Jugendliche

20-Jähriger hat die hiesige Rechtsordnung noch nicht verinnerlicht

Amtsgericht Osnabrück: „Wenn er´s jetzt nicht kapiert hat, ist er bald wieder hier.“

Osnabrück (kno) – Knapp 2 Stunden dauerte der Prozess gegen einen 20-jährigen Syrer aus Melle, dem die Staatsanwältin einen Diebstahl und fünf Einbruchsdiebstähle in Meller Firmen und einer Schule vorhielt. Der zur Zeit unter Bewährung stehende 20-Jährige wurde erneut zu einer Bewährungsstrafe von 1 Jahr und 6 Monate verurteilt. 9 Uhr im Amtsgericht Osnabrück: Auf dem Flur die übliche Gemengelage. Zahlreiche Jugendliche stehen in Gruppen vor den Sitzungssälen, dazwischen wenige Erwachsene - Rechtsanwälte und Zeugen.

 

Leicht verspätet betritt die Vorsitzende Richterin des Jugendschöffengerichts den Saal und wuchtet einen Berg Akten auf den Tisch. Mit den Worten: „Wir kennen uns ja schon aus dem letzten Jahr“, begrüßt sie den Angeklagten. Dann stellt sie fest, dass der Angeklagte seiner Geldauflage aus dem letzten Urteil nicht nachgekommen ist. Der 20-Jährige entgegnet, er habe an das Amtsgericht gezahlt. Das betreffe die Gerichtskosten erklärt die Richterin, die Geldauflage war für eine Suchtberatung bestimmt und sei dort nicht angekommen. Es folgt die Verlesung der Anklage: Mit mindestens einem weiteren Mittäter soll der Angeklagte am 18.3.2009 aus einem LKW eine Tasche mit 3500 Euro Bargeld gestohlen haben. Dann listet die Staatsanwältin 5 gemeinschaftlich begangene Einbruchsdiebstähle auf. Betroffen war die Heinrich-Böll Schule und 4 Firmen in Melle. Gestohlen wurde ungefähr 2000 Euro Bargeld und zahlreiche Elektrogeräte: Kameras, Laptops, Beamer Flachbildschirme. Die Serie endete am 18.1.2010 mit einer Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten. Es wurde umfangreiches Diebesgut sichergestellt. Die ersten beiden Taten habe er nicht begangen, erklärt der 20-Jährige der Richterin: „Ehrlich nich`.“ Wie es denn sein könne, dass die Aktentasche aus dem LKW bei ihm gefunden wurde, wollte die Richterin wissen. Die habe er gefunden, antwortet der Angeklagte. Und wie kam der Laptop aus der Heinrich-Böll-Schule in seine Wohnung? Den habe er von einem Kumpel, dessen Namen er aber nicht nennen könne, gekauft, so der Angeklagte. „Ich glaube Ihnen kein Wort.“ fasst die Richterin die Einlassungen des Angeklagte zu den ersten beiden Tatvorwürfen zusammen. Da er die übrigen 4 Einbrüche zugibt, werden die beiden ungeklärten Fälle eingestellt. Seit 2006 ist der junge Mann bereits 5 mal aktenkundig geworden. 3 Fälle wurden eingestellt oder endeten mit richterlichen Weisungen. 2009 wurde er wegen gemeinschaftlichem Diebstahls zu 1 Woche Jugendarrest verurteilt. Im Jahre 2010, nach den jetzt zur Rede stehenden Taten, traf er zum ersten mal auf die Richterin des Amtgerichts, die ihn zu einer Bewährungsstrafe von 8 Monaten verurteilte. Die bei ihm damals aufgefundenen 115 g Marihuana im Werte von 800 Euro waren angeblich  für den Eigenbedarf bestimmt. Im Hinblick auf eine mögliche Suchtproblematik stellt die Richterin fest: „Er sieht ja heute nicht so aus, als ob er großartig was intus hätte.“ Angesichts des Geständnisses und der glaubhaften Angabe des Angeklagten, dass er zur Zeit einen festen Job habe, beantragte die Staatsanwältin eine Bewährungsstrafe von 1 Jahr und 6 Monate. Deutliche Worte richtete der Verteidiger, Dr. jur. Manfred Kubillus an seinen Mandanten. Er wisse, dass dessen Einlassungen zu den beiden eingestellten Tatvorwürfen „nicht ganz überzeugend waren.“ Sein Mandant habe noch nicht verinnerlicht, dass er sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten habe. Auf ihn kämen die Kosten wegen der erheblichen Sachbeschädigungen von geschätzt 30000 Euro zu. Das Beschmieren der Wände in einer Schule mit Hakenkreuzen sei inakzeptabel. Es sei für andere ausländische Mitbürger ein schlechtes Signal, so der Verteidiger, wenn er als Syrer solche Straftaten begehe. Sein Mandant gab dem Anwalt in seinem letzten Wort recht. Mit dem Satz: „Entweder er hat es jetzt kapiert oder ist bald wieder hier,“ begründete die Richterin die nochmalige Verhängung einer Bewährungsstrafe, wie von der Staatsanwältin beantragt. Die Bewährungszeit beträgt 2 Jahre. Zusätzlich soll der Angeklagte insgesamt 1000 Euro in Raten an eine Suchtberatung überweisen.


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