Jugendliche

10 Einbrüche – 1 Wochenende Freizeitarrest für jugendliches Tätertrio

Amtsgericht Osnabrück liess sich vom Nachttatverhalten beeindrucken

Osnabrück – Sie wollten mit dem Taxi zu einem Restaurant fahren, dort in teuren Klamotten gepflegt essen und über den Ankauf von Luxusgegenständen plauschen. So ungefähr war die Ausgangslage in den Köpfen von 3 Jugendlichen im Alter von 17 bis 18 Jahren, als sie im Sommer 2010 eine Serie von Einbrüchen in Meller Land begannen.

 

Wegen insgesamt 16 Straftaten, die sie in wechselnder Zusammensetzung und auch alleine begingen, mussten sich die drei reuigen jungen Männer jetzt vor dem Amtsgericht Osnabrück verantworten. Die Serie von 10 Einbrüchen begann am 6.08.2010 mit einem erfolglosen Einbruch in ein Autohaus. Dann suchten zwei der Angeklagten nachts die Schule des einen auf, in der er tagsüber ein Kellerfenster entriegelt hatte. Sie stahlen PC-Artikel und 950 Euro in bar. Es folgten bis zum 26.09.2010 Einbrüche in 3 weitere Schulen und 5 Bürogebäude. Auffällig: Nur einmal wurden die Täter von einer Alarmanlage verscheucht. Es lagen zum Teil hohe Bargeldbeträge leicht zugänglich herum. In einer Schule fiel den Angeklagten eine EC-Karte plus Geheimnummer in die Hände. Mit dieser Karte wurde erfolgreich in Melle 500 Euro bei ein Geldautomaten abgehoben, ein weiterer Versuch in Osnabrück scheiterte, weil die Karte gesperrt worden war. In September 2010 versuchten die jungen Männer dann einen Zigarettenautomaten aus einer Eisdiele zu wuchten, doch dafür reichten die Kräfte nicht. Einfacher war es da, einen Autoschlüssel mitgehen zu lassen. Die 3 Angeklagten machten eine Spritztour – natürlich ohne Führerschein – durch die Region, das wiederholten sie später noch einmal. Die anschließende Versenkung des Fahrzeug war vor dem Amtsgericht nicht mit angeklagt und wurde nur am Rande erwähnt. Frisch auf dem Tisch des Amtsgerichtes: Der älteste Angeklagte (18 J.) war vor kurzem dabei erwischt worden, wie er einem 14-Jährigen 2 mal 1 Gramm Marihuana verkauft hatte. Auf den Vorhalt der Staatsanwältin, dass das ja wohl „völlig daneben sei“, entgegnete der junge Mann: „Ich habe ihm auch extra weniger reingetan,“ worauf die Anklägerin bemerkte: „Beschissen haben sie ihn also auch noch.“ Der Gesamtschaden, den die drei Täter durch ihre Diebstähle und die damit verbundenen Sachbeschädigungen verursachten, wurde von der Staatsanwältin nicht beziffert, er dürfte aber im 5-stelligen Bereich liegen. Allein an Bargeld erbeuteten sie fast 5000 Euro. Hinzu kamen unter anderm 7 Laptops, 2 Beamer und Handys. Zu Gute kam den Angeklagten ihr ungewöhnliches Nachtatverhalten. Ein Jugendpfleger des Landkreises berichtet, dass sein nicht gerade kleines Büro an einem Tag unerwartet voll gewesen sei. „Da standen die 3 Herren mit ihren Eltern und berichteten: „Wir haben großen Mist gemacht. Was sollen wir tun?“ Aus vielen Gesprächen, so der Jugendpfleger habe er den Schluss gezogen, die beiden Jüngeren seien im „Grünen Bereich“ und der 18-Jährige sei in einem „guten Fahrwasser“ dorthin. Alle 3 hätten im letzten ¾ Jahr einen Reifungsprozess durchlaufen und gute Ausbildungsperspektiven. Bei einigen ihrer Opfer hätten sich die Angeklagten entschuldigt. Anderseits hätte das Trio eine hohe kriminelle Energie gezeigt, sodass es sinnvoll wäre sie weiter zu beobachten. Vor den Plädoyers des Anwaltes eines 17-Jährigen - zwei Angeklagte waren ohne einen Rechtsbeistand erschienen – und der Staatsanwältin, wies die Vorsitzende Richterin daraufhin, was den jungen Männern geblüht hätte, wenn für sie das Erwachsenenstrafrecht Anwendung finden würde. Von 3 Monaten bis zu 5 Jahre Haft seien für Einbruchsdiebstahl vorgesehen. Pro Tat. Sehr milde dann das Urteil für die drei Angeklagten: Jeweils ein Wochenende Freizeitarrest und Geldauflagen für 2 von ihnen. 500 Euro soll der eine, 390 Euro der andere jeweils in Raten bezahlen. Der 18-Jährige soll, wegen fehlender Einnahmen 70 Stunden gemeinnützige Dienste leisten.

Diesen Beitrag teilen



10 Einbrüche – 1 Wochenende Freizeitarrest für jugendliches Tätertrio - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt