Jugendliche

Schulhoferpressung endete mit Freispruch aus Mangeln an Beweisen

Amtsgericht Osnabrück: Zeuge zum zweiten Mal nicht erschienen

Osnabrück (hkn) – Ein dreitägiger Prozess gegen einen 18-Jährigen aus Melle wegen versuchter Nötigung und räuberischer Erpressung vor dem Amtsgericht Osnabrück endet mit einem Freispruch. In seinem Urteil ließ der Amtsrichter keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte nur aus Mangeln an Beweisen ohne Verurteilung davon kam: „Hätte der letzte Zeuge die Anklagevorwürfe bestätigt, wären Sie reif gewesen.“

 

 

 

Doch gerade dieser „letzte Zeuge“, der zum vorherigen Termin nicht erschienen war, „machte nicht gerade den Eindruck eines aussagefreudigen Zeugen,“ wie der Richter in seiner Urteilsbegründung feststellte. In seinem Plädoyer hatte der Staatsanwalt noch einmal die Tatvorwürfe wiederholt und geschildert, was sich seiner Überzeugung nach im Dezember 2010 und Januar 2011 auf einem Schulhof in Melle abgespielt hatte. Ein 18-Jähriger war vom Angeklagten bedrängt worden ihm 50 Euro zu geben. Zur Sicherheit sei dem Opfer eine teure Halskette abgenommen worden. Sinngemäß soll der Angeklagte gesagt haben: „Wenn du was erzählst, setzt es Schläge.“ Knapp einen Monat später habe er seine Forderung erneuert und gesagt: Wenn du nicht zahlst, wirst du schon sehen, was du davon hast.“ Nachdem der so bedrängte Jugendliche Angst hatte in die Schule zu gehen und sich seiner Mutter offenbart habe, sei der Fall aktenkundig geworden. Der Angeklagte sei bereits 3-mal auffällig geworden, so dass von schädlichen Neigungen auszugehen sei. Der Staatanwalt beantragte eine achtmonatige Jugendstrafe zur Bewährung. Recht forsch reagierte darauf ein junger Referendar, der den eigentlichen Verteidiger des 18-Jährigen vertrat. „Wo ist die Kette“, fragte er den Staatsanwalt. Diese sei nicht bei seinem Mandanten gefunden worden. Es sei unvorstellbar, dass sich eine, wie vom Opfer geschilderte, Szene auf einem öffentlichen Schulhof so zugetragen habe. Er beantragte einen Freispruch. Das Schöffengericht schloss sich dem an, weil ein „eindeutiger Tatnachweis nicht zu führen gewesen sei.“ Der „letzte Zeuge“ hatte, anders als das Opfer behauptet hatte, nichts von den Vorfällen mitbekommen. Er habe lediglich davon gehört, dass der 18-Jährige Schutzgeld hätte zahlen sollen. Mehr konnte oder wollte er nicht sagen. Ein weiterer geladener Zeuge erschien bereits zum zweiten Mal nicht vor Gericht, obwohl der Richter in der letzten Verhandlung dessen Vorführung durch die Polizei angekündigt hatte. Nun wurde ihm erneut die Zahlung eines Ordnungsgeldes von 150 Euro auferlegt.

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