Jugendliche

Dramatischer Fall eines Säuglings endete glimpflich

Landgericht Osnabrück: Bewährung für 19-jährige Mutter wird von Prozessbeteiligten begrüßt

Osnabrück (kno) – Manche Angeklagte müssen nur einmal im Leben vor Gericht erscheinen. Sehr wahrscheinlich gehört die 19-jährige Mutter Jana R. aus Osnabrück dazu. Sie hatte am 7.1.2010 ihren 7-monatigen Säugling vom Balkon eines Mutter-Kind-Heimes an der Iburgerstraße in Osnabrück geworfen. Das kleine Mädchen hatte den Sturz überlebt. Angeklagt wurde die Mutter wegen versuchten Totschlages in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Jugendkammer verhängte nach vier Verhandlungstagen keine konkrete Strafe, sondern stellte die Angeklagte unter einer anderthalbjährige Bewährung, in der sie unter anderem eine stationäre Therapie beginnen soll, um an ihre Persönlichkeitsstörung zu arbeiten. Diese Regelung nach § 27 des Jugendgerichtsgesetzes wurde von den anderen Prozessbeteiligten begrüßt, sie verzichteten auf Rechtsmittel. Mit den Worten: „Wir haben es hier mit einem äußerst dramatischen Fall zu tun, der zum Glück glimpflich endete“, leitete die Staatsanwältin ihr Plädoyer ein und fasste anschließend das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammen. Jana R. habe am Abend des 7. Januars ihre Tochter aus 8 Metern Höhe vom Balkon geworfen. Das Kind sei glücklicherweise in einen 5 Meter von der Hauswand entfernten Sandkasten gefallen und habe dort längere Zeit gelegen. Auf das Schreien des Säuglings sei nach geraumer Zeit eine Nachbarin aufmerksam geworden. Der herbeigerufene Notarzt habe eine Thoraxprellung und den Bruch eines Oberarmes festgestellt. Außerdem sei das Kind bis auf 33° Celsius ausgekühlt gewesen. Sowohl der Sturz, wie auch die Unterkühlung hätten zum Tod führen können. Es gebe, so die Staatsanwältin, keinerlei Hinweise darauf, dass eine andere Person die Tat begangen habe. Verteidigerin Barbara Hansen nahm darauf Bezug und stellte fest: „Meine Mandantin kann sich an nichts erinnern.“ Sie habe an dem Abend „Pep“ (Handelsname für Amphetamin, Red.) zu sich genommen und damit in einen Vollrausch versetzt. Möglich sei auch, so stellte sie in den Raum, dass ein Besucher den Sturz des Kindes herbeigeführt hätte. Die Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück sah keinerlei Zweifel an der Täterschaft der Angeklagten. Richtig sei, dass sich Jana R. durch die Einnahme der Droge in einen fahrlässigen Vollrausch versetzt habe. Wie ein Gutachter festgestellt habe, wäre es zu einer „Gehirnvergiftung“ gekommen, wodurch die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit der Angeklagten vermutlich vollkommen aufgehoben gewesen sei. Sie sei somit schuldlos. Es sei nicht feststellbar gewesen, dass sie sich vorsätzlich berauscht habe, um eine Straftat zu begehen. Sie hätte aber wissen können, dass es passieren kann. Die Bedingungen für die Verhängung einer Jugendstrafe seien nicht erfüllt. Da sie schuldlos sei, könne auch keine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Auch habe das Gericht in der Vorgeschichte der Angeklagten keine Belege für schädliche Neigungen finden können. Das Gericht werde nun, so der Richter, in den nächsten 18 Monaten genau hinschauen, ob sich die 19-Jährige an die Auflagen des Gerichtes hält und sich in Zusammenarbeit mit ihrem Bewährungshelfer einen Therapieplatz sucht. Rechtsanwältin Barbara Hansen setzt sich dafür ein, dass der jungen Mutter, die zur Zeit arbeitet und keine Drogen mehr konsumiert, ein Besuchsrecht für ihre Tochter eingeräumt wird. Zur Zeit befinde sich das kleine Mädchen bei einer Pflegefamilie. Ein Kontakt werde vom Jugendamt mit dem Hinweis auf eine Krankheit des Kindes seit längerem untersagt.

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