Jugendliche

Ferienlager des Stadtsportbundes auf Ameland war kein Horrorcamp

Staatsanwaltschaft Osnabrück: 4 Anklagen wegen Körperverletzung vor der Jugendkammer des Landgerichts erhoben

Osnabrück (kno) – Viel ist nicht übriggeblieben von den ungeheuerlichen Vorwürfen, die im Sommerloch des letzten Jahres tagelang bundesweit für Schlagzeilen sorgten: 4 Anklagen gegen drei 15-jährige und einen 16-jährigen Osnabrücker wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit sexueller Nötigung vor der Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück. In der Berichterstattung war damals von einem „unfassbaren Martyrium in einem Horrorcamp“ die Rede.

 

Betreuer wurden als Kriminellen bezeichnet. Für den Freizeitleiter des Stadtsportbundes, der seit 1973 Fahrten organisiert hatte, brach eine Welt zusammen: Die Vorwürfe zerstörten sein Lebenswerk für dass er 2003 mit der Bürgermedaille der Stadt Osnabrück ausgezeichnet wurde. Auf einer Pressekonferenz, die wiederum von zahlreichen, auch überregionalen Berichterstattern besucht wurde, teilte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer mit, dass es im Ferienlager der Stadtsportbundes Osnabrück auf der niederländischen Insel Ameland zu gewaltsamen Übergriffen unter Jugendlichen gekommen sei. An der Ferienfreizeit Anfang Juli 2010 nahmen 177 Jugendliche und 39 Betreuer teil. Ursprünglich wurde gegen 17 Jugendliche ermittelt, die sich an 8 Opfern vergangen haben sollten. 3 Opfer sollen später auch zu Tätern geworden sein. Nach Abschluss der Ermittlungen wurden 6 Verfahren an die Jugendgerichtshilfe übergeben und ein Gerichtsverfahren gegen 4 Beschuldigte eingeleitet. Die Ermittlungen durch eine Sonderkommission der Polizei gestaltete sich äußerst schwierig, wie Retemeyer berichtete. Viele Jungendliche hatten etwas gesehen oder gehört, Dichtung und Wahrheit führten zu zahlreichen Widersprüchen in den Aussagen. Retemeyer: „Es wurden auch Tatabläufe zusammenphantasiert.“ Die Staatsanwaltschaft kommt zu dem Ergebnis, dass eine Gruppe von älteren Jungen, die nur auf Drängen ihrer Eltern mit in die eigentlich altersmäßig auf 14 Jahre begrenzte Freizeit mitgefahren waren, die Misshandlungen auch durch Schaffung eines Gruppennamens “Anale Indianer von der Fisting Prärie“ und eines Liedes die Taten geplant hätten. Sie hätten sich dann Opfer unter den Jüngeren gesucht, auf die sie mit Indianergeheul losgestürmt seien, um ihnen die Hosen herunterzuziehen. Anschließend seien den Opfern Handfeger oder Flaschen „zwischen die Pobacken“ gesteckt und eben nicht eingeführt worden. Es handle sich somit um eine sexuelle Nötigung und nicht um eine Vergewaltigung nach § 177.2 StGB. Bei den Tätern handele es sich um ganz normale Jugendliche, so der Staatsanwalt, die angesichts der Vorwürfe ziemlich zerknirscht gewesen seien und nicht geahnt hätten, was sie durch ihre Taten auslösen würden. Mit dem immer wieder auftauchenden Begriff „Fisting“ hätten sie überhaupt nichts anfangen können. Das Wort steht für eine Sexualpraktik mit der Faust (englisch "fist"), die Jungen hätten es im Internet gefunden. Einige Ermittlungsverfahren gegen die Betreuer werden erst nach Abschluss des nichtöffentlichen Gerichtsverfahrens gegen die 4 Jugendlichen beendet werden.


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