tätig gewesen, bevor diese die Verträge 2010 kündigten. Unter anderem hatte die Aufgabe des Verwalters darin bestanden Mietzahlungen auf einem Treuhandkonto zu sammeln. Von diesem Konto wurden Kosten für die Immobilien beglichen, überschüssige Gelder wurden regelmäßig in die Niederlande überwiesen.
Nach der Kündigung trafen sich die Vertragsparteien im November 2010, um über ausstehende Provisionszahlungen zu sprechen. Am Ende stand eine Einigung: 303.000 Euro standen dem Verwalter zu. Für die Niederländer, das ergab die Beweisaufnahme, war es eine endgültige Einigung.
Anders der Angeklagte: Er hielt an seiner erhobenen Forderung von fast einer Million fest. Oder doch nicht? Die Beweisaufnahme brachte keine Klärung. Fest steht, dass er sich unberechtigter Weise dreimal vom Treuhandkonto selbst bediente.
Im Dezember 2010 buchte er 604.758 Euro auf sein eigenes um. Es folgten weitere Überweisungen im Januar 2011 von 90.700 Euro und im September von 167.205 Euro.
Wegen dieser unzulässigen Überweisungen kam es zum Zivilrechtsstreit und zur Strafanzeige wegen Untreue.
Von einer Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück wurde den Niederländern fast 600000 Euro zugesprochen. Bis jetzt hatten die Gläubiger alles versucht, um an ihr Geld zu gelangen. Vergeblich.
Mehrfach hatte der vorsitzende Richter an den ersten vier Verhandlungstagen den Nordhorner aufgefordert, den entstandenen Schaden wieder gut zu machen und alle verfügbaren Gelder an die Staatsanwaltschaft zur Weiterleitung in die Niederlande zu überweisen. Nichts war passiert.
Der Tag des Urteils nahte.
Ein kleines Wunder: Nachdem der Angeklagte sich bisher als mittellos dargestellt hatte und Pfändungen in Leere gelaufen waren, regnete es am Urteilstag Geld. 110000 hatte der Angeklagte bar an seinen Anwalt übergeben, damit dieser es weiterleiten könne. Zusätzlich waren zwei Banken angewiesen worden insgesamt 100.000 Euro an die Staatsanwaltschaft zu überweisen, sobald diese Gelder nach einer Beschlagnahme durchs Finanzamt wieder freigegeben werden. Und zu guter Letzt erklärte sich der Angeklagte bereit zwei Eigentumswohnungen aus seinem Besitz auf die niederländische Firma überschreiben zu lassen.
Auf die Frage, woher das Bargeld stamme, verwies der Angeklagte auf "gute Freunde".
"Es wäre schön gewesen, wenn das Geld am heutigen Tage bereits auf dem Konto der Staatsanwaltschaft gewesen wäre", stellt der Ankläger in seinem Plädoyer fest. Doch trotzdem würdigte er die eingeleitete Wiedergutmachung positiv und beantragte eine Bewährungsstrafe.
Die Wirtschaftsstrafkammer urteilte entsprechend. Wegen Untreue in drei besonders schweren Fällen wird der 53-Jährige zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

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